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Das jüdische Echo · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALD)UDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz 13. Fortsetzung. Versuch’ es, das einem Chassid zu erzählen, er bringt dich um! Sie deuten das als Symbol; es war gar kein Vogel für sie, sondern der Engel Gabriel hatte sich in einen Vogel verwandelt, verstehst du? Der Vogel ist genau so ein Symbol, wie mit Sulamith im Hohen Liede die Gemeinde Israels gemeint ist...“ Schmiel fühlte, er sei zu weit gegangen; er sah sich um, ob keiner zugehört hatte, und wollte den Eindruck seiner Worte verwischen; im selben Augenblick trat Reb Itsche hinzu, sah beide mit einer Miene an, als hätte er alles gehört. „Wir fahren,“ wandte er sich zu Mordechai. „Vielleicht ist auch ein Stückchen Platz für mich da,“ bat Schmiel Mordechai unterwürfig, „es kann auch auf dem Kutschbock sein, das tut nichts, wenn ich nur nach Kozk komme.“ Mordechai fühlte eine Feindschaft gegen Schmiel in sich aufsteigen; er wollte antworten, in der Fuhre sei kein Platz mehr, eine Weile kämpfte er mit sich, dann nickte er mit dem Kopfe: „Gut, ich werde für dich Platz machen.“ „Könntest du mir vielleicht ein paar Gulden leihen? Ich muß dem Schankwirt bezahlen“, warf Schmiel nebenbei ein. „Wieviel?“ „Fünf werden genügen.“ Mordechai reichte ihm ein silbernes Fünfguldenstück und sah Schmiel zwischen der Menge verschwinden; er versank in Nachdenken. Es ging ihm nicht in den Sinn, warum ihm eigentlich Schmiel die Geschichte von dem Vogel erzählt hatte. Wenn wirklich ein Ungläubiger einen toten Vogel auf das Grab gelegt hatte, ist das denn eine Herabwürdigung des Rabbi? Und warum hatte Schmiel das Hohe Lied herangezogen? Glaubte er wirklich daran, daß man das Hohe Lied wörtlich auffassen müsse, wie es gelesen wird? Wie lange ist es her, daß derselbe Schmiel ihn in den Chassidismus eingeführt hatte? Mit welcher Hingabe pflegte er den kleinsten Ausspruch (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin Rabbi Mendeles anzuführen! Wenn er aber in der kurzen Zeit abgefallen ist, wozu fährt er eigentlich nach Kozk? Verärgert verließ Mordechai die Schenke;, es war ihm, als hätte sich in seinem Hirn eine verborgene Schraube gelöst; Fragen, eine schwerer als die andere, tauchten plötzlich auf, setzten sich in ihm fest wie lästige Fliegen und seine Lippen flüsterten leise: „Die vier, die des Paradieses teilhaft wurden.. U Am Abend fuhr der Wagen vollbeladen aus dem Dorfe. Die Insassen waren fröhlich; sie hatten .ihr 'Gezänk vergessen, sangen und hofften, mit Gottes Hilfe, am frühen Morgen in Kozk zu sein. Mordechai versuchte einige Male ein Gespräch mit Schmiel zu beginnen. Aber Schmiel antwortete ihm nicht recht und ließ sich die Worte aus dem Munde ziehen. Da setzte sich Mordechai in eine Ecke und dachte: Schmiel hat wohl Furcht vor Zuhörern. Schmiel saß zwischen den Chassidim und gab unaufhörlich Erklärungen der Thora. Alle hörten ihm aufmerksam zu und erwiesen ihm alle Ehre. Mordechai wunderte sich über Schmiel. Er begriff sein Gehaben nicht. Der Fuhrmann bog mit dem Wagen in die Wälder von Lukow ein, und es wurde plötzlich finster. Die Pferde verlangsamten den Schritt; mühsam kamen sie im Sande vorwärts. Der barfüßige Israel, welcher auf dem Bock saß und die ganze Zeit kein Wort gesprochen hatte, rief als erster: „Es ist Zeit zum Abendgebet!“ Die Fuhre blieb stehen, alle stiegen aus, umgürteten sich, der eine mit dem Gürtel, der andere mit einem Tuche, befeuchteten die Hände am taubedeckten Gras und gingen hinein in den Wald. Ein alter Chassid blieb stehen, wendete sich gegen Osten, stützte beide Hände an einen dicken Baum und begann mit wiegenden Bewegungen den Singsang des Gebetes. Alle fielen ein, ihre Stimmen wurden höher und lauter und drangen von Baum zu Baum,

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