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Das jüdische Echo · 1929-07-26 · 30 (26.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 30 26. Juli 16. Jahrgang „Herzl-Zionismus“ und der Zionismus Herzls Eine Betrachtung zum 25. Todestag Th. Herzls. „Herzl-Zionismus“ ist — oder war bis in die allerletzten Zeiten hinein — eine der vornehmsten Parolen des Revisionismus. Jabotinsky rief, indem er sich mit diesem Schlachtruf gegen die „Offiziellen“ der Bewegung abgrenzte, die Erinnerung an den alten Gegensatz zwischen „politischen“ und „praktischen“ Zionisten, zwischen „Herzlianern“ und „Achad-Haamisten“ herauf; er forderte, und fast schon als Voraussetzung für jede weitere Palästinaarbeit, stärkere — politische — Aktivität gegenüber der Mandatarmacht mit annähernd derselben Vehemenz, mit der Herzl den Charter erstrebt hatte. Daß sich die Exekutive nicht oder nur in völlig ungenügendem Maße zu solcher Aktivität aufraffe, separiere sie vom Herzischen Zionismus und weise auf, daß sie nicht mehr in den Bahnen gehe, die er der Bewegung vorgezeichnet habe; so ungefähr argumentierte der Revisionismus. Und seine Gegner erklärten nicht selten: „Ja, wir sind von diesem Grundsatz, der seit zwanzig Jahren überholt ist, mit Bewußtsein abgewichen. Lebte Herzl heute, so fände, unter den völlig geänderten Bedingungen, die Richtung, die ihre demonstrative Politik in politischen Demonstrationen erschöpfen wird, in ihm den radikalsten Gegner.“ Beide, die Revisionisten und ihre Bekämpfer, gehen an der Tiefe der Probleme vorbei, wenn sie in solcher Weis.e diskutieren. Der Gegensatz ist nicht, oder genauer gesagt, nicht nur der von praktisch konstruktiver Aufbauarbeit und demonstrierendem Politikastertum. Mit der — man darf es bei aller schuldigen Verehrung dieses Denkers aussprechen — ganz abwegigen und in ihrer Wirkung verhängnisvollen Äußerung, die Achad Haam unter dem Eindruck des ersten Kongresses tat: Palästina werde nicht durch Diplomaten, sondern durch Propheten erlöst werden; mit diesem Wort, das der Autor übrigens bald genug bereute, begann das große Mißverständnis der „politischen“ Zionisten und ihrer Nachfahren, der Revisionisten: die irrige Meinung, daß zionistische Arbeit für Herzl in zwei große, reinlich geschiedene Perioden, in eine geheimpolitischdiplomatische und eine wirtschaftlich aufbauende, zerfalle. In Wahrheit lehrt doch vielmehr jede Zeile des „Judenstaates“, jede flüchtige Notiz in den ersten beiden Bänden der „Tagebücher“, daß für Herzl die Grundideen des sozialen Aufbaues des „Judenstaates“ gerade die bedingenden Elemente aller seiner politischen Aktionen von vornherein waren und bis zuletzt geblieben sind. Der Zionismus Theoder Herzls war der Zionismus eines großen Utopisten — wenn wir unter einer „Utopie“ das Vorstellungsprodukt staatsbildender, sozial schöpferischer Phantasie in dem Sinne, den Gustav Landauer diesem Begriff in seiner Schrift über „Die Revolution“ gab, verstehen. Die öffentlichen Funktionen des Judenstaates, den Herzl aus dem Zusammenstrom solcher staatsschöpferischen Phantasie und seiner jüdischen, zum Durchbruch ringenden Erbmasse konzipierte, setzten nun aber nicht erst in Palästina ein; schon der Auszug der Zionisten aus den Wirtsländern — eine geordnete, staatsrechtlich regulierte Abwanderung — sollte sich im Hinblick auf das junge staatliche Gemeinwesen, auf der juristischen Basis der Verträge, die es schaffen würde, vollziehen. Da die „Utopie“ Herzls die Lösung der Judenfrage überhaupt in dem Zusammenhang zwischen dem aufzubauenden Lande und der durch die Zionistenemigration gewandelten ökonomischen Lage in den Wirtsstaaten erblickte, benötigte sie, diese „utopische Grundidee“, die politische Beeinflussung dieser Staaten als Teil des sozialen Aufbauprogramms, nicht aber als die ihm vorhergehende, getrennt von ihm durchzufechtende Epoche. Und daß im Laufe der Jahre, die Herzl nach der Veröffentlichung seines „Judenstaates“, nach der Niederschrift seiner „Rede an die Rothschilds“ noch gegeben waren, dieser Teil seiner Gesamtkonzeption, die Verhandlungen mit den Mächten (einschließlich der Türkei), seine ganze Arbeitskraft und sein vernehmlichstes Interesse immer ausschließlicher erzwang — das ist vielleicht eines der tragischsten Elemente seines heroischen Lebens. Die „Herzl-Zionisten“ verkennen, daß der Zionismus Theodor Herzls „Politik“ nicht als die Voraussetzung, sondern als ein Stück „praktischer“ Aufbauarbeit — in der Grundkonzeption der Idee des „Judenstaates“ — kannte. Damit aber verkennen sie zugleich den sozialen, ja den sozialistischen Charakter, den diese „utopische“ Idee mit allen Utopien der Welt teilt. Da sie — den großen Führer, auf den sie sich berufen, mißverstehend •— in der politischen Arbeit — der berühmten „Offensive“ gegen die Mandatarmacht und jetzt der Herbeiführung des „Seventh Dominion“ — das alleinige Fundament des Zionismus erblicken, wird die Frage des gesellschaftlichen Wie eine sekundäre; und von der Belanglosigkeit der sozialen Struktur Erez Israels ist es nur ein Schritt bis zum Prinzip der „nationalen Arbitrage“, zu jenem vom, Italien Mussolinis herübergenommenen Schlagwort, mit dem der Revisionismus die Exzesse der Arbeiterfeindlichkeit erklärt, zu denen sich seine Adepten in Palästina hinreißen lassen ... Nein, nach einer völlig anderen Richtung läuft der Weg, den er uns Späteren auch in der Frage des sozialen Aufbaus Palästinas vorgezeichnet hat. Da er an die unwiderstehliche Macht der Gedanken seiner „Utopie“, des „Judenstaates“, glaubte, erschien ihm die Regelung der sozialen Fragen in dem werdenden jüdischen Staat nicht als ein Sonderproblem außerhalb des Rahmens seiner Gesamtidee; er war — und wie vielen „Utopisten“ glich er nicht darin! —■ überzeugt, die „soziale Frage“ mit den in seiner Schrift empfohlenen Maßnahmen glatt lösen zu können. Dieser Glaube an die Macht der konstruierenden Dekrete schwand nun zwar in unserer Bewegung, und noch zu Lebzeiten Herzls, in dem Maße, in dem die Chancen an die baldfällige Realisierung seiner Gesamtkonstruktion überhaupt schwanden; mir scheint aber, daß die lebendigere Auffassung von der „Eroberung des Landes durch

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