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Das jüdische Echo · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. Seite 373

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
Seite 373 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 373 die Geltung dieser Judengesetze erschüttert. In den Gemeinden Berlin, Halle, Breslau, Königsberg, Stettin, Bielefeld, Wiesbaden, Frankfurt a. M. haben die Frauen aktives und passives Wahlrecht mit Genehmigung der Behörden erhalten. In Erfurt haben die Frauen nur das aktive Wahlrecht. In neuerer Zeit genehmigt das Kultusministerium Salzungen, die das Frauenwahlrecht enthalten, nicht. Es liegen diesbezügliche Anträge von den Gemeinden Düsseldorf, Köln, Aachen, Elberfeld, Beuthen und Gleiwitz vor. Das in Vorbereitung befindliche neue Judengesetz soll auch diese Fragen regeln. Zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden haben die Frauen das aktive und das passive Wahlrecht. In den bayerischen Gemeinden München, Nürnberg, Augsburg, Bamberg und Regensburg haben die Frauen aktives und passives Wahlrecht, in Fürth nur das aktive Wahlrecht. Von den sächsischen Gemeinden gewährte Leipzig den Frauen aktives und passives, Plauen nur aktives Wahlrecht. In den Gemeinden Württembergs haben die Frauen aktives Wahlrecht, in den Gemeinden Badens aktives und passives Wahlrecht (nicht aber zu den Vorständen und zur Landessynode). In den kleineren deutschen Freistaaten lehnt sich die Regelung an die obigen Verhältnisse an. Insgesamt haben in Deutschland 23 Gemeinden den Frauen das aktive und passive, 8 Gemeinden das aktive Wahlrecht verliehen. In Böhmen haben die Frauen aktives Wahlrecht. In Holland gewähren die aschkenasischen Gemeinden den Frauen kein Wahlrecht. In den sephardischen Gemeinden haben nur steuerzahlende Frauen (Witwen und Selbständige) das aktive Wahlrecht. In Riga (Lettland) haben die Frauen aktives und passives Wahlrecht. Eine gesetzliche Regelung für das ganze Land ist noch nicht erfolgt. In der Schweiz haben die Frauen, auch die Steuerpflichtigen, kein Wahlrecht. In Großrumänien, wo das Frauenwahlrecht noch nicht eingeführt ist, hat eine Delegation der jüdischen Frauen dem zuständigen Minister ein Memorandum mit der Forderung nach Wahlrecht überreicht. In Belgien existiert ebenfalls kein Frauenwahlrecht in der jüdischen Gemeinde. An der Aussprache beteiligten sich u. a. Frau Stark (München), Frau Eichholz (London). Rabbiner Carlebach sprach gegen das Frauenwahlrecht in jüdischen Gemeinden. Caroline Wysenbeck-Franken (Holland) sprach über Völkerbundundjüdische Frauen und führte aus, die Idee des Völkerbundes und dessen praktische Arbeit seien für die Gesamtheit des jüdischen Volkes von außerordentlicher Wichtigkeit. Frau Anita Müller-Cohen (Wien) referierte über den Einfluß der Kulturarbeit in Palästina auf die Frauen. Wir leben, so führte sie aus, in einer Zeit der politischen, sozialen und ethischen Neugestaltung. Im Zentrum unseres Lebens steht das Problem der Gemeinschaft. Jüdische Kultur ist untrennbar mit Palästina verbunden. Überall findet der Jude eine fertige Kultur, der er sich mehr oder minder anpassen muß. Nur in Palästina hat er Gelegenheit, schöpferisch seine eigene Kultur weiter zu entwickeln. Wir wollen Kultur als die Höherentwicklung der Menschheit betrachten. Wir wollen das jüdische Leben umgestalten. Wir glauben, daß in Palästina, wo der Jude stärkere Lebenskraft und Lebenssicherheit hat, viele Trennungen innerhalb des Judentums schwinden werden. Nach den Verwüstungen des Weltkrieges ist jeder Aufbau eine Kulturtat, und die Erfüllung einer produktiven Aufgabe kommt nicht nur einem Volke zugute. Der Aufbau Palästinas ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern eine Frage seelischen und moralischen Fortschritts. Das Bild eines rein jüdischen Lebens in Palästina, die Schaffung eines geistigen und moralischen Reservoirs, die aufopfernde Arbeit unserer Pioniere, das sind die Dinge, von denen wir eine Renaissance des Judentums überall erwarten. In Palästina wandelt sich auch das Frauenideal. Es kommen neue Werte, neue Anschauungen und Begriffe in das Leben der jüdischen Frau. Es wird ein neuer kultureller jüdischer Frauentyp geschaffen. Die Frauen in Palästina ringen um die große Sache Mensch und Werk. Sie sprechen weniger von Kultur, sie leben Kultur. Die Rednerin beleuchtete die Ziele der „Histadruth Naschim Iwrioth“, die seit Jahren die Frauen Palästinas zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung organisiert. Sie berichtete über die soziale Arbeit in Palästina, die auch ein Mittel zur Völkerverständigung ist. Sie zitierte den Ausspruch Weizmanns: „Ein Spital der Hadassah hat mehr zur Verständigung zwischen Juden und Arabern beigetragen als alle Politik.“ Die Kulturarbeit der jüdischen Frauen Palästinas hat auch die Stellung der mohammedanischen Frau verbessert. Frauen haben in Palästina Kolonien gegründet. Schon vor zwanzig Jahren war eine Frau Bürgermeisterin in Rischon le Zion. Miß Szold gehört der aus drei Personen bestehenden Exekutive der Zionistischen Organisation in Palästina an. Die Rednerin berichtete eingehend über das Gesundheitswerk der Hadassah, über das Erziehungswesen in Palästina und über die Wiederbelebung der hebräischen Sprache und kam zu dem Schlüsse, daß der jüdischen Frau eine große Rolle bei dem Wiederaufbau Palästinas, bei der „dritten Heimkehr“, zugewiesen ist. Frau Helene Hannah Thon (Palästina) ergänzte das Referat von Frau Müller-Cohen und überbrachte die Grüße der palästinensischen Frauen zur Gründung des Weltverbandes jüdischer Frauen. Frau Irma Lindheim sprach über Organisation und Ziele der Jewish Agency und forderte die jüdischen Frauen auf, die Arbeit dieser Institution für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu fördern. Frau Rabekkah Kohut erklärte sich ebenfalls für die Arbeit der jüdischen Frau für und in der Jewish Agency. Es entwickelte sich eine lebhafte Aussprache, in deren Verlauf Frau Bial (Dresden) sich als deutschfühlende Jüdin gegen die Agency aussprach, und Frau Schwimmer (Amsterdam) sich für die Agency erklärte. In der Sitzung der Weltkonferenz jüdischer Frauen am Donnerstag, dem 6. Juni, vormittags, hielt Frau Rebekkah Ivohut ein großangelegtes Referat über 'Notwendigkeit und Auf g a b e n eines internationalen jüdischen F rauenbundes. Nachher ergriffen einige der prominentesten Frauenführerinnen das Wort, um sich für die Gründung des Weltverbandes auszusprechen. Hierauf wurde einhellig beschlossen, einen Weltverband jüdischer Frauen zu gründen, dessen Ziel es — Baden und Schwimmen Bekleidung Sporthaus vallwJI K K Katalog kostenlos! München, RosenstraBe 6

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