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Das jüdische Echo · 1929-07-26 · 30 (26.7.1929) · p. Seite 456

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
Seite 456 (sequence 4)
Language
German
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456 Das Jüdische Echo Nr. 30 die Arbeit“, die bald an die Stelle jener mehr doktrinär-„kathedersozialistischen“ Vorschläge des „Judenstaates“ trat und zur Konstituierung großer Arbeiterbewegungen im Lande geführt hat, daß sie es ist, die in Wahrheit den Geist Herzls, die Idee der „assistance par le travail“ und den Traum vom Siebenstundentag gradlinig fortführt. Herzl — das ist uns, den Späteren der zweiten, und bald der dritten Generation, nicht nur der Gegenstand ehrfürchtigen Staunens, nicht allein der Held mythosumwobener Erzählungen, sondern am Ende doch ein Symbol reiner, ergreifender Menschlichkeit. Abstrahieren wir von den „Bildungserlebnissen“, die ihn, den Sohn des neunzehnten Jahrhunderts, zu manchmal „mechanischen“ Lösungsversuchen, zu einer uns gelegentlich antiquiert anmutenden Einstellung führten; — von dem Übermaß menschenbehandelnder und auch intriguenfreudiger Begabung, das ihn in die Versuchung brachte, den Wert des Diplomatisierens überzubetonen; —■ abstrahieren wir von all dem, und um so klarer steht vor uns das ungetrübte Bild eines so bedeutenden wie reinen Menschen, der in seine Vorstellung vom künftigen jüdischen Gemeinwesen nationale und soziale Elemente in untrennbare Harmonie hineinsah. Heute, fünfundzwanzig Jahre nach seinem vielzufrühen Tod, erkennen wir stärker und stärker, daß in der Einheit dieser beiden Elemente alle Lebenskraft unserer Bewegung beschlossen liegt. Wer diese Einheit auseinanderreißen will, mag sich noch so vehement und agressiv zum alleinigen Erben des „Herzl-Zionismus“ aufwerfen. Den Zionismus Theodor Herzls vertritt nur, wer sie immer unlösbarer im Aufbau Erez Israels verankert. Dr. A. Kupferberg. Kongreßprobleme Zum Beginn des XVI. Zionistenkongresses Drei Fragen sind es, die neben der Bildung der neuen Exekutive im Vordergrund der Verhandlungen des am 28. Juli in Zürich beginnenden XVI. Zionistenkongresses stehen werden; Die Frage der Verfassung der erweiterten Jewish Agency, die Frage des Fortgangs der Aufbauarbeit in Erez Israel und schließlich die nach Inhalt und Programm der Tätigkeit der Zionistischen Organisation nach der vollzogenen Erweiterung der Jewish Agency. Die Zusammensetzung der neuen Exekutive, die auch auf die Art der Lösung dieser Fragen entscheidenden Einfluß haben wird, dürfte allerdings manche Schwierigkeiten verursachen, obwohl es keinem Zweifel unterliegt, daß Weizmann selbst nach wie vor ihr Leiter und Führer sein wird, daß sein Programm wenigstens in bezug auf die Hauptlinien der Politik auf dem Kongreß eine ernstzunehmende Gegnerschaft nicht finden wird. Über die Parteikonstellation aiff dem Kongreß liegen bis zur Stunde endgültige Ziffern noch nicht vor; da aber die Allgemeinen Zionisten bei der Wahl fast in allen Ländern Rückschläge erlitten, die Arbeiterparteien große Gewinne zu verzeichnen haben, während der Misrachi seinen Besitzstand gewahrt hat und die Revisionisten sowie die Radikalen nahe- Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST zu völlig aufgerieben sind, so ist jedenfalls anzunehmen, daß eine Koalitionsexekutive gebildet werden wird, in die neben den Allgemeinen Zionisten sicherlich die nunmehr geeinten Arbeiterparteien, wahrscheinlich aber auch der Misrachi Vertreter entsenden werden. Wenn man sich nun auch fragen kann, ob diese Entwicklung nicht manche Ergebnisse der während der letzten zwei Jahre von der homogenen allgemein-zionistischen Exekutive geübten Politik der Konsolidierung in Frage stellen wird, so hat anderseits diese Situation auch ihre großen Vorteile. Sie muß, wenn man sich nur vor ihrer Bildung auf ein von allen Parteien zu billigendes Arbeitsprogramm einigen wird, das Gefühl der zionistischen Einheit und Gemeinsamkeit stärken und dies ist besonders notwendig im Hinblick auf die Kooperation mit den Nichtzionisten im Rahmen der erweiterten Jewish Agency. Die wesentlichsten Verfassungsbestimmungen der Jewish Agency sind ja aus den Verhandlungen des Aktionskomitees, aus Reden und Erklärungen führender Zionisten bekannt und darnach darf man bereits jetzt konstatieren, daß die Befürchtungen, die immer wieder vor einem Überwiegen des nichtzionistischen Einflusses ausgesprochen wurden, unbegründet sind. Trotzdem wird es vor allem Aufgabe des Kongresses sein, die Frage der gemeinsamen Stimmabgabe der zionistischen Vertreter im Agency Council zu klären und durch interne Bestimmungen dafür zu sorgen, daß der zionistische Parteikampf nicht in diese Körperschaft hineingetragen wird. Im übrigen dürfte die Frage der Agency-Erweiterung weder zu Kämpfen noch zu Aufregungen noch Anlaß geben; es steht ja seit langem fest, daß die zionistische Welt Weizmann für seine unentwegte und stetige Politik ein Vertrauensvotum gegeben hat, wie er es selbst in diesem Umfang wohl kaum erwartet haben wird. Von den etwa 200 zum Kongreß gewählten Delegierten werden allerhöchstens 20 prinzipielle Gegner der Agency-Erweiterung sein und auch von ihnen ist anzunehmen, daß sie zum größten Teil nicht gegen die Erweiterung stimmen, sondern sich nur der Stimme enthalten werden. Die Aufbauarbeit in Palästina wird auf dem Kongreß in Referaten von Dr. Weizmann selbst, von Dr. Arthur Ruppin, von Harry Sacher, und von den Direktoren der nationalen Fonds besprochen werden. Es werden sich wie schon auf den letzten Kongressen zwar auch Kämpfe um die Grundsätze des Kolonisationsprogramms daran anschließen, jedenfalls aber wird ein hartes Ringen um das Budget sich entspinnen, das von der Exekutive in einer Höhe von 750 000 £ vorgeschlagen und leider für das nächste Wirtschaftsjahr, wie man hörte,, nur wenig Raum für Neukolonisation bieten wird. Dieser Ansatz dürfte in seiner Höhe den mutmaßlichen Einnahmen des Keren Hajessod entsprechen, und es ist sehr zu hoffen, daß, wie auch die neue Exekutive zusammengesetzt sein wird, sie von den Prinzipien der ernsten, sachlichen und rationellen Finanzpolitik der letzten Jahre nicht abweichen wird. Freilich müssen jetzt unbedingt Mittel und Wege für einen großzügigen Aufbau unserer Wirtschaft in Palästina gefunden werden; nach der jetzt viel stärkeren Position der Exekutive ist anzunehmen, daß sich z. B. bald eine Anleihe wird realisieren lassen. Die Tätigkeit der Zionistischen Organisation schließlich nach der Erweiterung der Agency — ein unermeßlich weites Feld der Beratung und ein unerhört wichtiger Gegenstand dazu. Die verschie-

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