Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Das Jüdische Echo Nr. 29 ten eröffnen. Wie die Universität sich schon heute zu dem Geistes- und Kulturzentrum des Orients entwickelt, so wird auch der landwirtschaftliche Aufbau Palästinas das Zentrum der Landwirtschaft für den ganzen Orient werden. Die Ansprache Warburgs machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Man blieb noch mehrere Stunden gemütlich beisammen. Jüdischer Bevölkerungszuwachs in Rußland Berlin, 15. Juli. (JTA.) Im Zusammenhang mit der in letzter Zeit häufig wiederkehrenden Erörterung des Geburtenrückganges bei den Juden hat die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen wissenschaftlichen Instituts interessante Ziffern über Geburten, Sterblichkeit und Mischehen der jüdischen Bevölkerung in Rußland, wo die Lebensbedingungen doch besonders schwere sind, veröffentlicht. Diese Ziffern sind auf Grund des neuesten amtlichen Materials („Die natürliche Bewegung der Bevölkerung der SSR.- Union im Jahre 1926“, Moskau, Band I, Lieferung 2) zusammengestellt worden. Im Jahre 1926 sind in Rußland (ohne den asiatischen Teil) bei einer jüdischen Bevölkerung von 2 399 347 Seelen 57 786 Geburten gezählt worden; dies ergibt eine Geburtenziffer von 24,08 pro Tausend. In den einzelnen Teilen Rußlands sind die jüdischen Geburtenziffern wie folgt: Zentralrußland mit 8687 (18,06), Ukraine 39 380 (25,02), Weißrußland 9719 (28,26 pro Tausend). Die Sterbefälle in demselben Jahre betrugen; für Gesamtrußland (ohne den asiatischen Teil) 21 868 (9,11 per Tausend), davon für Zentralrußland 3869 (8,04), für die Ukraine 14 551 (9,24), für Weißrußland 3488 (10,03). Daraus ergibt sich folgender natürlicher Zuwachs auf je Tausend der jüdischen Bevölkerung: Gesamtrußland 14,97, Zentralrußland 10,02, Ukraine 15,76, Weißrußland 18,23. Sehr gestiegen ist die Zahl der Mischehen unter den russischen Juden. Auf 23 588 reine jüdische Ehen im Jahre 1926 entfielen 1983 jüdische Frauen und 2378 jüdische Männer, die Mischehen eingingen. Der höchste Prozentsatz an Mischehen ergibt sich in Zentralrußland, wo die Juden eine verschwindende Minderheit der Gesamtbe- Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUERLE Landwehrstr. 57/59 T. 596S58 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich persönlich von der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90°/0ig. Haushaltwäsche — V orhangspannerei — Stärkwäsche—F einbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung Verlangen Sie Prospekte. Unverbindliche Besichtigung* Abholung und Zustellung mittels Autos. völkerung darstellen; der geringste Prozentsatz in Weißrußland, wo die Juden am dichtesten leben. Obwohl die überwiegende Mehrzahl der Juden unter Ukrainern und Weißrussen lebt, gehen doch die Juden bedeutend mehr Mischehen mit Russen ein als mit Ukrainern und Weißrussen. Von den 2378 nichtjüdischen Frauen, die jüdische Männer heirateten, waren: russische 1665 (70,0%); ukrainische 467 (19,6%); weißrussische 60 (2,6%); polnische 56 (2,4%); andere 130 (5,4%). Von den 1983 nichtjüdischen Männern, die Jüdinnen heirateten, waren: russische 1064 (53,7%); ukrainische 531 (26,8%; weißrussische 94 (4,7%); polnische 60 (3,0%); andere 234 (11,8%). Es ergibt sich also, daß die Neigung jüdischer Männer zu russischen Frauen viel stärker ist, als die jüdischer Frauen zu russischen Männern. Bodenfrage und Hufbauwerk In einer kürzlich stattgefundenen Versammlung von Journalisten hielt Herr Harry Sacher im Namen der Zionistischen Exekutive in Erez Israel eine Rede, in der er die außerordentliche Bedeutung der Schaffung einer Bodenreserve darlegte. Er ging so weit, daß er zur Überlegung gab, ob neue Kolonisation oder überhaupt keine Kolonisation und statt dessen Erwerb großer Landstrecken erwünscht sei. Herrn Sachers Worte sind höchst bezeichnend. Noch vor gar nicht langer Zeit wurde die Ansicht vertreten, daß es unrationell sei, wenn der KKL Böden erwerbe, ohne die Mittel zur Verfügung zu haben, diese Böden zu besiedeln. Der KKL. hat, wie ganz natürlich, immer behauptet, daß seine Hauptfunktion sei, möglichst rasch so viel Ländereien als möglich in den Besitz des Volkes überzuführen, während die Beschaffung der Mittel für Besiedlung dieser Böden eine Aufgabe zweiten Ranges sei. Seitens des KKL. wurde eingewandt, daß die Besiedlung der Böden, die sich bereits in unserem Besitz befinden, von Bedingungen abhänge, die wir kontrollieren können, wie z. B. Auswahl der Siedler, Aufbringung der Mittel usw. Die Erwerbung von Boden aber sei von Faktoren bedingt, die unserer Kontrolle entzogen sind, wie seine Verfügbarkeit, Bereitwilligkeit von seiten der Verkäufer usw. Deshalb sei es die erste Aufgabe, Boden zu kaufen. _ Die letzten Ereignisse haben in fast erstaunlichem Maße die Richtigkeit dieses Standpunktes bewiesen, und in dem Gefühle, daß es bald zu spät sein, kann, haben verantwortliche Stellen die Notwendigkeit erkannt, unseren Bodenbesitz schnell zu vergrößern. Man ist sich darüber klar geworden, daß Boden in Erez Israel nicht nur an sich sehr wertvoll ist, sondern auch ein Objekt sehr nutzbringender Geschäfte sein kann. Dies trifft nicht nur für städtischen, sondern auch-—und vielleicht in noch höherem Maße — für ländlichen Boden zu. Der Erfolg der Orangenpflanzungen hat der Kauflust von bewässerbarem Boden an der Küstenebene — und gerade auch von nichtjüdischer Seite — einen neuen Anstoß gegeben. Lord Melchett hat in den letzten Monaten ausdrücklich erklärt, er hege nicht den leisesten Zweifel, daß Palästina eine große Ökonomische Zukunft habe. Er sei jedoch nicht sicher, ob es gerade Juden sein werden, die an dieser Entwicklung teilhaben werden. Damit deutete er wohl auf das Interesse des internationalen Kapitals hin an Haifa als der Endstation der Petroleumröhren, am Toten Meer und an den Konzessionen für Elektrifizierung.