Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 28 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- Seite 436 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Das Jüdische Echo Nr. 28 Das zweite Kreislurnfest des tschechischen Makkahi war eine imposante und machtvolle Kundgebung der Solidarität des jüdischen Sportes. Die sportlichen Darbietungen und Leistungen, insbesondere die Freiübungen, befriedigten im höchsten Maße und riefen den uneingeschränkten Enthusiasmus der in Tausenden herbeigeströmten jüdischen Massen hervor, die den Siegern und Kündern eines neuen Judentums stürmisch zujubelten. Und als nach dem feierlichen Aufmarsch vor den versammelten Turnern und Sportlern der verschiedenen Länder mit ihren bunten Fahnen der Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Direktor Georg Iv a r e s k i, der seihst aus der jüdischen Turnerschaft hervorgegangen ist, tiefempfundene Worte des Dankes und Grußes sprach, erreichte der Jubel der Versammelten seinen Höhepunkt. Der stolze Aufmarsch Jung- Judas ward ihm Symbol des siegreich marschierenden Volkes zu Freiheit und Glück. Und als am Schluß seiner Worte die Musikkapellen die Hatikwah intonierten, sangen Tausende von Kehlen das Lied der Hoffnung in stolzem Bewußtsein, daß es uns angesichts solch einer kraftvollen und selbstbewußten Jugend um die Zukunft unseres Volkes nicht bange zu sein braucht. Palästina vor der Mandatskommission - Über die Sitzung der Mandatskommission in Genf wird das folgende offizielle Communique ausgegeben: Am 6. Juli begann die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes mit der Prüfung des Berichtes der britischen Regierung über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1928. Die Mandatarmacht war vertreten durch den Oberkommissar von Palästina Sir J o h n Chancellor und Herrn G. L. M. Clauson vom Londoner Kolonialamt. Bevor die Kommission in die Diskussion des Berichtes eintrat, nahm sie ein zusammenhängendes Expose des Oberkommissars Sir John Chancellor über die politische und wirtschaftliche Lage Palästinas entgegen. Chancellor erklärte, daß in der Verwaltung des Mandatsterriloriums Palästina im Verlauf des Berichtsjahres keine große Änderungen vorgekommen sind. In den Beziehungen zwischen Arabern und Juden sei eine Besserung eingetreten. Außer dem Zwischenfall an der Klagemauer war im Verlauf des vergangenen Jahres nichts vorgefallen, was diese Beziehungen gestört hätte. Seit dem Herbst 1928 haben jene arabischen Elemente Palästinas, die immer der Schaffung eines jüdischen Nationalheims feindlich gegenüberstanden und die zu wiederholten Malen kundgegeben haben, daß sie eine Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht ablehnen, diesen ihren Standpunkt zum Teil verlassen. So hat der Oberkommissar mehrere Vertreter des Kongresses der palästinensischen Araber empfangen, die ihren Wunsch aussprachcn, mit der Verwaltung zusammenzuarbeilen. Die arabischen Vertreter haben den Wunsch geäußert, daß die Mandatarmacht in Palästina ein parlamentarisches Regierungssystem einführt. Der Oberkommissar hat diesen Vertretern Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HäNSFÜRST erklärt, daß verschiedene Gründe gegen die Verwirklichung ihres Wunsches sprechen, besonders Englands Verpflichtungen aus dem Völkerbundsvertrag und die Tatsache, daß Palästina die Wiege von drei verschiedenen Religionen ist. Nichtsdestoweniger hat der Oberkommissar erklärt, daß die britische Regierung die Frage prüfen werde, um die bestmögliche Lösung zu finden. Bezüglich der wirtschaftlichen Lage erklärte der Oberkommissar, daß sich die wirtschaftliche Depression, die in Palästina* sehr schwer gewesen war, zu mildern scheint und daß nach seiner Meinung die kritische Periode vorüber sei. Gegenwärtig macht sich eine Besserung in Landwirtschaft und Industrie fühlbar. Seiner Ansicht nach wird der Bau des Hafens in Haifa der kommerziellen Entwicklung neuen Aufschwung geben, und er glaube, daß es — ohne daß man übertriebenen Optimismus an den Tag legt —■ erlaubt sei, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Das wirtschaftliche Gedeihen hänge von der Sicherheit ab, und er sei in der glücklichen Lage, versichern zu können, daß diese völlig feststehe. Auf das Jüdische Nationalheim zu sprechen kommend, erklärte der beglaubigte Vertreter der Mandatarmacht, daß die Entwicklung des Nationalheims von der jüdischen Einwanderung und der Hilfe seitens der jüdischen Gemeinden des Auslandes abhängt. Er erinnerte daran, daß eine Zeitlang der Umfang der Auswanderung den der Einwanderung übertroffen hat, daß aber jetzt wieder das Gegenteil der Fall sei. Er erklärte weiter, daß die Hebräische Universität in Jerusalem sich beträchtlich entwickle und ein geistiges jüdisches Zentrum von größter Bedeutung geworden ist. Zu der Frage der öffentlichen Gesundheit übergehend, wies der Oberkommissar auf die von der Mandatarmacht gemachten Anstrengungen hin, die Epidemien und besonders die Malaria zu bekämpfen; mehrere Regionen sind bereits von Malaria befreit worden. Der Oberkommissar wies auf die von der Mandatarmacht auf dem Gebiete des öffentlichen Unterrichtes geleistete Arbeit. Es sei unmöglich, einen einheitlichen Typ bestehen zu lassen, da die Juden wie die christlichen Missionen gesonderte Schulsysteme haben wollen. Er wies darauf hin, wie schwierig es unter diesen Umständen sei, eine staatliche Kontrolle zu erhalten und er fügte hinzu, daß die Mandatarmacht einen Gesetzentwurf vorbereite, um die verschiedenen Ansichten zum Ausgleich zu bringen. Der Oberkommissar gab noch einige Details über die Lage in Transjordanien . Er erklärte, daß das Abkommen zwischen der britischen Regierung und dem Emir von Transjordanien noch nicht ratifiziert war, weil der in der neuen Verfassung vorgesehene Legislative Council erst kürzlich in Funktion trat, daß aber diese Ratifizierung nicht lange mehr auf sich warten lassen werde. Er fügte hinzu, daß die Sicherheit an den Grenzen Transjordaniens vielleicht noch ein wenig zu wünschen übrig ließe, daß aber die Sichereit im Landesinnern eine vollkommene sei. Er beendigte sein Expose mit der Erklärung, daß das in Transjordanien eingeführte konstitutionelle Regime noch in seinen Anfängen stehe und daß man noch einige Zeit abwarten müsse, bis man ein Urteil darüber abgeben könne. In der Sitzung von Sonnabend, den 6. Juli, gab der Vertreter der britischen Mandatarmacht der Kommission einige ergänzende Auskünfte über die Erweiterung der Jewish Agency und über ihre Beziehungen zu der palästinensischen Regierung; über die öffentlichen Finanzen und besonders über die Hilfsquellen der Stadtverwaltungen; über die wärt-