Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- Seite 470 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Das Jüdische Echo Nr. 31 Geehrter Kongreß! Wir Zionisten waren stets überzeugt, daß nach der Erreichung unseres politischen Zieles unsere Funktion sich ändern muß. Ein jüdisches Nationalheim, das wirklich besteht, ist nicht mehr bloß eine zionistische Angelegenheit. Es ist eine zentripetale Kraft, die jüdische Energien in der ganzen Welt anzieht. Wir haben großzügiges Verständnis bei führenden Persönlichkeiten und bei den Schichten der wichtigsten Judenheiten der Welt gefunden. Es ist mir ein Bedürfnis, Worte des Dankes an sie zu richten, vor allem an die Führer der amerikanischen Juden, Marshall und Warburg, die als die Ersten mit uns an der Ausarbeitung der neuen Organisationsform gearbeitet haben. Unsere Verhandlungen mit den amerikanischen Nichtzionisten schufen die Basis, auf der das Gebäude der erweiterten Jewish Agency errichtet werden kann. Im Kampfe um die Idee konnten wir allein stehen, im Ringen um die Verwirklichung brauchen wir als Bundesgenossen die ganze übrige Judenhcit. Vor zwei Jahren waren wir zutiefst beunruhigt von der Lage in Palästina. Wir empfanden damals mit Schmerz, daß wir der Krise schneller Herr geworden wären, wenn wir mehr Mittel und Kräfte gehabt hätten. In den letzten zwei Jahren hat sich die Lage aufgehellt und wir haben mit Freude vernommen, daß der High Commissioner vor der Mandatskommission erklären konnte, daß die Zeit des Überschusses der Auswanderung beendet ist und eine Zeit der Einwanderung beginnt. Die Lage in Palästina hat sich grundlegend gebessert. Wir haben letztens besonders eine Entfaltung des p;:- Die Liebe zur Musik findet ihren stärksten Ausdruck in dem Wunsche ein Instrument zu besitzen, das unsere Gefühle und Stimmungen in edelsten Tönen wledergtbt. Im Bewußtsein der Verantwortung, die wir durch den Verkauf preiswerter und musikalisch wertvoller Flügel«Pianos Harmoniums übernehmen, führen wir nur Instrumente, für deren bleibende Klangschönheit und Dauerhaftigkeit wir garantieren können. Als alleinige Niederlage weltbekannter Marken des Klavier- und Harmoniumbaues, sind wir in der Lage den Qualitätsu. Zahlungswünschen unserer Kunden weitgehendst zu entsprechen. Pianohaus Carl Hirsch am Sendlingeriorplatz München / Lindwurmttraße 1 va'en Unternehmungsgeistes zu verzeichnen. Aber auch unsere nationale Kolonisation hat Fortschritte gemacht und steht zum Teil auf eigenen Füßen. Die Erweiterung unserer Kräfte durch die Agency müssen wir benutzen, um ein Arbeitsprogramm für mehrere Jahre aufzustellen, nachdem wir die Basis unserer Kolonisation in Stadt und Land systematisch und im schnellen Tempo verbreitern können. Wir sind erfüllt von neuen Impulsen und Hoffnungen, aber ebensowenig wie wir vor zwei Jahren uns dem Pessimismus ergaben, werden wir uns jetzt von übertriebenem Optimismus leiten lassen. Wir vertrauen unserem Enthusiasmus, aber wir sehen alle Realitäten, und unsere Politik zielt dahin, im Ringen mit diesen Realitäten die Oberhand zu behalten. In unserer Aufbauarbeit stehen wir unter dem Schutz der M a n d a t a r m a c h t, mit der uns, wie bisher, Bande des Vertrauens und Verständnisses verknüpfen, wenn wir auch gar manches an ihrer Politik auszusetzen haben. Wir haben auch in der öffentlichen Meinung viele neue Freunde gewonnen. ln der letzten Kongreßperiode sind bedauerliche Zwischenfälle geschehen, die Mißverständnisse zur Folge hatten über unsere Auffassung der Frage der Heiligen Stätten. Wenn der jüdische Gottesdienst vor der uns heiligen Klagemauer gestört wird, so ist die heftige Entrüstung der jüdischen Welt eine natürliche Reaktion. Wir haben klar gemacht, daß wir eine Verletzung unseres Rechtes auf Andachtsübung nicht hinnehmen können. Zugleich aber wiederholen wir, daß uns nichts weniger in den Sinn kommt, als eine Antastung der religiösen Rechte oder heiligen Stätten anderer Konfessionen. Wir werden es stets als Ehrensache betrachten, diese fremden Rechte heilig zu halten. Wir bedauern, daß diese Affaire Anlaß gegeben hat zu einer akuten Mißstimmung zwischen uns und den mohammedanischen Mitbürgern in Palästina. Wir sind überzeugt, daß die Quellen dieser Konflikte sich beseitigen lassen und wollen unsererseits alles tun, um in diesen und anderen Fragen eine Verständigung mit den Arabern herbeizuführen. Unsere Organisation steht bereits in ihrem vierten Jahrzehnt. Wir haben in dieser Organisation uns ein Instrument unseres Willens geschaffen, das erste politische Werkzeug des Volkes seit 2000 Jahren. Aber wir vergessen niemals, daß die jeweilige Form dieser Organisation eben nur ein Instrument ist und nicht Selbstzweck. Einer Bewegung wie der unseren droht nur eine Gefahr, die Gefahr der Veralterung der Formen, die Gefahr, statt Herr über die selbstgeschaffene Struktur zu sein, ihr willenloser Diener zu werden. Die Erweiterung der Agency schafft neue Organe innerhalb unseres zionistischen Gesichtskreises. Wir wünschen und hoffen, daß der Geist der Zionisten, die Leidenschaft des Dranges nach jüdischer Wiedergeburt zu immer intensiverem Erfassen der mit Palästina verbundenen Juden führen wird und daß unabhängig von den Fesseln der äußeren organisatorischen Struktur, sich eine elementare Kraft entwickeln wird, die dem Aufbau Zions dient. Unsere Bewegung ist der klarste Ausdruck des Erwachens der jüdischen Seele, das sich im letzten halben Jahrhundert vollzogen hat. Mit brennender Schärfe empfinden wir die Verantwortung für das ganze Volk. Die Botschaft des Zionismus ist noch lange nicht in jedes jüdische Haus gedrungen. Noch immer dient ein großer Teil unserer Jugend fremden Göttern in verschiedener Gestalt. Wir haben uns in den letzten Jahren ausschließlich konzen-