Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- Seite 444 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Das Jüdische Echo Nr. 29 den noch nicht vollendet. Es ist erst ein Anfang. Wobei man nicht vergessen darf, daß noch das dritte verbindende Element, die hebräische Sprache, d. h. die jiidisch-hebräische Kultur noch lange nicht auch von denen als für alle Juden verbindlich anerkannt ist, die schon heute bereit sind, in Palästina die Herrschaft dieser Kultur anzuerkennen. Es ist also erst ein Anfang gemacht und es wird noch sehr viel zu leisten und aufzuklären sein, bis tatsächlich die Gesamtheit der Juden die selbstverständliche Hegemonie aller drei verbindenden Elemente der Judenheit in der ganzen Welt anerkennen wird. Entwicklungen lassen sich aber nicht überspringen, sie müssen vorbereitet werden und sich allmählich vollziehen. Vor 40 Jahren hätte kein Jude gehofft, daß es möglich sein könnte, das erstarrte hoffnungslose Judentum wieder in Bewegung zu setzen. Vor 30 Jahren haben nicht einmal die Zionisten geglaubt, daß zu ihren Lebzeiten die Anfänge der Verwirklichung ihres Ideals zu sehen sein werden; vor 20 Jahren hatte niemand angenommen, daß auch Juden, die sich nicht zum Zionismus bekennen, bereit sein werden, am Werke des Palästina-Aufbaus mitzuwirken. Heute mag es manchem als Utopie erscheinen, wenn man der Überzeugung Ausdruck gibt, daß die Zionisierung oder besser gesagt die Renaissancebewegung im Judentum in absehbarer Zeit die wesentlichen und repräsentativen Schichten des jüdischen Volkes umfassen wird. Die Geschichte der letzten vier Jahrzehnte aber gestattet die Hoffnung, daß es doch dazu kommen wird. Ein Meilenstein in dieser Entwicklung ist der Zusammentritt der Jewish Agency am 11. August. Dort wird ein neuer Abschnitt der jüdischen Wiedergeburt beginnen. m. w. Hus der Münchener Konfessionsstatistik Von Herbert Philippsthal (Berlin) Die Geburtenzahl der Münchener Juden geht weiter zurück. Im Jahre 1928 wurden nur noch 79 Kinder aus rein jüdischen Ehen zur Welt gebracht, 1927 dagegen 82. Dies zeigt folgende Tabelle: Geborene (Lebend- und Totgeborene) Ehelich geborene Kinder 1 i _C t_ c <L> J- *o a 3 C 'S G *3 g G -bC 3 — z u 5k <L> JJ 03 TL V £ II Jahr >a > a £ cö 3 >£ C C D® 1928 79 12 13 1 1927 82 9 5 3 1926 82 10 10 3 Die Natalität wird von der Mortalität stark übertroffen, wie ich ebenfalls an einer Tabelle demonstrieren will: Gestorbene jüdischen Bekenntnisses (ohne Totgeborene) Jahr männlich weiblich zusammen Geborene 1928 79 50 129 79 1927 81 68 149 82 1926 72 74 146 82 Hiernach ist also die Bevölkerungsbilanz der Münchener Juden stark passiv. Im Jahre 1928 gab es 79 Geburten, 129 Gestorbene; im Jahre 1927 betrug die Zahl 82 und 149; 1926 82 und 146. Mag die Bilanz auch dadurch eine gewisse Korrektur erfahren, daß noch einige Kinder aus Mischehen im jüdischen Glauben erzogen werden, daß Juden aus Münchens Umgebung nach Bayerns Hauptstadt in ärztliche Behandlung gehen und verscheiden: Gleichwohl ist die Unterbilanz so groß, daß sie den Anlaß schwerster Bedenken bildet. Die Eheschließungen offenbaren im Vergleich mit der Vorkriegszeit und dem höchsten Stand der Nachkriegszeit einen Rückgang, bei alleiniger Betrachtung des Jahres 1927 eine Zunahme, die sich meiner Ansicht nach in den nächsten Jahren wohl fortsetzen dürfte, weil die Zahl der heiratsfähigen Männer durch das Nachrücken der stark besetzten Geburtsjahrgänge der Vorkriegszeit und durch eine gleichzeitige Abnahme der Sterblichkeit größer geworden ist als früher. Dies trifft bei der Gesamtbevölkerung zu und dürfte auch bei den Juden in Erscheinung treten. An folgender Aufstellung will ich das Verhältnis der rein jüdischen Ehen zu den Mischehen klarstellen: Eheschließungen: Gemischte Ehen zwischen c u <l> ■*- T3 c c G u G <L> ’S 4 & G~ <D 3 C CU G u jj! £ -c J :a tu C w J3 T5 O ■a *5* Jahr ' & N;2/c ’c zusammen 1928 40 25 13 38 1927 28 32 7 39 1926 43 14 11 25 1913 51 19 6 25 m Jahre 1928 erreichte die Zahl der Mischehen fast die der jüdischen Ehen, im Jahre 1927 wurde sie sogar weit übertroffen, während im Jahre 1913 das Verhältnis noch 1:2 betrug. Diesen Zahlen aus den letzten Jahren brauche ich wohl keinen Kommentar hinzuzufügen. Sie dürften veranlassen, daß auch der Vorstand der Jüdischen Gemeinde München zu dem Problem der Mischehen Stellung nimmt. Nachwort der Redaktion: Der Vorstand der Münchener Kultusgemeinde hat Stellung zu den hier berührten Problemen des Geburtenrückgangs, der Bevölkerungsunterbilanz und der Mischehe genommen, und zwar nicht nur theoretisch sondern auch praktisch: er hat nämlich den Beschluß der Gemeindevertretung, die auf Antrag der Zionistischen Fraktion hin 3000 RM. für Beihilfen zur Ermöglichung von Frühehen bewilligt hatte, zum Scheitern gebracht. Woher die maßgebenden Herren angesichts der vorliegenden Statistiken den Mut zu solcher Haltung nahmen, wie sie es verantworten zu können glauben, daß auf diesem wichtigen sozialpolitischen Tätigkeitsgebiet wiederum nichts geschieht, obwohl der Verfall in grauenerregender Weise fortschreitet, das bleibt unverständlich. Vielleicht besinnt man sich doch noch in den Kreisen des Vorstands; es ist nicht zu spät, als daß man nicht nachträglich noch die 3000 RM. bereitstellen könnte: daß der augenblickliche Zustand der jüdischen Bevölkerung ein schnelles, tatkräftiges und großzügiges Eingreifen erfordert, braucht nach den vorliegenden Ziffern wohl niemand mehr bewiesen zu werden. I. MÜNCHENER PLISSE-BREN NEREI FRANZ GRÖBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.Kostümstlckareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75