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Das jüdische Echo · 1929-08-02 · 31 (2.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 51_2. August 16. Jahrgang Eindrücke Zürich, 30. Juli 1929. Es ist doch eine merkwürdige Sache um dieses jüdische Parlament, das da am 28. Juli im Stadttheater zu Zürich zusammentrat; merkwürdig nicht nur, weil diese ständige Einrichtung seit ihrer Gründung gezwungen ist zu wandern von Ort zu Ort, merkwürdig nicht nur wegen der geradezu unbeschreiblichen Anteilnahme der Öffentlichkeit — Hunderte von Pressevertretern, Tausende von interessierten Gästen folgen gespannt den Verhandlungen —, merkwürdig auch infolge der besonderen Feierlichkeit, mit der der Beginn seiner Verhandlungen ausgezeichnet zu sein pflegt. Vielleicht würde irgendein anderer, der nichts von den Vorbedingungen dieses Kongresses wüßte, diese Feierlichkeit gar nicht empfinden, die so wenig Uniformes hat, vielleicht auch nichts, was an den Pomp und-Prunk, an die traditionellen Zeremonien der Parlamentseröffnungen in den Ländern älterer Demokratie erinnert, vielleicht würde er spöttisch die Achsel zucken über diesen Kongreß, der zuerst sich im Stadttheater versammelte, dann einen Tag lang seine Beratungen im großen Saal des Hauses „Zur Kaufleuten“ abhielt, um schließlich in den größeren Raum des Stadtheaters überzusiedeln, weil man den Journalisten, den Gästen, der Jugend Gelegenheit geben mußte, in die Sitzungen zu gelangen — aber es kann niemanden geben, der nicht durch die Volksnähe, das pulsierende und vollströmende Leben des Kongresses hingerissen würde, dieser, man möchte beinahe sagen, wahrhaft internationalen Nationalversammlung, zu der Menschen aus allen Ecken und1 Enden der Welt erschienen, die ihre Verhandlungen in einer erstaunlichen Vielsprachigkeit führt, ohne doch darum etwas an Beweglichkeit der Gedanken einzubüßen. Und obwohl alles dies die ersten Sitzungen auszeichnete — die Eröffnung mit nicht enden wollenden Begrüßungen, unter denen eine Botschaft des Generalsekretärs des Internationalen Arbeitsamts des Völkerbundes, Albert Thomas, durch besondere Herzlickeit und vollendete Vertrautheit mit den zionistischen Wünschen und Problemen auffiel, die erste Plenarsitzung mit einem Bericht des Kongreßgerichts, mit dem bedeutsamen Referat Ruppins über „Die Bedeutung Palästinas für die Zukunft der Juden“, mit dem Rechenschaftsbericht Dr. Weizmanns — so spricht vielleicht doch nichtsso sehr für die Bedeutung des Kongresses wie die Spannung und Ungeduld, mit der jedermann, ob Gast oder Delegierter, den Moment erwartete, in dem der Kongreß selbst die Aktivität ergriff, in dem die Diskussion, der Kampf um die Zukunft, beginnt. Zwei Menschen sind es, deren Wesen und deren Leistung das Bild dieses Kongresses bestimmen: Theodor Herzl und Chaim Weizmann. Nachum Sokoloff war es, der in der Eröffnungssitzung die Persönlichkeit Herzl und seine unvergänglichen Taten in einer großen hebräischen Rede würdigte. Aber es gibt kaum einen Redner auf diesem Kongreß, der nicht an Herzl erinnert, so lebendig und stark ist in diesem Kreis sein Andenken. aus Zürich Weizmann, der gegen den Willen seiner Ärzte an diesem Kongreß teilnimmt, ist vielleicht noch nicht gänzlich wiederhergestellt; um so größer ist die Freude und die Dankbarkeit ihn doch zu sehen; sie findet ihren elementaren, ganz ungekünstelten Ausdruck darin, daß jedesmal wenn er den Sitzungssaal betritt, Beifallsstürme sich entfesseln und der ganze Kongreß sich von den Plätzen erhebt. Seine Eröffnungsrede zeichnete die zionistische Situation am Vorabend der großen Entscheidungen, die wohl lange und sorgfältig vorbereitet doch endgültig erst auf diesem Kongreß fallen. Sein abgewogener Rechenschaftsbericht ließ die Ereignisse der letzten zwei Jahre Revue passieren, streifte alle politischen Fragen. Der Kämpfer Weizmann zeigte sich in voller Größe, als er zum Schluß seiner Rede mit einem ungeheuren Ernste, dessen vielleicht nur er so fähig ist, sich gegen Versuche wandte, die zionistische Disziplin in außenpolitischen Fragen zu untergraben oder eine zionistische Institution gegen die andere auszuspielen. Im ganzen sieht Weizmann die Situation recht optimistisch und so ist auch die Stimmung des Kongresse. Der Kongreß setzt sich, wie ich aus dem Bericht des Kongreßgerichts, den Gronemann erstattete wie sich ergab, zusammen aus im ganzen 312 Mitgliedern; darunter sind 68 Mitglieder des Aktionskomitees und 240 gewählte Delegierte. Von diesen wiederum gehören etwa — im einzelnen können sich die Zahlen noch ändern, da immer noch gewisse Streitfälle nicht entschieden sind — 14 dem Misrachi an, etwa ebensoviel der Hitachduth; Poale Zion zählen etwa 26 Delegierte, die Allgemeinen Zionisten sind mit etwa 123 Stimmen doch viel stärker als man glaubte annehmen zu dürfen. Radikale und Revisionisten sind sehr dezimiert, sie werden zwar durch die Qualität und Bedeutsamkeit ihrer Redner die Generaldebatte bestimmen, aber faktisch bei den Verhandlungen nichts ausrichten können. Nachdem in der Nachmittagssitzung vom Montag noch zwei wichtige Referate von Mitgliedern der Exekutive gehalten worden waren — Dr. Felix Rosenbliith erörterte die Probleme der Konstitution der Jewish Agency und besprach dabei besonders eingehend ihre eventuelle Auflösung und die Stellungnahme der englischen Regierung, die für diesen Fall bereit ist die zionistische Organisation wieder als Agency im Sinne des Mandates anzuerkennen; Prof. S. Prodetzky behandelte die Aufgaben der Zionistischen Organisation in der Zukunft, vor allem die Systematisierung und Erweiterung der zionistischen Propaganda — begann am Abend die Generaldebatte, in der zuerst Rabbi Meir (Berlin) die Gedanken des Misrachi vertrat. Eine äußerst wirkungsvolle und geschickte, dabei politisch höchst anregende und materialreiche Rede hielt darauf Arlosoroff (Hitachduth), der von der Exekutive u. a. mit Nachdruck eine Intervention für die verfolgten russischen Zionisten forderte. Für die Poale Zion sprach Kaplansky; der Dienstag

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