Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 407 Besonderen Anteil erweckte auch der Hinweis von Dr. Judith Rosenbaum, Mitarbeiterin des Zentralinstituts Beth Jakow in Krakau, auf das große Erziehungswerk der Beth-Jakow-Bewegung im Osten, wo in 160 Schulen in Galizien, Polen und Litauen 18 000 jüdische junge Mädchen, Töchter chassidischer Eltern, auf streng orthodoxer Grundlage eine neuzeitliche Erziehung erhalten. Auch dieser Bewegung bringt der Frauenbund Interesse entgegen. Der Nachmittag war den bevölkerungspolitischen Aufgaben der jüdischen Frau gewidmet, worüber Professor Selma Meyer (Düsseldorf) berichtete. Anschließend sprach Rechtsanwalt Dr. Margarete Berent (Berlin) und berichtete über die neuen Gesetzentwürfe zum Schutze der Frauen und Kinder. Der Abend vereinte eine ungemein zahlreich erschienene Zuhörerschaft im Saale des Herrenhauses. Paula 01lendorf leitete die Versammlung und wies darauf hin, daß, wie der Frauenkongreß in Hamburg mit dem Begriff der Internationalität begonnen habe, heute die Tagung unter diesem Zeichen schließe. Führende Frauen anderer Länder sprachen über die Stellung der Jüdin in ihrem Lande und Arbeit. (Mrs. Henrique, London; Frau Schwimmer, Amsterdam; Frau Pollack, Haag; Frau Dr. Reichenstein, Lemberg; Mrs. Sternberger, Neuyork; Helene Hannah Thon, Jerusalem.) Die letzte der Rednerinnnen hob hervor, daß die Aufgabe der Frauenarbeit in Palästina eine wesentlich andere sei als in den Ländern der Diaspora: hier gelte es ein Behaupten und Verteidigen, dort den Aufbau einer neuen jüdischen Volksgemeinschaft. Die Seniorin des Frauenbundes, Frau Ernestine Eschelbacher, beschloß den Abend durch einen herzlich warmen Aufruf zur eigentlichsten Arbeit der jüdischen Frau, zur Arbeit für den Weltfrieden und wies darauf hin, daß ein „Jüdischer Friedensbund“ nach dem Vorgänge des Evangelischen und Katholischen Friedensbundes demnächst gegründet werde. Den wichtigsten Eindruck des schönen Abends verkörperten die Soharworte, mit denen Frau Schwimmer (Amsterdam) ihre Ausführungen schloß: „Keiner allein kann das Vogelnest erreichen; aber wenn hundert Menschen Zusammenkommen und einer auf die Schultern des anderen steigt, so daß sie alle zusammen eine Himmelsleiter bilden, dann wird ihr Vorsatz glücken.“ Das ist das schönste Symbol für die Arbeit des Jüdischen Frauenbundes. ❖ ❖ * In scharfem Gegensätze zur Friedenssymphonie des Weltbundes Jüdischer Frauen und auch zu dem bisher erfolgreich angestrebten Finheitswirken aller jüdischen Parteien im Jüdischen Frauenbünde standen die letzten Ereignisse der Jubiläumstagung. Nach den Berichten der einzelnen Kommissionen, die zum Teil noch recht erfreuliche Bilder von lebendiger Arbeit entwarfen, folgte ein Wahlkampf, der hinter verschlossenen Türen freilich allzu eifrig politische Vorgänge deutscher Umwelt nachahmend, schließlich ein Wahlergebnis zeitigte, das einen gänzlich „zionistenreinen“ Vorstand ergab. Es ist zweifelhaft, ob dieses Wahlergebnis nachträglich noch korrigiert werden kann; keinem Zweifel aber unterliegt es, daß die Arbeit des Jüdischen Frauenbundes großen, vielleicht nicht wieder gut zu machenden Schaden Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HHNSFÜRST erleiden wird, wenn diese Wahl vielleicht eine