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Das jüdische Echo · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · p. Seite 433

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 433 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet 6 Zylinder neu und jüdische geistliche Beamte an diesem heiligsten Tage im jüdischen Jahre zu insultieren. Sollten sich dennoch irgendwelche ähnliche Episoden ereignen, so werden die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden. Wir dürfen ferner eine konsequentere Politik in der Beistellung früherer türkischer Kronländer für dichte jüdische Chaluzim-Siedlung erwarten. Wie denn die gesamte Politik der Arbeiterregierung gegenüber den Mandatsgebieten eine Politik energischen Fortschrittes, materieller Entwicklung und aufrichtigsten Wohlwollens sein wird. Unter diesen Mandatsterritorien wird Palästina nicht zum wenigsten aus dem Siege der Arbeiterpartei am 30. Mai dieses Jahres Nutzen ziehe. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gem einden Aschaffenburg, 1. Juli. (JTA.) Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Aschaffenburg begann am 30. Juni 1929 vormittags im grof3en Saal des Bürgervereins „Frohsinn“. Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt begrüßte die Ehrengäste und die Mitglieder von Rat und Tagung. Unter anderen waren erschienen Ministerialrat Dr. Mezger als Vertreter des bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus, Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Matt, Bürgermeister Schwink. Im Aufträge der israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg begrüßte deren erster Vorstand A. Trier Rat und Tagung. Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Matt bewillkommnete die Tagung namens der Kreisregierung von Unterfranken und Aschaffenburg, sowie namens der Stadt Aschaffenburg. Für das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus sprach Ministerialrat Dr. Mezger in anerkennenden Worten über die Tätigkeit des Verbandes. Es folgte der Bericht des Präsidenten des Rates, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, der u. a. besagt: Wir stehen im zehnten Jahre, seit der Verband ins Leben getreten. Wir danken der Gemeinde Aschaffenburg, daß sie die Zusamengehörigkeit so getreulich hütet und wir sind gerne in diese herrliche Stadt gekommen. Der Redner gibt dann einen Umriß von Moses Mendelssohns Persönlichkeit und seiner Epoche. Darauf legte er die Geschäftslage des Verbandes kurz dar. Die Entwicklung ist durchaus befriedigend. An Umlagen werden 3 Prozent der Reichs- und Landessteuern erhoben. Eingegangen sind an Umlagen im Jahre 1928 rund 635 000 RM., soclaß sich auf den Kopf der Bevölkerung ein Betrag von 12.92 Reichsmark berechnet. Für 1929 werden die Umlagen auf 620 000 RM. veranschlagt. Der Staatszuschuß wurde um 10 000 RM. auf 70 000 RM. erhöht . Der Betrag ist nicht groß, wenn man die Aufwendungen von Verband und Gemeinden dagegen hält, die im Lande 3K Millionen RM. betragen. Unter den Ausgaben stellt sich die Beamtenbesoldung mit 312 000 RM. dar. Ab 1. April 1928 erhalten die sämltichen Rabbinate einen Zuschuß von 50 Prozent, das Bezirksrabbinat Schwabach 75 Prozent, das Bezirksrabbinat Neumarkt 70 Prozent. Regelmäßig Gehaltszuschüsse erhalten 56 Gemeinden. Unser Beamten recht soll ergänzt werden, es dürfte dann wohl so ausgebaut sein, wie dies in keinem anderen deutschen Lande der Fall ist. Die Bauzuschüsse an 44 Gemeinden betragen rund 28 000 RM. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden rund 245 000 RM. aufgewendet. Bayerische Wohlfahrtsanstalten mit mehr als lokaler Bedeutung erhalten etwa 40 000 RM. Für die Verpflegung von Hilfsbedürftigen in den Gemeinden wurden zum ersten Male 10 000 RM. eingesetzt. Wir beteiligen uns an den Wohlfahrtsausgaben im Reich, wie bei der Zentralwohlfahrtsstelle, der Hauptstelle für Wanderfürsorge, den Einrichtungen des D. I. G. B., des Frauenbundes, u. a. m. Die Lehrerbildungsanstalten in Wiirzburg und Höchberg erheischen an Betriebszuschüssen 58 000 RM., für Stipendien 9000 RM. Im Reiche erhalten die drei Rabbinerseminare Beihilfen, ebenso die Gartenbauschule Aalen, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die Akademie. Wir schreiten vorwärts in der Inventarisation jüdischer Kunstdenkmäler und in den geschichtlichen Forschungen. Wir pflegen die körperliche Ertüchtigung der Jugend. Wir pflegen die jüdischen Siedlungen auf dem Lande. (In Unterfranken befinden sich nahezu 1000 ha Grundbesitz in jüdischen Händen.) Wir haben im vergangenen Jahre den Entwurf der Verfassung für einen Reichsverband gebilligt. Die preußische Landesversammlung hat ihn mit der Mehrheit von einer Stimme verworfen. Wir können warten. Die süddeutschen Gemeinschaften haben neuerlich einmütig der Anschauung Ausdruck gegeben, daß ein Reichsverband nur durch den Zusammenschluß der Landesverbände gebildet werden könne. Die Sch ächtfrage erfüllt uns mit der größten Sorge. Der Landtag hat in den letzten Tagen beschlossen, die Eingabe von zehn Tierschutzvereinen auf Durchführung des Beschlusses von 1926 (die Schlachtliere vor Beginn des Blutentzugs zu betäuben) der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Es muß hiernach damit gerechnet werden, daß die Staatsregierung demnächst den Gesetzentwurf dein Landtag zugehen läßt. Solange uns eine religiös gebilligte Betäubungsmethode, die wir uns zu finden bemühen, nicht zur Verfügung steht, kommt das angekündigte Gesetz einem Verbot der rituellen Schlachtung gleich. Ein solches Verbot besteht in keinem deutschen Lande; sein Erlaß würde einen schweren Eingriff in die Gewissensfreiheit und Religionsübung der Israeliten in Bayern bedeuten. Wir werden die Bayerische Regierung und den Landtag auf die Gewissensnot hinweisen und beantragen, daß im Gesetz darauf Rücksicht genommen wird. Es ist eine zunehmende unfreundliche Haltung der Öffentlichkeit gegen uns festzustellen. Allgemeine Studentenausschüsse an bayerischen Hochschulen haben in Beschlüssen die Einführung eines Numerus clausus für jüdische Studierende gefordert. Wir verwahren uns, daß staatlich anerkannte Zwangsorganisationen ihre verfassungsmäßige

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