Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- Seite 480 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Das Jüdisch^ Echo Nr. 32 nach drei oder fünf oder zehn Jahren die Zionistische Organisation in den früheren Stand zurückversetzt werden, also alle Rechte genießen, die ihr heute gemäß Art. 4 des Palästinamandates in ihrer Eigenschaft als Jewish Agency zustehen, daß die britische Regierung ersucht werden solle, eine entsprechende Zusicherung zu geben, und daß nach Erhalt dieser Zusicherung der 16. Kongreß den Beschluß des 14. Kongresses aufheben möge. Exekutive und Aktions-Komitee haben diesen Vorschlag, vorbehaltlich der Zustimmung des 16. Kongresses akzeptiert. Wir bitten Sie jetzt um Ihre Zustimmung durch Annahme unseres Verfassungsentwurfes. Diese Annahme bedeutet, daß der Beschluß des 14. Kongresses aufgehoben ist. Die Zusicherung der britischen Regierung liegt vor. Es bleibt demnach nur zu erörtern, upter welchen Voraussetzungen die Wiederauflösung eintreten kann. Eiir die Zwecke dieser allgemeinen Übersicht mag es genügen, daß die Verfassung die Wiederauflösung davon abhängig macht, daß zwei Drittel der Council-Mitglieder sie wollen oder durch ihr Desinteressement herbeiführen. Im übrigen darf ich sagen, daß die Exekutive dieser Frage eine rein theoretische Bedeutung beimißt. Ein Bund, der einmal im Zeichen Palästinas geschlossen worden ist, wird nicht wieder getrennt werden. Redner erörtert sodann den organisatorischen Aufbau der Agency. Die Frage, wie die Wahl der Exekutive erfolgt, ist zurzeit noch nicht ganz geklärt und soll nach dem Entwurf auf der Gründungstagung des Councils entschieden werden. Während wir wünschen, daß eine Hälfte der Exekutive von der Zionistischen Organisation bestimmt wird, sagt die andere Meinung, daß die gesamte Exekutive vom gesamten Council einheitlich gewählt werden soll. Wie gesagt, wir sind dahin übereingekommen, daß diese Frage bei der kommenden Tagung geklärt werden soll. Es besteht aber zugleich Übereinstimmung darüber, daß in jedem Falle für die Bildung der ersten Agency- Der XVI. Die Generaldebatte Z ii rieh, August 1929. (JTA.) In der Sitzung vom Dienstag vormittag, die — nachdem sich das Haus ,,Zur Kaufleuten“ als räumlich unzulänglich erwiesen hat — wieder im Stadttheater abgehalten wurde, sprach zunächst Abraham Goldberg im Namen der amerikanischen Zionisten. Unter allgemeiner Spannung des Hauses betritt darauf der Führer der Zionisten-Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, die Tribüne. Im Gegensatz zu den vier ersten Generalrednern, die jiddisch sprachen, beginnt er seine Rede in deutscher Sprache. Er nennt diesen Kongreß einen Kongreß am Scheideweg. Der wirkliche Aufbau des Landes wird nicht auf dem Wege der nationalen Kapitalsammlung, sondern durch die freiwillige Mobilisierung von individuellen Kapitalien geschaffen. Und es ist eine Tatsache, daß die freiwilligen Kapitalien nur dorthin gehen, wo die politischen Voraussetzungen es gestatten. Jabotinsky ging sodann zur Schilderung der heutigen Lage in Palästina über. Jabotinsky schloß, seine Stellungnahme zur Jewish Agency zusammenfassend: An diesem Scheidewege und vor der Geschichte und unserem Gewissen: Non possumus! (Langandauernde Ovationen für Jabotinsky im Zentrum und im Saale.) Exekutive der von uns vorgeschlagene Modus angewendet wird. Es bleibt noch ein Wort zu sagen über den Geist, in dem die Verhandlungen geführt worden sind. Die Verhandlungen waren schwierig, nicht weil es galt, divergierende Interessen in Einklang miteinander zu bringen. Das Interesse an der Förderung des Aufbauwerkes ist beiden Teilen gemeinsam, und der Geist aufrichtigster Bereitschaft zu gemeinsamer Arbeit war auf der anderen Seite in jedem Augenblick spürbar. Die Schwierigkeit lag darin, einen Ausgleich zu finden zwischen verschiedenen organisatorischen Traditionen und Arbeitsmethoden. Die Lösung dieser Frage war nicht immer leicht, aber ich glaube sagen zu dürfen, das Resultat lohnt die Mühe. Verehrter Kongreß! Der Entwurf, wie er Ihnen vorliegt, ist noch nicht mit allen unseren zukünftigen Agency-Partnern beraten worden. Das konnte nicht geschehen, schon weil in den meisten Ländern die Council-Wahlen erst in allerletzter Zeit vörgenommen wurden. Es ist nicht unmöglich, obschon es nicht wahrscheinlich ist, daß der Entwurf in Einzelheiten noch modifiziert wird, einige Fragen — ich erwähnte es bereits — bedürfen auch in unserem Interesse noch der allerletzten Klarstellung im Council oder anläßlich der Council-Tagung. Aber im großen und allgemeinen stehen wir auf sicherem, festem Boden, auf einem Boden, der gerade durch die langwierigen Verhandlungen über die Verfassung an Festigkeit und Sicherheit von Tag zu Tag gewann. Unter der Führung des Präsidenten der Zionistischen Organisation wird eine Körperschaft gebildet, die es übernimmt, im Geiste der Balfourdeklaration, des Mandates und grundlegender praktischer zionistischer Werkprinzipien das Jüdisch-nationale Heim aufzubauen. Die Zionistische Organisation soll ihren Namen unter ein Abkommen setzen, das dieses Ziel erstrebt. Der Kongreß wird, wir zweifeln nicht daran, diesen Beschluß fassen. Kongreß Nach Jäbotinsky sprach Suprasky, Mitglied des Aktionskomitees, ferner Rabbi Zlotnik und Morris Myer (London). In der Sitzung vom (Dienstagnachmittag sprach zunächst Kurt Blume n f e 1 d , Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Er setzte sich für eine Regierung der Koalition ein, für die eine geeignete Grundlage gefunden werden muß und kann. Jabotinskys Politik ist voll innerer Widersprüche. Es ist einleuchtend, daß eine größere Zahl von Agencymitglieclern ein gutes Mittel ist, die noch nichtzionistische Judenheit zionistisch zu interessieren, sie zu Zionisten zu machen. Blumenfeld warnt die Revisionisten davor, durch Nichteintreten in die Agency diese Körperschaft zu schwächen; dies hieße die Palästinaarbeit schwächen und dem zionistischen Prestige schaden, weil es eine Schwäche der Zionistischen Organisation offenbaren würde. (Langanhaltender Beifall.) Es folgten Direktor Adolf Bernhard, Präsident des Obersten Rates der rumänischen Zionisten, und Dr. Olschwanger (Rumänien). In der Abendsitzung verteidigt Schwarzbart (Westgalizien) die Exekutive, die in der Konsolidierung des Palästina-Aufbauwerkes große Fortschritte erzielt hat. Dr. Leon Reich, Ostgalizien, führt aus, der Kongreß ist in doppeltem Sinne historisch: als Herzl-Gedenktag und als Tag