Degradierung der zionistischen Frauen im Bund bedeuten sollte. Man kann nur hoffen, daß der Frauenbund auf diesem gefährlichen Weg nicht weitergehen wird. Die Hauptversammlung des Makkabi-Weltverbandes Von Dr. Hermann L e 1 e w e r , Berlin Am 27. Juni beginnt in Mährisch-Ostrau die Hauptversammlung des Makkabi-Weltverbandes. Mit dieser Tagung tritt der Verband, der sich ursprünglich unter dem Namen „Jüdische Turnerschaft“ seine allweltliche Organisation geschaffen hatte, in eine neue, vielleicht entscheidende Phase seiner Entwicklung ein. Der innere und äußere Aüfstieg des Makkabi, der heute zehnlausende jüdischer Turner und Sportler umfaßt, veranlaßt die jüdische Öffentlichkeit in immer steigendem Maße, sich mit den Aufgaben und Problemen des Makkabitums zu beschäftigen. Man erkennt immer mehr, daß hier eine Bewegung im Werden begriffen ist, deren Entwicklung Beobachtung und Förderung verlangt. Man begreift, daß es sich hier nicht nur um Dinge der Körperbildung, sondern der Menschenformung, der Erfassung und Erziehung des ganzen Menschen handelt. Der Makkabi ist ein Kind des Zionismus. Er hat das Losungswort für die Makkabibewegung ausgegeben. Als Teil der zionistischen Bewegung hat der Makkabi auch nur Sinn und Existenzberechtigung. Losgelöst vom Zionismus verliert er seinen Grund und seine Triebkraft. Alle Probleme des Zionismus sind auch Probleme des Makkabitums. Es gibt insoweit keine Beschränkung auf eine innerzionistische Partei. Nach dieser Richtung hat der Makkabi eine entscheidende Aufgabe zu erfüllen. Er muß sich bewußt gegen alle Jugendgruppen abgrenzen, die sich nur als Nachwuchsorganisation einer innerzionistischen Richtung empfinden. Der Makkabi gehört der ganzen zionistischen Bewegung und ist in diesem Sinne überparteilich. Darin liegt auch sein entscheidender Vorteil begründet; darüber hinaus ein Segen für unsere zionistische Jugend, die in diesem Sinne innerzionistisch entpolitisiert werden kann. Hat infolge der ungeheuren Anziehungskraft, die der Sport heute ausübl, der Makkabi die außerordentlich starke Möglichkeit, neue Menschen zu erfassen und für den Zionismus zu gewinnen, so kann er sich mit dieser Aufgabe nicht begnügen. Er muß seine Menschen auch zionistisch erziehen und damit reif machen zur verantwortlichen Teilnahme an allen Aufgaben des jüdischen Volkes, insbesondere aber am Aufbau von Erez Israel. Das Alternativgesetz, nachdem eine Bewegung an Inhalt abnimmt, wenn sie an Umfang zunimmt, und umgekehrt bei Abnahme an Inhalt gewinnt, tritt auch hier in die Erscheinung. Deshalb haben sich in einigen Ländern in jüngster Zeit Jugendgruppen unter dem Namen Makkabi H a z a i r zusammengetan, die eine besondere, intensiv zionistische Erziehungsgemeinschaft darstellen wollen. Ihr höchstes Ziel ist Chaluzim für Palästina zu erzielen, und Chaluzgesinnung im ganzen Makkabi zu verbreiten. Eine besondere Aussprache ist auf dem Makkabi-Weltverbandslag diesem Fragenkomplex gewidmet. Die Hebräisierung, insbesondere die Einführung der hebräischen Kommandosprache, die Popularisierung und Kultivierung des jüdischen Volksliedes stellen hier spezielle Aufgaben dar. Eine besonders starke Verbundenheit bat von jeher zwischen dem Makkabi und dem National- Fonds existiert. Die als N.-F.-Bo)rs bezeichnten