Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- Seite 458 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Das Jüdische Echo Nr. 30 Hierzu bemerkt die „Jüdische Rundschau“: „Diese Feststellung gibt der Rektor ohne jedes Wort der Kritik wieder und auch das »Berliner Tageblatt4... findet offenbar diese Art der Aufklärung vollständig befriedigend. Um so entschiedener muß das deutsche Judentum gegen diese Verunglimpfung protestieren, insbesondere gegen die Art, wie deutsche Juden hier gegen Ostjuden ausgespielt werden. Daß es ein paar deutsche Juden gibt, die in ihrem Assimilationseifer es dem Herrn Tiedemann gern gleichtun möchten, ist nicht erheblich gegenüber der Tatsache, daß alle großen Organisationen deutscher Juden eine Beschränkung des Bildungsrechtes ostjüdischer Studenten an deutschen Hochschulen entschieden zurückweisen. Durch das Eingeständnis der schamlosen Bemerkung über die Ostjuden, die schon ,aus dem Zusammenhang4 hätte verstanden werden sollen, also offenbar in deutlich antisemitischer Umkleidung vorgebracht war, bricht natürlich die ganze Verteidigung kläglich zusammen. Denn es liegt 'im Wesen der Sache, daß Bildung an ausländischen Hochschulen in erster Linie solche Elemente anstreben, die aus Not dazu gezwungen sind. Gerade diese Menschen sind es aber auch, die mit dem Schatz der erworbenen Bildung den Dank und die Anhänglichkeit an das Land und die Kultur bewahren, die ihnen Gastfreundschaft gewähren. ... Es wäre unter unserer Würde, Ostjuden aufzuzählen, die durch ihre wissenschaftlichen Leistungen die Welt bereichert haben, und die sogar für das deutsche Geistesleben Wesentliches beigetragen haben. Die dünkelhafte Rassenüberhebung, die Unduldsamkeit gerade gegen die schwächeren Elemente, dieser erbärmliche unritterliche Zug in der Rede des Herrn Tiedemann, hätte wohl gerade in dem Zusammenhang dieses Artikels eine offene Abwehr seitens des Direktors verdient.“ Aus der jüdischen Welt Bialiks Gesundheitszustand Berlin, 18. Juli. (JTA.) Der vor einigen Tagen aus Tel-Awiw in Berlin zur Konsultierung von Ärzten eingetroffene berühmte hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik hat sich in die Behandlung des Professors Casper begeben, der heute, wie wir erfahren, an dem Patienten einen Eingriff zur Entfernung von Nierensteinen unternommen hat. Dieder erste und ernsteste Eingriff ist gut gelungen. Das Befinden Bialiks ist zufriedenstellend. In den nächsten zehn Tagen wird eine schon weit weniger ernste Nachbehandlung erforderlich sein. Professor Casper hofft, daß die Heilung des Dichters eine vollkommene sein wird. Der Deutsche Studententag in Hannover und Numerus clausus Hannover, 21. Juli. (JTA.) In Hannover tagt gegenwärtig der 12. Deutsche Studententag, der von mehr als zweihundert Vertretern der Allgemeinen Studentenschaft der deutschen und österreichischen Hochschulen besucht ist. Da die Vertreter der studentischen Minderheiten ferngeblieben sind, setzt sich die Tagung aus mehr oder minder völkisch eingestellten Gruppen und Verbänden zu- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten,Kostümstlckareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 sammen. Es liegen Anträge der Studentenschaften. Würzburg und Erlangen vor, in denen die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende an deutschen Hochschulen gefordert wird. Referendar Kersten, der den Jahresbericht erstattete, empfahl die Ablehnung der Numerus-clausus- Forderung der bayerischen Studentenschaft, die die Würzburger und Erlanger Anträge vertrat, und führte aus, die Studentenschaft habe sich auf ihren Grundcharakter der allgemeinen studentischen Zuzusammenfassung zu besinnen. Er trat auch für die Förderung des Studiums von Ausländern in Deutschland ein und wies den Vorwurf zurück, daß die reaktionäre Einstellung der deutschen Studentenschaft die Ausländer von den deutschen Hochschulen fernhalte. Thüringische Staatsleistung für Rabbinerbesoldung Berlin, 17. Juli. (JTA.) Der Thüringische Landtag verabchiedete, wie aus Weimar telegraphiert wird, den Etatyoranschlag über die Staatsleistungen an die Kirche. Von der Gesamtausgabe in Höhe von 3 460 000 RM. erhalten die katholische Kirche 55 00 RM. und die jüdische Kirche als Beitrag zu den Dienstbezügen der Landesrabbiner in Eisenach und Meiningen 5000 RM., während 3.4 Millionen RM. der evangelischen Landeskirche zufließen. Diese Leistungen werden sich aber in Zukunft noch wesentlich erhöhen. Der Abgeordnete Dinter, der wegen seines Kampfes gegen die katholische Kirche aus der nationalsozialistischen Partei ausgeschlossen worden ist, hielt heute im Landtag eine Rede, in der er ausführte, die heutige Kirche sei nichts anderes als eine jüdisch - christliche Kirche, eine jüdisch-römische Diktatur. Das Reichsgericht bestätigt das Urteil gegen den Düsseldorfer Synagogenschänder Leipzig, 15. Juli. (JTA.) Das Landgericht Düsseldorf hat am 23. April den Handlungsgehilfen Friedrich Brasseier zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte in der Nacht vor dem Verfassungstag 1928 auf das Straßenpflaster die Worte geschrieben: „Nieder mit der Judenverfassung.“ Auch die Wand der Synagoge hatte er beschrieben. Das Landgericht nahm vorsätzliche Beschimpfung der republikanischen Staatsform und Sachbeschädigung an. Die vom Angeklagten gegen das Urteil eingelegte Revision ist in der letzten Sitzung des dritten Strafsenats vor den Gerichtsferien verworfen worden. Der neue Präsident der Lemberger jüdischen Gemeinde Lemberg, 15. Juli. (JTA.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Lemberg hat mit sechs gegen fünf Stimmen Herrn Dr. Chajes, einen Führer der assimilatorischen Richtung, an Stelle des zurückgetetenen Professors Allerhand zum Präsidenten der Gemeinde gewählt. Das Vorstandsmitglied Senator Dr. Schreiber erklärte im Namen der fünf zionistischen Vorstandsmitglieder, daß die Zionisten in einer prinzipiellen, nicht persönlichen Opposition gegenüber dem Präsidenten verharren werden. Das jüdische Gemeindegesetz vor dem rumänischen Parlament — Die Protestbewegung geht weiter Bukarest, 19. Juli. (JTA.) Der Kultusminister Vlad hat das Gesetz über die Organisation der jüdischen Gemeinden dem rumänischen Parlament unterbreitet, nachdem es vom Senat angenommen worden ist. Minister Vlad fordert eine dringliche