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Das jüdische Echo · 1929-08-02 · 31 (2.8.1929) · p. Seite 469

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
Seite 469 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 469 gebenes Leben, ein Leben des unermüdlichen Dienstes am Volke. So ist der 20. Tamus in unserem Kalender ein Tag der Sammlung aller im Geiste Zions geworden, an dem wir uns unserer nationalen Zusammengehörigkeit, unserer Verantwortung vor unserem Volke und der Größe unserer Aufgabe bewußt werden, indem wir Wohl und Wehe unseres Werkes noch inniger umfassen als sonst. An diesem Gedenktag tritt unser XVI. Kongreß zusammen. Möge es ein gutes Symbol sein! Geehrter Kongreß! Jeder unserer Kongresse ist dazu da, Rechenschaft abzulegen über das Getane und Versäumte und Beschlüsse zu fassen für die künftige Arbeit. Dieser Kongreß hat außerdem eine besondere Aufgabe, die ihn vielleicht herausheben wird aus der Reihe der Kongresse in der Geschichte unserer Bewegung. Er hat für die Verwirklichung des Zieles des Zionismus, für die im Baseler Programm postulierte Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, ein neues organisatorisches Gebilde zu konstruieren, das, wie wir hoffen, dem Werke des Aufbaues erhebliche neue Kräfte zuführen wird. Es ist dies nur eine Konsequenz aus den inneren Entwicklungen, die sich in den letzten dreißig Jahren und besonders den letzten zehn Jahren vollzogen haben. Als wir die Zionistische Organisation gründeten, war die jüdische Heimstätte nur eine Idee, keine praktische Wirklichkeit. Die Zionistische Organisation umfaßte alle die, die diese Idee bejahten, sie forderte von den Juden eine geistige Entscheidung. Der Zionismus war eine Sache des Glaubens. Der Kampf um die von uns verkündete Idee ergriff das jüdische Volk in seinen tiefsten Tiefen. Der Zionismus hat sich in diesem Kampfe behauptet, durch alle Wechselfälle des äußeren Geschehens hindurch hielt er an seinem Ziele fest und beeinflußte auch das Denken und Fühlen eines großen Teiles der Judenheit, die ihn ablehnte. Die Balfour-Deklaration, die uns mit einem Schlage vor die politische Möglichkeit stellte, unser Nationalheim aufzubauen, führte eine neue Epoche herauf, für die unsere alten Denkformen und organisatorischen Mittel nicht mehr ausreichen. Die Dinge sind schneller gereift, als wir nach Herzls Tode gedacht hatten. Der Zionismus ist mit einem Male nicht mehr nur eine Sache der geistigen Entscheidung, sondern in einem starken Ausmaße auch der technischen Bewältigung und der praktischen Leistung. Diese verwandelte Situation hat Schwierigkeiten geschaffen, ja sogar Erschütterungen hervorgerufen, die uns in den letzten zehn Jahren oft genug auf eine harte Probe gestellt haben. Wir vertrauten unserem Wollen, aber wir hatten eine unzureichende Kenntnis unseres Könnens. Wir konnten nicht sofort den Ausgleich finden zwischen ideologischer Forderung und praktischem Leben. Geehrter Kongreß! Heute können wir ohne Überhebung von uns sagen, daß wir in der Bewältigung der Aufgabe große Fortschritte gemacht haben. Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir haben uns aus der Unsicherheit der ersten Nachkriegsjahre herausgearbeitet und wir sehen heute den Weg vor uns, auf dem wir weiter zu gehen haben, um die historische Pflicht zu erfüllen, die unsere Generation in der jüdischen Geschichte gesetzt hat. Wir stehen heute am Abschlüsse einer großen zionistischen Periode, einer Periode der praktischen Bewährung. Wir haben eine praktische Leistung vollbracht, die die Kritik nicht zu scheuen hat. Wir wollen diese Kritik, weil wir durch sie lernen und weil vieles in unserem Werk verbesserungsbedürftig sein muß. Wir hatten in der abgelaufenen Kongreßperiode die erwünschte Gelegenheit, unser kolonisatorisches Werk von einer Reihe erstrangiger Experten prüfen zu lassen und was immer diese in Einzelheiten an Verbesserungsvorschlägen vorbrachten, ihr Urteil hat bewiesen, daß die Grundlagen unseres Werkes gesund und tragfähig sind. Der jüdische Siedler hat seine Scholle in Besitz genommen und er weicht nicht mehr. Der jüdische Arbeiter hat Schritt für Schritt sich Positionen errungen und bildet heute ein stabiles und angesehenes Element der jüdischen Bevölkerung. Landwirtschaft und Industrie, großes und kleines Unternehmertum fügen sich zu einem lebenden Organismus zusammen. Diese Entwicklung Palästinas hat auf die gesamte Judenheit eine tiefe Wirkung ausgeübt. Unsere praktische Arbeit hat Freunde gewonnen. Diese Freunde haben uns ihre Hilfe beim Aufbauwerk zur Verfügung gestellt. Vor sechs Jahren haben wir die Verhandlungen begonnen, die darauf abzielten, die im Artikel 4 des Palästinamandats vorgesehene Jewish Agency, mit deren Funktionen zunächst die Zionistische Organisation betraut war, zu einer umfassenden Vertretung des jüdischen Volkes auszugestalten. Alle Kreise, die bereit waren, am Aufbau der jüdischen Heimstätte gemäß dem Mandat teilzunehmen, sollten auch organisch mit der Agency verknüpft sein. Es ist erklärlich, daß dieser Gedanke, der eine so gewaltige Neuerung im jüdischen Leben darstellt, Zeit brauchte zu seiner Realisierung. Dieser Kongreß steht in ihrem Zeichen. LuTiü StoüwercK -* GOLD 1 SCHOKOLADE »PRALINEN

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