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Das jüdische Echo · 1929-08-02 · 31 (2.8.1929) · p. Seite 468

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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468 Das Jüdische Echo Nr. 31 Vormittag brachte Reden von Goldberg (Amerikanische Landmannschaft), Jabotinsky und Grünbaum — Goldberg sprach schlagfertig, witzig, Jabotinsky mit dem ganzen Schwung und Elan seiner Persönlichkeit, ein Redner von unerreichter Meisterschaft des Wortes, aber zu demagogisch um eine mehr als oberflächliene Wirkung zu erzielen; brutal und wichtig Grünbaum — diese beiden hatten das Ohr des Kongresses; besonders auch das der zahlreichen Jugendlichen; sie finden vielleicht auch den Weg zu seinem Herzen und es wird wenige geben, die ihre Sorgen und Befürchtungen nicht verstehen könnten, wenn sie sie auch nicht teilen — aber doch empfindet der Kongreß in seiner großen Mehrheit, daß der Weg des Zionismus nicht mehr dieser Weg sein kann: Geht dieser Weg auch vielleicht in unbekanntes Neuland, so kann und muß er doch begangen werden. Mit Weizmann als Führer wird man auch seine Gefahren bestehen können, die noch dazu wahrscheinlich nur in der Einbildung bestehen. Noch sind die verschiedenen Kommissionen nicht gewählt, in denen die positive Arbeit des Kongresses zum größten Teil geleistet werden muß. Aber schon lebt der ganze Kongreß in der Atmosphäre dieser Arbeit; bereits morgen sollen die Abstimmungen beginnen und man wartet auf die Entscheidungen. I. E. Der XVI. Zlonistenkongreß Die Eröffnungssitzung Zürich, 28. Juli. (JTA.) Am Sonntag, dem 28. Juli 1929 (20. Tamus 5689), dem Tage, an dem vor 25 Jahren der Schöpfer der modernen zionistischen Bewegung Theodor Herzl für immer die Augen schloß, wurde in Zürich der 16. Kongreß der Zionistischen Weltorganisation mit einer feierlichen Ansprache des Präsidenten der Organisation Dr. Chaim Weizmann eröffnet. Die erste Sitzung war dem Gedenken an Theodor Herzl gewidmet. Die Eröffnungszeremonie, die gegen 5 Uhr nachmittags im Züricher Stadttheater begann, gestaltete sich dann auch, dem ernsten Anlaß entsprechend, einfach und würdevoll. Saal und Tribünen waren von Delegierten und Gästen überfüllt. Allein aus Palästina hatten sich außer den Delegierten etwa 400 Gäste eingefunden, die in einem Sonderschiff Palästina verlassen haben. Außer den Hunderten Delegierten aus allen Teilen der Welt wohnte der Eröffnungssitzung eine sehr große Zahl prominenter Gäste bei, die zum Teil von weither gekommen waren, um dem Kongreß beiwohnen zu können. Die Tribüne war mit viel Grün geschmückt; in der Mitte das schwarzumrahmte Bild Theodor Herzls. In der ersten Reihe der Tribüne hatten Präsident Dr. Weizmann, Nahum Sokolow und die Mitglieder der Weltexekutive, sowie der Palästina-Exekutive Platz genommen. In der zweiten Reihe hinten saßen die Mitglieder des Präsidiums des Keren Kajemeth mit M. M. Ussischkin und des Keren Hajessod mit Dr. A. Hantke, die Mitglieder des Aktions- Komitees mit Präsident Motzkin und die höheren zionistischen Beamten. Weiter hinten saßen in mehreren Reihen die Vertreter der Presse. Es hatten sich Hunderte Pressevertreter zur Teilnahme angemeldet, unter ihnen Vertreter der größten Zeitungen und Presse-Agenturen. Als Dr. Weizmann auf der Kongreßtribüne erschien, wurde er mit einer rauschenden Ovation empfangen, die mehrere Minuten andauerte. Die Ovationen wiederholten sich beim Erscheinen der anderen Führer der Bewegung. Dr. Weizmanns Eröffnungsansprache wurde mit atemloser Stille aufgenommen. Seine Theodor Herzl gewidmeten Gedenkworte, die er in bewegtem Tone vorbrachte, machten tiefen Eindruck. Das große Interesse galt denjenigen Stellen in seiner Rede, in denen er die besonderen Aufgaben des Kongresses, die Zusammenarbeit mit der Jewish Agency und die Zukunft der Zionistischen Organisation nach Einrichtung der Agency umriß. Als er endete, erscholl wiederum minutenlanger Beifall. Es erhob sich nun der Präsident der Weltexekutive Nahum Sokolow, den jahrelange intime Freundschaft mit Theodor Herzl verband, um die Gedenkrede auf den vor 25 Jahren verstorbenen Führer zu halten. Seine Rede trug den Titel: „Theodor Herzl und die Zionistische Organisation.“ Die mit poetischem Schwung in einem farbigen Hebräisch vorgetragene Ansprache, in der Sokolow verschiedene Bibelstellen variierte und auf Herzl anwandte, hielt die Zuhörer im Bann. Als er schloß, herrschte tiefe Ergriffenheit im Saale. Nunmehr betrat der Gesandte des Britischen Reiches die Tribüne, um den Kongreß im Namen seiner Regierung zu begrüßen. Es war dies das erste Mal, daß die Regierung Großbritanniens als der Mandatarmacht Palästinas einen zionistischen Kongreß offiziell begrüßt. Auf der Tribüne erschienen sodann hohe Beamte des Völkerbundes, als des Protektors Palästinas, um den Kongreß im Namen der Völkergemeinschaft zu begrüßen. Diese Ansprachen übten starke Wirkung auf den Kongreß aus und brachten die Riesenversammlung in eine gehobene Stimmung. Es wurden dann unter starkem Beifall der Versammlung Begrüßungstelegramme von Professor Albert Einstein, Lord Melchett, und dem amerikanisch-jüdischen Philantropen Nathan Straus verlesen. Hierauf teilte Dr. Weizmann mit, daß die Exekutive an Lord Balfour ein Telegramm abgesandt habe, in welchem der innige Wunsch für baldige Genesung des hervorragenden Staatsmannes und Denkers ausgesprochen wurde. Der Kongreß bereitete Professor Otto Warburg, der am 20. Juli sein 70. Lebensjahr vollendet hat, eine herzliche Ovation. Weizmann kündigte an, daß die Wahl des Präsidiums des Kongresses in der Vormittagssitzung von Montag, den 29. Juli, erfolgen wird und erklärte die erste Sitzung des Kongreses für geschlossen. Die Versammlung stimmte die „Hatikwah“ an. Weizmann spricht Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann führte in seiner Eröffnungsrede aus: Der Tag, an dem wir uns zum sechzehnten Mal zu unserem Kongreß versammeln, ist ein großer nationaler Gedenktag. Heute sind es 25 Jahre, daß der Schöpfer dieses Kongreßes für immer von uns gegangen ist. Die Erinnerung an den unsagbaren Schmerz, von dem alle Teile unseres versprengten Volkes erfaßt wurden, ist heute noch in allen lebendig, die diesen Tag miterlebten. Aber heute, nach einer historischen Distanz von einem Vierteljahrhundert, vermag unser treues Gedenken sich über Trauer und Klage zu erheben, und wir können den Todestag Herzls begehen im Gefühl der tiefen Dankbarkeit für sein unserer Idee hinge-

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