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Das jüdische Echo · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. Seite 390

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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' Das Jädische Echo Nr. 25 m Vor den Wahlen zum XVI. Zionistenkongreß Die Wahlen zum XVI. Zionistenkongreß finden in Deutschland am Sonntag, dem 23. und Montag, dem 24. Juni statt. Um unsere Leser möglichst unparteiisch zu informieren, veröffentlichen wir die Programme und Wahlvorschläge sämtlicher Parteien. Das Programm des deutschen Misrachi Alle zionistischen Fragen betrachtet der Misrachi von der Warte des Gesetzes aus, das ihm Richtlinie für das gesamte jüdische Leben ist. Es gibt für ihn keine politische Konstellation, die ihm die Verdrängung von Thorath Israel aus der ersten Linie jüdischer Interessen möglich oder gar erstrebenswert erscheinen ließe. Alle Erwägungen müssen der Fragestellung unterworfen werden: wie wirkt sich jede Lebenserscheinung auf die Durchsetzung und Anerkennung der Prinzipien unseres Gesetzes aus, wie stellen wir die ideale Harmonie her zwischen den realen Forderungen des modernen Lebens in Erez Israel und den geistigen Forderungen der jüdischen Tradition und erneuern dadurch den volljüdischen Lebens typ. Von dieser Voraussetzung ausgehend, nehmen wir Stellung zu den Fragen des 16. Zionistenkongresses: 1. Das Zustandekommen der erweiterten Jewish Agency auf Grund der von Dr. Weizmann geführten Verhandlungen wird von uns unterstützt. Wir betrachten eine wesentlich vergrößerte Plattform für die aktive Beteiligung der Judenheit am Aufbau von Erez-Israel nicht nur deshalb als dringend erforderlich, weil sie materielle Mittel für die Weiterführung der Arbeit bereitstellen kann, sondern erwarten von der Mitwirkung weiterer Kreise auch eine fortschreitende Annäherung der nichtzionistischen Judenheit an die Gedankenwelt der jüdischen Renaissance und erhoffen, daß das gesamte Palästinawerk um so mehr im Sinne der jüdischen Tradition beeinflußt wird, je größer der Kreis ist, der an den Arbeiten der Agency sich beteiligt. Bei der Festlegung der organisatorischen Grundlagen für die Agency wollen wir solche Bedingungen durchsetzen, die den nationalen Charakter des Aufbaues sicherstellen, was die Sicherung des gestaltenden Einflusses der jüdischen Überlieferung auf das öffentliche Leben des Landes einschließt. 2. Das Schulwerk des Misrachi in Erez-Israel ist eines der stärksten Aktiven des Misrachi. Wir werden dafür eintreten, daß die seit acht Jahren bestehende Autonomie dieses Schulwerkes, die uns dafür bürgt, daß es keinen seiner religiös-nationalen Grundtendenz widerstreitenden Einflüssen ausgesetzt wird, in vollem Umfange erhalten bleibt. Das Erziehungswerk des Misrachi in Erez-Israel ist für uns die Basis, die ein organisches Gedeihen des dem Judentum seit jeher eigentümlichen Geistes allein ermöglicht und so dessen gestaltenden Einfluß auf das gesamte jüdische Leben wirksam erhält und weiter steigert. Dieser Einfluß wird sich nicht nur auf das theoretische Gebiet der Lehre erstrecken, sondern auch das jüdische Recht zur Grundlage des bürgerlichen Lebens in Erez-Israel machen. Durch die Anerkennung dieser unserer Grundforderung für Erez-Israel durch den Zionistenkongreß hoffen wir auch, die dringend erforderliche Kulturarbeit in der Golah in unserem Sinne beeinflussen und fördern zu können. 3. In Anerkennung der aus dem Aufbauwerk nicht hinwegzudenkenden Großleistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, ohne Unterschied der religiösen und kulturellen Einstellung der Arbeiter, sehen wir die intensivste Förderung der im Brith Olamith schel Zeire-, Hechaluz-we-Hapoel-Hamisrachi organisierten Arbeiterschaft als unbedingtes Erfordernis ersprießlicher Tätigkeit in Erez-Israel an. Der vom Poel Hamisrachi geschaffene Arbeitertvp stellt das Ideal des jüdischen Arbeiters dar; wir werden alles unterstützen, was dahin abzielt, seiner in den letzten Jahren trotz vielfacher Hemmungen stark angewachsenen Arbeiterschaft volle Anerkennung zu verschaffen und für sie Gleichstellung mit der allgemein zionistischen in bezug auf Ansiedlung und auf Gewährung von ausreichenden Budgetan lei len zu erlangen. 4. Die besondere Problemlage der Zionistischen Organisation nach der endgültigen Bildung der erweiterten Agency erheischt gebieterisch die Bildung einer zionistischen Exekutive, die ein Spiegelbild des Kräfteverhältnisses der im Zionismus vereinigten Richtungen bietet. Durch Beteiligung an der Exekutive soll zum Ausdruck kommen, daß die Parteien loyal mit allen Kräften an den gemeinsamen Aufgaben mitwirken wollen. Die Bildung einer solchen Exekutive wird der Welt den festen Entschluß der Zionistischen Organisation bekunden, allen in ihr vertretenen Richtungen gerecht zu werden. Wahlvorschlag Nr. 1 Misrachi und Zeire Misrachi (angeschlossen der Weltwahlliste des Misrachi) Wahlkreis II: Rabbiner Dr, .1. Hoffmann. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Erich Michaelis, Hamburg. Lazarus Barth, Berlin. Isidor Werczberger, Leipzig. Benno Kohn, Frankfurt a. M. Reichswahlliste : Seminardozent Dr. Israel Rabin, Breslau. Alexander Adler, Berlin. Poale Zion und J.J.W.B. Die ungleiche Verteilung der Steuerlasten zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung muß aufhören. Die Verteilung der Staatsländereien, soweit sie noch zur Verfügung der Palästinaregierung stehen, muß entsprechend den Bestimmungen des Mandats durchgeführt werden. Der Anteil jüdischer Arbeit an den Regierungsarbeilen, insbesondere aber am Hafen- und Straßenbau, ist zu sichern. Es darf nicht zugegeben werden, daß die Palästinaregierung jüdische Arbeiter deshalb von der Hafenarbeit ausschließt, weil sie ihnen nur Löhne zahlen will, die wohl dem Lebensstandard des arabischen Arbeiters, nicht aber dem des jüdischen Arbeiters, selbst bei größter Einschränkung, entsprechen. Die Regierungsarbeiten dienen heute als ein Mittel zur Ausbeutung der billigen unorganisierten Fellachenarbeit, sie dienen als Druckmittel auf die jüdische Arbeiterschaft zur Herabsetzung ihres Lebensniveaus. Die Regierungsarbeiten werden nach einer Methode vergeben, die denjenigen Unternehmer begünstigt, der seine Arbeit auf der Ausbeutung von Frauen- und Kinderarbeit begründet. Palästina ist auch heute noch ein Land fast ohne jeden sozialpolitischen Schutz. Regierungsarbeit soll nicht zur Herabdrückung des Lebensniveaus führen, sie soll vielmehr ein Mittel zur Hebung der Lebenshaltung auch der Arabermassen sein. Auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Kolonisation verlangen wir in erster Linie eine wirkliche Konsolidierung der Siedlungen, den Ausbau der Arbeitersiedlungen, die Schaffung eines Zentrums der Arbeiterwirtschaft im nördlichen Jordantale, im

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