Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- Seite 379 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 379 demokratischen Partei, die offensichtlich hinter der Studentenaktion steht und den Polizeibehörden entwickelt. Ebenso wie die Rechtsparteien die deutschfeindlichen Kundgebungen, die nach Oppeln in Polen einsetzten, unter ihre Fittiche genommen hatten, um sie politisch auszubeuten, so greifen sie jetzt das, wie man leider feststellen muß, in Polen immer noch populäre Schlagwort „Haut die Juden!“ auf, um ihren Einfluß auf die Masse zu heben und gleichzeitig der Regierung, für welche die judenfeindlichen Ausschreitungen gerade in einem Augenblick, da die Minderheitenfrage vor internationalem Forum geprüft wird, ganz besonders peinlich sein müssen, Schwierigkeiten zu bereiten. Die Regierung tut denn auch alles, um den Studentenstreik zu brechen, der in Lemberg mit brutaler Gewalt durchgeführt wird. So sind beispielsweise mehrere jüdische und auch ukrainische Studenten, die in die Hochschulen zu den für ihre Examina festgesetzten Terminen gehen wollten, von den Streikposten in unmenschlicher Weise verprügelt und und mit Füßen getreten worden, so daß sie in schwerem Zustande in ein Hospital eingeliefert werden mußten. Die Polizei ist den Studenten jedoch auf den Fersen und läßt es zu keinerlei Versammlungen und Demonstrationszügen kommen. Hierbei haben zwischen Studenten und Polizei förmliche Schlachten stattgefunden; eine solche hat sogar über zwei Stunden angedauert und über fünfzig Verwundete auf beiden Seiten gefordert, da die Polizei blank gezogen hatte, während die Studenten sich durch Steinwürfe und Messerstiche wehrten. Die jüdische Minderheit Lembergs muß mit Bedauern feststellen, daß die Polizei jetzt, da die Demonstrationen der Studenten nicht mehr mit einem Judenpogrom verbunden sind, sondern sich gegen die Behörden richten, mit besonderer Energie durchgreift, während sie am Montag und Dienstag, als die Sicherheit und das Eigentum der jüdischen Bevölkerung zu Schaden kam, jüdische Passanten verprügelt, jüdische Einrichtungen demoliert, jüdische Geschäfte geplündert wurden, stets zu spät erschien und der verantwortliche Beamte auf die Hilferufe der jüdischen Gemeinde damals seine Unkompetenz erklärte. Die Lemberger Studenten haben beschlossen, den Streik so lange fortzusetzen, bis der Lemberger Bezirkshauptmann, der eine Studentendelegation nicht empfing und die Judenverfolgungen als Lümmelei brandmarkte, den Abschied erhalten würde und die verhafteten Studenten freigelassen würden. Inzwischen sind aber bei den letzten Zusammenjüdisches Landheim e. V. Wir laden hiermit gemäß § 7 unserer Satzung unsere Mitglieder zu der Mittwoch, den 26. Juni 1929 abends 8V2 Uhr, im Bibliotheksaal der Kultusgemeinde, Herzog-Max-Straße 7/II, in München stattfindenden ordentl. Mitgliederversammlung! Tagesordnung: 1. Entgegennahme des Berichts des Vorstandes und des Kassiers. 2. Erteilung der Entlastung. 3. Abschluß eines Vertrages zwischen Landheim u. Kultusgemeinde zum Zwecke der Aufnahme eines Darlehens. 4. Änderung des § 9 der Satzung. München-Wolfratshausen, 10. Juni 1929. Die Vorstandschaft Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST Stößen mit der Polizei weitere Studenten verhaftet worden, und der Innenminister Skladkowski, der zur Prüfung der Lage eiligst nach Lemberg geflogen ist, hat erklärt, die Regierung werde vor einem Terror der Studenten nicht weichen, sondern weitere Ausschreitungen mit allen Mitteln bekämpfen. Die Streikbewegung der Studenten droht auch auf die übrigen polnischen Hochschulen überzugreifen. So wurde in einer heutigen Versammlung der Warschauer Studenten beschlossen, sich mit ihren politischen Forderungen der Absetzung des Bezirkshauptmanns und der Freilassung der Studenten zu solidarisieren. Die Möglichkeit eines akademischen Generalstreiks in Polen ist somit nicht ausgeschlossen. Verhöhnung des Judentums und Mißhandlung jüdischer Studenten an der Wiener Universität Wien, 3. Juni. (JTA.) Wiederum war die Universität Wien der Schauplatz wrüster antisemitischer Ausschreitungen gegen jüdische Studenten. Unter den Rufen „Juden raus!“, „Hoch das Germanentum!“, „Juda verrecke!“, zogen antisemitische Studentengruppen durch die Korridore der Universität. Wo jüdische Studenten angetroffen wurden, wmrden sie geschlagen, an die Ausgänge gezerrt und gew-altsam auf die Straße befördert. Anlaß zu diesem Wutausbruch der antisemitischen Studentenschaft war eine Eingabe der jüdischen Studentenschaft an das Rektorat, in welcher dagegen Beschwerde geführt wurde, daß der nationalistische sogenannte „Kulturverein“ vor seinem Büro im Universitätsgebäude eine Tafel mit Bildern „niederer Rassen“ anbrachte, auf welcher der Ostjude neben dem Neger figurierte. Das Rektorat hatte auf diese Beschwerde hin die Entfernung der Tafel veranlaßt. Während der Tumulte erlitten drei jüdische Studenten ernstliche Verletzungen. Die Angreifer gehören meist der akademischen Abteilung der Wiener Heimwehrformationen an. Am Nachmittag des gleichen Tages versuchten nationalistische Studenten gemeinsam mit anderen nationalsozialistischen Row^dies verschiedene Kaffeehäuser zu stürmen, in denen jüdische Studenten verkehren. Zu einem starken Zusammenstoß kam es im Cafe Josephinum im neunten Bezirk. Die Wiener Presse fordert mit Rücksicht auf die eben begonnene Fremdemvoche durchgreifende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Der Seniorenkonvent der nationalen jüdischen Studentenverbindungen hat dem Rektor der Universität, Professor Innitzer, ein Memorandum überreicht, in welchem Abhilfe gegen die Belästigung jüdischer Studenten auf dem Boden der Universität gefordert wrird. Das Rektorat gab die Versicherung ab, es werde dafür gesorgt werden, daß in Zukunft Ruhestörungen nicht Vorkommen. Gegen die Schuldigen an den jüngsten Vorfällen wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden, übrigens, so wrurde versichert, haben sich bloß kleinere Gruppen zu je einem Dutzend Studenten an den antisemitischen Ausschreitungen beteiligt.