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Das jüdische Echo · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. Seite 376

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
Seite 376 (sequence 8)
Language
German
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376 Das Jüdische Echo Nr. 24 Lord Cecil in seiner Doppeleigenschaft als Apostel der Völkerbunds-Idee und als Präsident der „Palestine Mandate Society“ in England. Namens der Zionistischen Organisation richtete Kurt Blumenfeld Begrüßungsworte an den Gast. Er führte ungefähr aus: Wir Zionisten stehen in einem schweren Kampfe; wir arbeiten für eine Sache, die umstritten ist, und eine solche Sache braucht Freunde. Vielleicht kann man den Charakter einse Werkes am besten erkennen, wenn man sich die Freunde ansieht, die zu ihm stehen. Wir Zionisten haben überall in der Welt Freunde gefunden gerade unter den Menschen, die für Völkerversöhnung und Frieden eintreten und die verstehen, daß die Produktivierung des jüdischen Volkes in seinem Lande ein Werk des Friedens ist. Im weiteren Verlauf seiner Rede erinnert Blumenfeld an die große Massenversammlung, die im Juli 1920 in Albert Hall in London stattfand und in der auch Cecil sprach. Diese Reden werden nicht veralten, denn sie enthalten das Versprechen, einem neuen Leben, das sich zu bilden beginnt, beizustehen. Es gab damals auch englische Juden, die von der Sache nichts wissen wollten. Einen davon traf ich, und er war ganz erschüttert. Ich fragte ihn, warum er so erschüttert sei, und er sagte: Heute habe ich zum erstenmal gefühlt, was wahre Gleichberechtigung bedeutet, in einer Welt, die sich mißversteht, die nichts kennt als Sieger und Besiegte. Wir aber vertrauen, daß es auch eine Welt des Verständnisses gibt, und wir sehen in Lord Cecil ein Symbol der wahren Gleichberechtigung aller Völker, und darum ist er auch ein Vorkämpfer des Völkerbundes und des Jüdischen Nationalheims. Es gibt nur eine Form des Dankes, nämlich durch echte und wirkliche Leistung und Vermehrung des Werkes, und ich hoffe, daß wir diesen Dank jedes Jahr unseren Freunden werden abstatten können. Col. Kisch betont, er wolle nur einen Aspekt des Zionismus hier kurz berühren, über den auch Lord Cecil kürzlich in London in der Palestine Mandate Society gesprochen hat: die Völker- und menschenverbindende Kraft des Zionismus. Wir Zionisten glauben, daß das Jüdische Nationalheim berufen ist, eine große Rolle zu spielen in der Völkerverständigung. Wir Juden kommen nach Palästina aus der ganzen Welt, wir kennen die guten und schlechten Seiten der Zivilisation aller Völker, und wir wollen in Palästina etwas Neues aufbauen, aus dem Besten, das wir überall gelernt haben und gemäß den großen traditionellen Ideen des Judentums, die nur in Palästina ihren wahren. Ausdruck finden können. So sehr auch die einzelnen Juden in den Staaten, denen anzugehören sie stolz sind, am allgemeinen Kulturleben aktiv teilnehmen, so glauben wir doch, daß wir auch als Volk der Welt noch etwas zu geben haben, das charakteristisch jüdisch ist. Wir glauben daher, daß B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 wir durch unsere jüdische Arbeit, die schon durch ihre Unterstellung unter den Völkerbund im Zusammenhang steht, mit einer anderen Konzeption internationaler Zusammenarbeit, nicht nur den Juden helfen, sondern auch etwas zur kulturellen Bereicherung der Welt beitragen werden. Lord Robert Cecil dankt zunächst den Vorrednern für ihre Begrüßungsworte und fährt fort: „Ich freue mich sehr, durch meine Anwesenheit hier zum Ausdruck zu bringen, daß ich ein überzeugter Förderer des Zionismus bin. Einer der Redner hat hier angespielt auf die große Versammlung in Albert Hall im Jahre 1920. Manche von Ihnen kennen vielleicht diesen Riesensaal, derf mehr als 10 000 Menschen faßt. Ich habe an vielen Versammlungen verschiedenster Art in Albert Hall teilgenommen, aber keine von all diesen war irgendwie zu vergleichen mit jener großen zionistischen Kundgebung. Die Begeisterung, die damals den überfüllten Saal erfüllte, war ganz anderer Art als alles, was ich an dieser Stätte — oder auch sonst irgendwo in der, Welt — jemals gesehen habe. Das war für mich der Beweis für das, was ich schon früher gewußt hatte, nämlich für die ungeheure innere Kraft des Zionismus und für die großen Hoffnungen, die er für das jüdische Volk — oder wenigstens große Teile dieses Volkes — bedeutet. Mein erstes Zusammentreffen mit dem Zionismus war an einem Nachmittag, als ich während des Krieges im Auswärtigen Amt tätig war. Man ersuchte mich, Dr. Weizmann zu empfangen, von dem ich zwar gehört hatte, den ich aber noch nicht kannte. Ich werde nie den tiefen Eindruck vergessen, den Dr. Weizmann damals auf mich machte, durch seine ganze Persönlichkeit und durch seine einfachen und doch so überzeugenden Worte. Ich kann aufrichtig sagen: Niemals im Leben hatte ich ein Gespräch, das so unmittelbar auf mich wirkte. Ich erinnere mich an ein Wort von ihm, das mir stets im Gedächtnis geblieben ist als einer der Aspekte des Zionismus, obwohl ich natürlich weiß, daß dies eben nur ein. einzelner Gesichtspunkt ist und nicht die Hauptsache. Dr. Weizmann sagte mir: Wie die Dinge heute liegen, hat ein Jude immer sich selbst zu erklären, er hat als französischer, englischer, deutscher usw. Jude immer sein Judentum zu erklären; aber wenn ' man ein Jüdisches Nationalheim hat, wenn es ein Land gibt, wo Juden als Juden leben, dann würden . die Juden der Welt begreiflich sein, ohne daß man etwas erklärt, so wie es bei anderen Völkern ist, die in ihrem natürlichen Leben sich der Welt darbieten, so daß man ihre Existenz auch dann versteht, wenn ihre Angehörigen in anderen Ländern leben und sogar dort Staatsbürger sind. Diese Bemerkung Dr. Weizmanns hat mir die Situation mit einem Schlage erhellt und einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Nun möchte ich noch auf eine andere Seite der Sache zu sprechen kommen, die mir besonders naheliegt. Man hatte während des Krieges die Errichtung der jüdischen Nationalen Heimstätte ins Auge gefaßt, aber man wußte noch nicht, in welcher Weise sie verwirklicht, werden soll. Als nun der Augenblick der praktischen Durchführung nahte, da gab es viele Diskussionen, wie die politische Gestaltung Palästinas sein soll. Es gab Vorschläge, Palästina amerikanisch zu machen oder französisch, od£r englisch, oder aber es einem internationalen Kondominium zu unterstellen, aber jeder der Vorschläge stieß auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Da kam die Idee des Völkerbundes, und man erkannte, daß sich hier eine Lösung darbot, die ganz anderer Art ist als alle die früher erwähnten Vorschläge, Fernruf Nr. 90939

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