Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- Seite 382 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Das Jüdische Echo Nr. 24 Als sie bei ihm erschienen waren und ihm den Befehl des Kaisers mitteilten, schickte sich Qnkelos an, mit ihnen zu gehen. Doch blieb er an der Türe stehen und küßte den heiligen Namen am Türpfosten. Die Soldaten blieben gleichfalls an der Türe stehen und ihre Blicke begegneten einander verwundernd. „Was ist denn das?“ fragten sie Onkelos. „Das ist eine M-esuse,“ erwiderte Onkelos. „Was ist eine Mesuse?“ Da sprach Onkelos: „In der Welt ist es Brauch, daß der König sich in den innersten Gemächern auf hält und die Diener draußen an der Türe Wache halten, um den König zu schützen. Anders verfährt der Heilige, gebenedeit sei er, mit seinen Dienern: er läßt sie drinnen weilen und er selber steht draußen und wacht vor dem Eingang zum Hause. Denn so heißt es in der Schrift: Der Herr wird Deinen Ausgang und Eingang behüten von nun bis in die Ewigkeit.“ Als die Soldaten diese Worte vernommen hatten, warfen sie die Waffen nieder und baten Onkelos, er möchte sic in der Lehre unterweisen. Levi Onkelos versprach ihnen, sie in die Schrift einzuführen — und sofort bekehrten sich die Boten zum Judentum. Von nun an schickte Titus keine Boten mehr zu Levi Onkelos. Gemeindenu. Vereins-Echo Die Wohlfahrtsarbeit der Kultusgemeinde Die Wohlfahrtsarbeit kann heute aus der Gesamtarbeit der Israelitischen Kultusgemeinde München nicht mehr fortgedacht werden, obwohl noch vor wenigen Jahren ihre Notwendigkeit, besonders von liberaler Seite, auf das lebhafteste bestritten wurde. Das erwies sich, wenn es überhaupt noch irgend jemand zweifelhaft war, erneut auf der Sitzung des Vorstands, der Gemeindevertretung und des sozialen Ausschusses vom 6. Juni, die ganz der Beratung der gemeindlichen Wohlfahrtstätigkeit gewidmet war, eine Sitzung, die zwar vor der Beschlußfassung über den Etat hätte stattfinden sollen, die aber deshalb nicht minder aufschlußreich und interessant war. Zunächst erstattete Frl. D r. E m m y Strauß, die Leiterin des Wohlfahrtsamts, ein sehr instruktives Referat über die Grundprinzipien der jüdischen Wohlfahrtspflege im allgemeinen und über die der Münchener im besonderen. Darauf behandelte Herr Justizrat Dr. Elias Straus die Organisation der gesamten gemeindlichen Wohlfahrtspflege, von der das Wohlfahrtsamt ja nur ein Teil, wenn auch der größte,, ist. Er gab alle sachlichen und persönlichen Veränderungen bekannt, die sich im Verlauf des letzten Jahres ergeben haben und gab dann einige Erläuterungen zum Etat, der für das Wohlfahrtsamt allein 1929 RM. 94 500.— in Ausgaben und Einnahmen vorsieht. Die Rechnung für das Jahr 1928 schließt mit etwa RM. 109 000,— Ausgaben und etwa RM. 107 000.— Einnahmen ab; man sieht, daß für das neue Jahr einige Einsparungen versucht sind, wenn es auch nicht wahrscheinlich ist, daß man mit dem Etat, wie Herr Justizrat Dr. Straus erklärte, gerade in diesem Notjahr auskommen wird. Weiterhin ging der Referent dann auf die verschiedenen von der Gemeinde, zum Teil in gemeinschaftlicher Arbeit mit Organisationen der freien Wohlfahrtspflege erhaltenen oder unterstützten Anstalten und Institutionen, ein. Herr Kommerzienrat Dr. Wassermann, der zwar nicht umhin konnte, die geleistete Arbeit anzuerkennen und den Wandel der liberalen Anschauungen auf diesem Gebiete, der sich ja in der Bewilligung des Etats dokumentiere, festzustellen, konnte es sich doch auch nicht versagen, größere Sparsamkeit zu verlangen. Auch meinte er. daß man versuchen müsse, die Einnahmen des Wohlfahrtsamtes, soweit sie nicht von der Gemeinde stammen, zu vergrößern; man müsse vom Kreistag für Oberbayern Subventionen auch für jüdische Anstalten erlangen; im besonderen müsse es aber möglich sein, vom Gesamtausschuß der Ostjuden mehr als monatlich RM. 200.— zu erhalten. Herr Wechsler gab eine bemerkenswerte Anregung, wie man durch Jahrzeitspenden größere Summen für Wohlfahrtszwecke flüssig machen könne. Herrn Horn entgegnete auf die Ausführungen Wassermanns. Er zeigte, daß die leistungsfähigen Ostjuden in ganz anderer Weise durch kulturelle und Wohlfahrtszwecke belastet seien, als man dies aus den von Wassermann genannten Ziffern ersehen könne; eine weitere Heranziehung dieser Kreise könne daher nicht verlangt werden und sie sei auch unmöglich. In seinem Schlußwort ging Herr Justizrat Dr. Straus auf die verschiedenen Anregungen ein; er betonte dabei mit besonderem Nachdruck, daß die Wohlfahrtsarbeit nicht schematisch nach finanziellen Gesichtspunkten geführt werden könne; obwohl sie im allgemeinen so wirtschaftlich wie möglich zu verfahren strebe, sei es in jedem Einzelfall ihre Aufgabe, unter allen Umständen zu helfen und nur diese Haltung ermögliche es den in der Wohlfahrtsarbeit stehenden Beamten wie freiwilligen Kräften, ihre schwere und entsagungsreiche Tätigkeit auf die Dauer auszuüben. Wochenprogramm des VJSt. Jordania im KJV. Montag, 17. Juni, 20 Uhr: Fuxenkursus. Dienstag, 18. Juni,20.30 Uhr: Vortrag Bileski, Kunstgewerbehaus off. Donnerstag, 20. Juni. 20 Uhr: Fuxenkursus. 21 Uhr: Konvent, anschließend BC. Freitag, 21. Juni: wird noch bekanntgegeben. Sonnabend,. 22. Juni, 16 Uhr: inoff. Sport. Bar-Kochba, München. Zu dem morgen, vorm. 10 Uhr, stattfindenden Großstaffellauf „Grünwald- München“ treten wir mit 2 Herren- und 2 Jugendmannschaften an. Wir bitten sämtliche zur Staffel aufgestellten Läufer pünktlich halb 9 Uhr vorm, im Lessingsaal sich einzufinden. Die Mannschaft der Fußballjugend trägt schwarze Hose und blaues Trikot, während die erste Jugendmannschaft und die Herrenmannschaften mit weißer Hose (mit hellblauem Band umrandet) und weißem, ärmellosem Trikot mit Mögen Dovid auf der Brust läuft. Ebenso haben sich die Herren Ottta Kornhauser, Isy Nußbaum, Bernh. Orljansky und Willi Felsen, welche als Jugendobmänner aufgestellt sind, zur oben angegebenen Zeit im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße, einzufinden. — Interessenten können die Staffel in der Prinzregentenstraße verfolgen, Ziel aller ankommenden Vereine ist am Friedensengel. Den Abschluß des Staffellaufes bildet der große Propagandalauf, der durch die Prinzregentenstraße zum Friedensdenkmal führt. Wie wir von der Geschäftsstelle des, Leichtathletik- und Fußball-Verbandes erfahren, steht für den abgesperrten Raum am Ziel eine kleine Anzahl von Karten noch zur Verfügung, welche