Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. Seite 391

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9175998--09553-9082462
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 25 391 Das Jüdische Echo Jarkon-Gebiele lind bei Akko. Die zionistische Bewegung hat die Pflicht, die jüdische Landwirtschaft liir die Zukunll zu sichern. Es geht nicht an, daß wir eine Exekutive haben, aus deren Politik eine klare Gegnerschaft gegen die kollektivistische Siedlung zu erkennen ist. Ein Teil von Siedlungen hat noch nicht den ihnen zustehenden Boden bekommen. Handelt es sich hierbei um eine Ivwuzah, so findet die Exekutive eine einfache Lösung der Bekämpfung der Landnot, indem sie versucht, die Zahl der Menschen dort zu reduzieren. Die Kwuzah stellt für uns eine der wichtigsten Errungenschaften der zionistischen Bewegung dar. Wir können nicht gestalten, daß die Zahl ihrer Mitglieder verringert wird und daß Menschen, die jahrelang auf einem bestimmten Boden gearbeitet haben, jetzt von dieclem Boden verdrängt werden. Wir haben auf dem Gebiet der Kolonisation noch eine zweite, sehr wichtige Forderung. Wir stehen vor einem neuen Aufschwung in der Pflanzungsarbeit und begrüßen die Entwicklung der Pflanzungskolonien, aber das Privatkapital schafft hier nationale Gefahren. Es entstehen Großbetriebe, sehr umfangreiche Pflanzungen, die nicht auf Alleinarbeit beruhen. Wir haben keine Gewähr dafür, daß sie Arbeitsstätten für jüdische Arbeiter bilden. Es besteht die Gefahr, daß die abwesenden Eigentümer den Boden durch Araber bearbeiten lassen. Die Exekutive steht dieser Erscheinung untätig gegenüber. Als eine Maßnahme der nationalen Wirtschaftsstrategie muß gefordert werden, daß ein Kranz von Arbeiterkolonien um die Planlagen gelegt wird und so ein natürlicher Ausgleich zustande kommt. Die Ansiedlung von Lohnarbeitern und unbemittelten Einwanderern muß auf der Grundlage der Arbeiterkolonien fortgeführt werden. Als der Nalionalfoncls vor einiger Zeit einige kleinere Grundstücke zu solcher Ansiedlung kaufen wollte — die Zahlung brauchte erst nach drei bis vier Jahren geleistet zu werden —, hat die Exekutive diesen geringen Ankäufen widersprochen. Hiermit hängt eng die Forderung der Erhaltung des Nachwuchses der Arbeiterschaft durch den Hechaluz und seine Institutionen zusammen. Wenden wir uns nunmehr von den Fragen Palästinas zu den übrigen Fragen der zionistischen Bewegung, die auf dem XVI. Kongreß eine Bolle spielen werden. Im Vordergrund steht hier das Problem der Erweiterung der Jewish Agency. Für die Poale Zion ist die Erweiterung der Jewish Agency trotz ihrer Mängel und trotz unserer Zweifel an ihr ein Mittel zur Verbreitung der Aufbaubasis und zur Ausgestaltung einer jüdischen demokratischen Volksvertretung für den Aufbau Palästinas. Die Agency darf nicht nur eine Vermehrung des bürgerlichen, arbeiterfeindlichen Elementes innerhalb der Leitung unseres Werkes sein. Sie erfüllt ihre Aufgabe im Gesamtzusammenhange der zionistischen Bewegung nur dann, wenn sie den Vorstoß des Paläslinagedankens in die bisher von ihm nicht berührte jüdische Welt darstellt. Der Vorstoß wird nur dann bedeutungsvoll, auch in moralischer Hinsicht, wenn es durch ihn gelingt, breite Massen zu erfassen. Daher ist der demokratische Aufbau der Agency, die Abwendung von einem System der Bepräsentation durch jüdische Notahein, unerläßliche Voraussetzung für die Verwirklichung der Agency. Die Sitzung des Aktionskomitees im Juni vorigen Jahres in Berlin hat die außerordentlichen Gefahren, die dem jüdischen nationalen Werke durch die Agency drohen, klar aufgezeigt, sie hat aber darüber hinaus uns die unzerstörbare Gewißheit gegeben, daß, wenn nur die zionistische Bewegung nicht bereit ist, ihre sozialen Errungenschaften aufzugehen, der nichtzionistische Partner diese Aufgabe nicht von uns verlangt. Diese Stellung wird erleichtert werden, wenn auch sozialistische Kräfte in nennenswerter Anzahl in die erweiterte Agency eintreten werden. Ein letztes Wort ist noch zu der Frage der Beteiligung der Poale Zion an einer künftigen Exekutive zu sagen. Die Meinungen hierüber waren bisher innerhalb der Partei geteilt, eine Teilnahme an den Geschäften der Exekutive war aber bis zum letzten Kongreß de facto gegeben. Wir sind der Meinung, daß "diese Teilnahme unter voller Verantwortlichkeit auch jetzt erreicht wird und erzwungen werden muß. Das Problem der Koalition steht für uns in Palästina unter einem anderen Gesichtspunkt als in den Ländern Europas. Bis jetzt ist die charakteristische Erscheinung des palästinensischen Lehens diejenige, die dem Zionismus den wirklichen Träger gegeben hat, die palästinensische Arbeiterschaft. Palästina ist heute viel stärker ein Arbeiterkind als die meisten Länder der Welt. Die Ausstrahlung Palästinas auf die Welt, die Welle von Sympathie, die von der Well auf Palästina einströmt, alles das sind Früchte und Ergebnisse des sozialistischen und nationalen Neubeginnens der Arbeiterschaft. Es geht nicht an, daß die nominelle Verantwortung für das Schicksal auch dieser Arbeiterschaft bei einer Exekutive liegt, der Arbeiter nicht angehören. Die palästinensische Arbeiterschaft ist zwar sicher, daß gegen ihren Willen Entscheidendes nicht unternommen werden kann, sie wünscht positiven Einfluß auf die Gestaltung des Aufbaus. Dabei sind die Anerkennung der Histadruth Haowdim als der organisierten Trägerin des Arbeiterwerkes, die Förderung nur organisierter SCHOKOLADE-PRALINEN^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.