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Das jüdische Echo · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. Seite 381

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
Seite 381 (sequence 22)
Language
German
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Nr. 24 381 Das Jüdische Echo Jerusalem stattgefundenen Pressekonferenz teilte Dr. Harry Sacher, Mitglied der Zionistischen Exekutive, mit, daß sich die Finanzschuld der palästinensischen Zionistischen Exekutive seit Oktober 1927 von 400 000 Pfund auf 260 000 Pfund, also um 140 000 Pfund vermindert habe. Außerdem hat die Exekutive alle rückständigen Gehälter an die Lehrer der zionistischen Schulen und an die zionistischen Beamten ausgezahlt. Dieses Resultat konnte durch Sparsamkeit in der Verwaltung und in den Ausgaben erzielt werden. Von der Reduktion wurde hauptsächlich das Kolonisationsbudget betroffen; auf diesem Felde wurde vor allem Konsolidierungsarbeit geleistet. Die bestehenden Siedlungen wurden gefördert. Gleichzeitig wurde das dringende Problem der Unterbringung von 8000 Arbeitslosen, die es bei der Einsetzung der jetzigen Exekutive gegeben hatte, einer günstigen Lösung zugeführt. Nach Schätzung der gegenwärtigen Exekutive erfordert die Konsolidierung der bestehenden Kolonien nicht, wie früher angenommen, 547 000 Pfund, sondern nur 275 000 Pfund. Die Ersparnisse behindern nicht die wirtschaftliche Aktivität der Kolonisten. Das nächste Jahresbudget, fuhr Herr Sacher fort, wird 750 000 Pfund betragen; dabei werden sich aber nicht genügend Mittel für die Konsolidierungsarbeit erübrigen lassen. Man hofft aber, daß es im übernächsten Jahre möglich werden wird, nicht allein die Konsolidierung der bestehenden Kolonien zu vollenden, sondern auch neue Kolonien zu begründen. Das letztere hängt von der Schaffung einer Bodenreserve ab, die das dringendste Problem ist, dem die vom nächsten Kongreß zu wählende Exekutive gegenüberstehen wird. Vier Millionen Pfund Keren - Hajessod - Eingänge seit 1920 Herr Leib Jaffe, Direktor des Keren Hajessod, teilte den Pressevertretern mit, daß seit 1920 für den Keren Hajessod vier Millionen Pfund eingegangen sind. Keren Hajessod ist und bleibt das Hauptfinanzinstrument für Palästinaeinwanderung, Kolonisation, städtische Entwicklung, Unterricht und Gesundheitsarbeit. Die Mitarbeiter des Keren Hajessod glauben an die unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeit dieses Fonds. Wir müssen, schloß Jaffe, den Weg finden zu allen jüdischen Elementen, zu Gemeinde, Familie, Synagoge, Schule und öffentliche Institution. Warnen müsse man vor einer Häufung der Pro-Palästina-Aktionen zionistischer Parteien außerhalb des Rahmens des Keren Hajessod. Jüdische Beschwerde gegen den Jerusalemer Polizeiinspektor Duff Jerusalem, 3. Juni. (JTA.) Dr. Thon im Namen der Waad Leumi und Joseph Meyuchas im Namen der Jerusalemer jüdischen Gemeinde reichten beim Polizeikommandanten von Jerusalem eine formelle Beschwerde gegen den Polizeiinspektor Duff ein, der am Lag-b’Omar-Tag (Dienstag, den 28. Mai) gegen die Teilnehmer an den friedlichen Festzügen der jüdischen Jugend außerordentlich brutal vorgegangen ist. Der Polizeikommandant versprach, die gegen Duff ausgesprochenen Beschuldigungen einer genauen Prüfung zu unterziehen und das Entsprechende zu veranlassen. — Duff war auch derjenige Polizeioffizier, der während des Zwischenfalles an der Klagemauer am letzten Versöhnungstage, wobei jüdische Andächtige von den Polizisten außergewöhnlich brutal behandelt wurden, die Polizeiaktionen leitete. Feuilleton Die Herrlichkeit der Lehre Aus dem Leben des Levi Onkelos Eine Talmud-Legende von Alexander Kajiz Nach seinem Übertritt zum Judentum vertiefte sich Levi Onkelos in die Lehre und übertrug bald darauf die Heilige Schrift in die aramäische Sprache Heimlich ging er dem Sinn der Thora nach und verschwieg eine Zeitlang seiner Familie seinen Übertritt zum Judentum. Eines Tages erfuhr der Kaiser aus dem Munde eines seiner Getreuen, daß Onkelos, der Sohn Kalominos und sein Schwestersohn, Proselyt geworden war, und er sandte einen Trupp Soldaten, um ihn zu rufen. Als die Boten bei Onkelos erschienen waren, bewillkommnete er sie und hieß sie setzen. Onkelos unterhielt sich mit ihnen und spann sie ein Gespräch über die Gesetze der Lehre ein; deutete ihnen verschiedene Schriftverse, sprach ihnen von dem Lohn, der der Gesetzestreuen und Gottesfiirchtigen im Jenseits harre. So zog er sie allmählich an sich, bis sie ihm folgten und gleichfalls zum Judentum übertraten. Als Titus, der Kaiser, dies vernahm, wallte in ihm Empörung auf. Er sandte sofort andere Soldaten zu Onkelos und befahl ihnen, daß sie sich mit ihm in Gespräche nicht einlassen sollten. Bei Onkelos angelangt, sprachen sie zu ihm barsch und bündig: „Wir sind des Kaisers Abgesandte, komm mit uns!“ „Ich komme,“ gab Onkelos zurück. Nun er mit ihnen ging, begannen die letzten Schimmer des Tages zu verlöschen. Alles ringsum barg sich in Dunkelheit. Stumm schritten sie dahin, ohne einen Laut von sich zu geben. Plötzlich begann Onkelos: „Hört ihr?“ „Was denn?“ riefen die Boten. „Ich will nur etwas Geringes sagen.“ „Was willst du uns sagen?“ „In der Welt ist es Brauch, daß der Knecht das Feuer im Dunkel vor dem König trägt, um ihm den Weg zu beleuchten. Oder trägt nun der König die Fackel vor dem Knecht?“ „Freilich,“ erwiderten die Soldaten, „trägt der Knecht die Fackel vor dem König.“ „Doch nicht so verfährt der Herr mit Israel,“ sprach Onkelos. „Von ihm sagt die Schrift: Er zog vor ihnen her des Tages in einer Wolkensäule, daß er sie den rechten Weg führte und des Nachts in einer Feuersäule, daß er ihnen leuchtete.“ Mit Schriftversen und weisen Sprüchen aus der Lehre sprach Onkelos weiter und die Soldaten horchten seiner Rede. Seine Worte hatten sie berührt und bald hatte er ihre Herzen in seiner Rede endloser Maschen gefangen — und auch sie wurden Proselyten. Der Kaiser ließ nicht nach und sandte andere Soldaten zu Levi Onkelos und gab ihnen strengen Befehl, mit Onkelos kein Wort zu sprechen; auch kein Wort aus dem Munde Onkelos durften sie hören, und wenn er sprechen sollte, mußten sie sich die Ohren zuhalten.

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