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Das jüdische Echo · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. Seite 409

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
Seite 409 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 26 409 Das Jüdische Echo Die polnischen Judenverfolgungen Die Demolierung der Posener Synagoge — Ein Protestschreiben Posen, 18. Juni. (JTA.) Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde in Posen richtete an den Stadtpräsidenten Ralajski das folgende Schreiben: „Es ist Ihnen bekannt, daß die Jüdische Gemeinde Posens Schweres durchzumachen gehabt hat. Man hat alle Fensterscheiben in unserem Gemeindehause eingeschlagen, man hat unsere Synagoge demoliert, man hat in den jüdischen Geschäflsläden die Schaufenster zertrümmert; man hat Polens Namen im Inlande wie im Auslande Schaden zugefügt. Mit Ungeduld haben wir, als die traurigen Geschehnisse vorüber waren, einem Ausdruck des Mitgefühls seitens des Magistrats von Posen entgegengesehen, ein solcher ist nicht erfolgt. Wir erlauben uns deshalb, an Sie dieses Schreiben zu richten in der Annahme, daß die erwartete Geste seitens des Stadtpräsidenten endlich doch erfolgen wird.“ Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat der Magistrat von Posen beschlossen, auf Rechnung der Stadt die den jüdischen Institutionen zugefügten Schäden wieder gutzumachen. Ausschreitungen in Krakau und im Posener Distrikt Krakau, 17. Juni. (JTA.) Von Studenten geführte Huligangruppen überfielen im Krakauer Jordan-Park die jüdischen Spaziergänger und mißhandelten sie schwer. Sie hielten allen Passanten elektrische Lampen vor das Gesicht, und wo sie glaubten, es mit Juden zu tun zu haben, zogen sie jA bhoi u ng lCovStealo6 mm unter den Rufen „Dies für Lemberg!“ Knüppel hervor und schlugen auf die Passanten los. Greise, Frauen und Kinder wurden nicht geschont. Mehrere Stunden lang wüteten die Huligans in dem Park. Etwa fünfzig jüdische Spaziergänger erlitten Verletzungen. Keiner der Huligans wurde verhaftet. Warschau, 19. Juni. (JTA.) Eine Abordnung jüdischer Messebesucher des Distriktes Posen erschien im Kleinhändlerverband und berichtete über Tatsachen furchtbaren Terrors, der gegen die jüdischen Händler und Resucher der Messen im Gebiete von Posen geübt wird. Nationalistische Agitatoren postieren sich mit photographischen Apparaten vor jeden jüdischen Warenstand und stellen Photographien von christlichen Käufern her, die den Juden Waren abnehmen. Dabei werden Hetzreden gegen die Juden gehalten und die bekannten Legenden über Schändung der katholischen Religion durch Juden verbreitet. In Szrem, Kszoncs und in anderen Orten überfielen die Huligans die Warenlager der Juden, zerstörten die Kioske und schleuderten die Waren nach allen Richtungen. Die jüdischen Händler wurden schwer mißhandelt. Es heißt, daß das Innenministerium abermals Weisungen zum Schutze der jüdischen Händler im Posener Gebiet ergehen ließ. Erfolg der Posener Messe in Frage gestellt Warschau, 17. Juni. (JTA.) Auf Anregung des Präsidiums der Allgemeinen Landesausstellung in Posen fand in Warschau eine Konferenz der Vertreter der Warschauer jüdischen Presse statt, der der Propagandachef, Direktor Leon . Sztszurkiewicz und andere hohe Beamte beiwohnten. Vertreter der Posener Messe gaben die Versicherung, daß die Leitung der Ausstellung und die Posener Stadtverwaltung Maßnahmen getroffen haben, um allen Ausstellungsbesuchern ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität den Besuch Posens so angenehm wie möglich zu machen. Seitens der jüdischen Pressevertreter wurde erklärt, daß unbeschadet der letzten nicht genug zu bedauernden Posener Vorfälle die jüdische Presse dennoch, in Anbetracht der Bedeutung der Ausstellung für den polnischen Staat, die große Landesausstellung auch weiterhin zu fördern bestrebt sein wird. Boykott-Parole Warschau, 18. Juni. (JTA.) Die nationaldemokratische Presse in Warschau und in ganz Polen, die seit den Lemberger Geschehnissen eine ununterbrochene antijüdische Hetze führt und täglich Legenden über angebliche Überfälle seitens „Jüdischer Provokateure“ auf Christen und christliche Institutionen verbreitet, setzt sich nunmehr für die Proklamierung einer Parole für wirtschaftlichen Bovkolt der Juden ein. In einer auf Initiative des „Christlichen Vereins der arbeitenden Jugend“ stattgefundenen Prolestversammlung der christlichen Berufsvereinigungen gegen die „jüdischen Provokationen in Lemberg“ forderten die Redner die Durchführung eines Boykotts gegen die Juden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Juden als die Feinde der katholischen Religion und des polnischen Volkes hingestellt werden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, ihren Bedarf an Waren nur bei christlichen Erzeugern und Händlern zu decken. Gegen jüdische Fachschulen Warschau, 18. Juni. (JTA.) Das Unterrichtsministerium hat hinsichtlich der vom 19.—25. Juni in Polen abzuhaltenden Prüfungen der Lehrlinge,

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