Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 28 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- Seite 434 (sequence 6)
- Language
- German
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4M Das Jüdische Echo Nr. 28 Neutralität und unsere Gleichberechtigung und Ehre in so schwerer Weise verletzen. Dr. Neumeyer wies auf die Ritualmordlegende in Manau hin und stellte mit Dank fest, daß der Kultusminislere angeordnet hat, daß durch Aufklärung in den Schulen der Bewegung entgegenzutreten sei. Unsere Lage, fuhr der Redner fort, hat sich nicht eben günstig entwickelt. Wir wehren uns gegen jede Entrechtung. Des Übels Grund ist die Erschütterung des politischen, wirtschaftlichen und seelischen Gleichgewichts, die Krieg und Nachkriegszeit mit sich gebracht haben. Wir schließen uns voll dem Proteste an, der in diesen Tagen gegen das nunmehr zehnjährige Diktat von Versailles aus der Seele des ganzen Volkes hervordringt. Wir haben die Macht der organisierten Lüge kennengelernt und wir wollen gegen sie kämpfen. Die Lage ist für uns dieselbe wie beim deutschen Volke. Die Rettung liegt einzig bei uns seihst, in unserem Willen. Die Tagung trat Sonntag nachmittag in die sachlichen Beratungen ein. Kommerzienrat Rosenzweig (Nürnberg) erstattete den allgemeinen Fin a n z b e r i c h t. Der Haushaltplan, der wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahre nicht brachte, schließt mit einem Saldo von 711810 RM. ab. Über den Wohlfahrtsetat und den Etat des Landeswohlfahrtsamtes berichtete Justizrat D r. Elias Straus (München). An Neuerungen bringe der Etat die Anforderung eines Betrages von 10 000 RM. für in Bayern ansässige jüdische notleidende Ausländer, die im Falle der Not der Gefahr der Ausweisung unterliegen. Erhöht sei die Position für Stipendien von 9000 RM. auf 12 000 RM., für körperliche Ertüchtigung der Jugend von 4500 RM. auf 6000 RM. Er beantragte ferner, an den Deutsch- 3Jbxufirtger&br-- J%'rx&rvn&nj6r: 8 jA bholung KostenLos mm , / / Israelitischen Gemeindebund für eine neu zu schaffende Anstalt für Fürsorgepfleglinge den Betrag von 2500 RM. zu überweisen. Kommerz.-R. Braunschweiger (Wiirzburg) referierte über die Ausgestaltung des Landessiechenheims. Zu dem weiteren Punkte der Tagesordnung „Ausbau der Lehrerbildungsanstalt Würzburg“ sprach Oberlehrer Stoll (Wiirzburg), der auf die außerordentliche Bedeutung dieser Anstalt für den jüdischen Lehrernachwuchs in ganz Deutschland hinwies. Die zur Prüfung des Ausbaues eingesetzte Kommission schlage vor, 20 000 RM. als einmaligen Zuschuß und ein rückzahlbares Darlehen von 100 000 Reichsmark zu gewähren. Es wurde dann in die Aussprache über den Etat eingetreten. Rechtsanwalt Dr, Jung (Nürnberg lib.) wies auf die Notwendigkeit hin, in einer Zeit des schwersten Existenzkampfes der Erwerbsstände künftig die Etatposition und Zuschüsse an die Gemeinden genauer als bisher zu prüfen. Für die Zwecke der Siedlung beantrage die liberale Fraktion einen Betrag von 12 000 RM. zu bewilligen. Er rege an, eine zweijährige Etatperiode eintreten zu lassen, um Ausgaben zu ersparen. Einen geforderten Betrag von 1000 RM für den Keren Hajessod zu bewilligen, habe sich die liberale Fraktion aus finanziellen, politischen und weltanschaulichen Gründen nicht entschließen können, ein Fraktionszwang werde jedoch in dieser Frage nicht ausgeübt. Rechtsanwalt D r. Feilchenfeld (Nürnberg kons.) erklärte, angesichts der Ritualmordhetze in Manau stehe man mit Entsetzen vor einem Abgrund, der sich im zwanzigsten Jahrhundert aufgetan hat. Die Fremdenpolitik der bayerischen Regierung habe sich in keiner Weise geändert. Leider sei der Gedanke der jüdischen Schule noch nicht Allgemeingut geworden. Er stelle den Antrag, die Erhöhung des Staatszuschusses um 10 000 RM. (von 60 000 RM. auf 70 000 RM.) für Zwecke der Mittelstandshilfe zu verwenden. Dr. Bamberger (Nürnberg zion.) trat gleichfalls für Sparsamkeit ein, die aber nicht eine Senkung des geistigen und sozialen Niveaus im Gefolge haben dürfe. Auch die Juden hätten sich gegen die Schuldlüge zu wenden. Die Montagssitzung brachte nach einem Revisionsbericht von Sanitätsrat D r. Baron (München) eine Fortsetzung der Aussprache. Auf Antrag von Dr. Jung (Nürnberg) entschied sich die Tagung für das Würzburger Projekt des Siechenheims (Anschluß an die Kranken- und Pfründnerhausstiftung Würzburg). Es wurde hierfür ein Betrag von 20 000 RM. bewilligt, sowie ein Darlehen bis zur Höhe von 40 000 RM. genehmigt. Auf Antrag von Justizrat Dr. Fränkel (München) würde ferner ein Darlehen bis zur Höhe von 50 000 RM. der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg für Zwecke des Ausbaues bewilligt. Es wurden ferner bewilligt: 1000 RM. für den Keren H a j e s s o d (mit 33 gegen 20 Stimmen); 8000 RM. für Siedlungszwecke bei Eingang entsprechender Mittel evtl, bis zu 10 000 RM.); auf Antrag von Dr. Elias Straus (München) für die Fürsorgeerziehungsanslalt des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes 2500 RM.; auf Antrag von Sanifätsrat Dr. Baron (München) für Abwehrzwecke 3000 RM. Bei dieser Gelegenheit sprach sich Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München) mit anerkennenden Worten über die Tätigkeit des Central-Vereins aus. — Die Erledigung einer Reihe weiterer auf der Tagesordnung stehender Verfassungs-, Beamten- und Besoldungsfragen wurde wegen vorgerückter Zeit auf die nächste Tagung zurückgestellt.