Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Das Jüdische Echo Nr. 26 Studententerror auch in München Die nationalsozialistischen Studenten versuchen neuerdings wieder, an der Münchener Universität Terror gegen Andersdenkende auszuüben. Wahrscheinlich in Erwiderung darauf, daß sie jüngst in der bekannten Hitleruniform mit Hakenkreuz in der Universität aufgetreten waren, wurde bedauerlicherweise in der vorigen Woche an der Schleife des Kranzes, den der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund vor dem Denkmal für die im Weltkrieg gefallenen Komilitonen niedergelegt hatte, das Hakenkreuz weggeschnitten. Obwohl die demokratischen und sozialistischen Studentengruppen nicht das geringste mit dieser Pietätlosigkeit zu tun hatten, wurden sie heute vormittag von den auf dem Lichthof der Hochschule geschlossen auftretenden Nationalsozialisten auf das gemeinste beschimpft, tätlich angegriffen und mit Prügeln bedroht. Mitglieder der sozialistischen Studentengruppe wurden von einer Überzahl umringt und es ihnen unmöglich gemacht, die Vorlesungen zu besuchen. Ein nationalsozialistischer Student hielt von der Treppe des Lichthofes aus eine hetzerische Ansprache. Der Syndikus der Universität, Einhauser, begnügte sich auf die Mitteilung von den Vorgängen mit der Mahnung an die demokratischen und sozialistischen Studenten, nicht zu provozieren und sich nicht provozieren zu lassen, unternahm aber nicht das geringste, um gegen die nationalsozialistischen Ruhestörer einzuschreiten und die Beschimpften und Bedrohten zu schützen. J ubiläums tagung des Jüdischen Frauenbundes vom 9.—11. Juni 1929 Der 1904 begründete Jüdische Frauenbund Deutschlands, dem ungefähr 450 Frauenvereine mit einer Gesamtmitgliederzahl von 50 000 angehören, hielt vom 9. bis 11. Juni 1929 in Berlin eine Jubiläumstagung ab. Eine Weihefeier fand am Sonntag, dem 9. Juni, vormittags, in der Hochschule für Musik statt. Der Saal war von Delegierten, Vertretern der Behörden und der jüdischen Organisationen und von Gästen überfüllt. Nach Vortrag des Psalmes 23 von Schubert durch den Frauenchor der Berliner Synagogen hielt Herr Rabbiner Dr. Baeck die Weiherede, in der er die besondere Aufgabe, die der Frau im Leben gestellt ist, umriß. Im Namen des Bundes deutscher Frauenvereine und des Frauenbundes Groß-Berlin begrüßte Frau Dr. Corte die Jubiläumstagung des Jüdischen Frauenbundes. Herr Kammergerichtsrat Wolff, Vorsitzender des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, kennzeichnete die besondere Stellung der jüdischen Frau im jüdischen Leben und wies darauf hin, daß der Preußische Landesverband den Frauen das aktive und passive Wahlrecht gewährt hat. Obermagistratsrat Dr. Ollendorff überbrachte die Grüße der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, an dessen Gründung der Jüdische Frauenbund den stärksten Anteil gehabt hat. Estella Sternberger, Neuyork, überbrachte die Grüße des in Hamburg gegründeten Weltverbandes jüdischer Frauen und der 56 000 organisierten jüdischen Schwestern in Amerika. Frau Bettina Brenner, die Präsidentin des Jüdischen Frauenbundes Deutschland, dankte schließlich allen, die an der Feier teil hatten, und gab ihrer Hoffnung für gutes Wirken des neugegründeten Weltverbandes jüdischer Frauen Ausdruck. Umrahmt war die Weihefeier von Darbietungen der Vereinigung Berliner Synagogenchöre und der Sängerin Frau Rose Walther. Am Montag, dem 10. Juni früh, begann das eigentliche Arbeitsprogramm der Tagung. Frau Brenner entwarf einleitend ein Bild von der inneren Entwicklung der Frauenbundsarbeit und stellte als bislang noch unerfüllte Aufgabe des Bundes, wie ein Wort Bertha Pappenheims es bezeichnete, „die innere Mission“ hin. Dann gab Paula Ollendorf in knapper und sachlicher Ausführung ein Bild der äußeren Entwicklung der Bundesarbeit. Sie skizzierte die Leistungen auf dem Gebiete der Gesundheits-, Erholungs- und Jugendfürsorge und sprach von dem neuen Arbeitsgebiet, den bevölkerungspolitischen Aufgaben des Bundes. Hierauf folgte der gedankenreiche Ausblick Hannah Karminskis auf die künftige Arbeit, Träger der Aufgabe, Umfang und Leistung des Frauenbundes und religiöse Aufgaben des Verbandes suchte sic darzustellen. Besonderen Nachdruck legte sie auf die Zusammenarbeit des Alters mit der Jugend, der „bürgerlichen“ mit den erwerbstätigen Frauen. Anteilnahme an allen großen Gedanken des Judentums forderte sie; besonders auch an dem Aufbau Palästinas, der heute weit über alle Parteigesinnung hinaus zur Aufgabe des gesamten Judentums geworden ist. In der lebhaften und angeregten Diskussion betonte Frau Bergel-Gronemann noch einmal die religiöse Bedeutung des Palästina- Aufbaus. Am Dienstag morgen gab zunächst Frau Eschelbacher, Düsseldorf, einen Überblick über die soziale Tätigkeit der jüdischen Frau, die als alte Ehrenpflicht der Jüdin seit mehr als hundert Jahren überall von allen bestehenden Frauenvereinen gepflegt wird. Zusammenarbeit von Frauenvereinen und Frauenbund wird in der später folgenden Diskussion als erstrebenswert hingestellt. Frida Weinreich, Mitarbeiterin der Zentralwohlfahrtsstelle Berlin, sprach hierauf über die Frau als Sozialbeamtin, ihre Vorbildung, die Bedingungen ihrer Wirksamkeit und ihre Aufgaben. Auch hier ergab sich ein vereintes Wirken von Beamtinnen und ehrenamtlich arbeitenden Frauen, auf deren Hingabe keineswegs verzichtet werden kann, als wünschenswert. Im Laufe der Diskussion brachte Frau Dr. Rahel Strauß (München) eine Interpellation zionistischer Frauenbundsmitglieder vor, die, gestützt auf das warme Verständnis der Leitung, für das Palästina-Aufbauwerk, zur lebendigen, verstärkten Anteilnahme aufforderte. In direktem Anschluß daran wies Frau Ollendorf darauf hin, daß im Vorraum palästinensische Handarbeiten aus den Werkstätten Shani und Hamachath ausgestellt seien, die zur sofortigen Betätigung für Palästina Gelegenheit gäben. Auch die Jüdische Kunstgewerbestube Freudenthal hatte im Vorraum originelle und schöne Arbeiten ausgestellt. B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menage* u. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 Fernruf Nr. 90 9 39