Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-06-07 · 23 (7.6.1929) · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
Seite 365 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9175988--09521-9082430
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 23 Das Jüdische Echo 365 trage. Dies sei nur so möglich, daß der Verein Ohel Jakob sich verpflichte, in seiner Schule vom nächsten Jahre ab nur mehr Kinder von Vereinsmitgliedern und von Nichtreichsdeutschen aufzunehmen. Wenn diesem Verlangen nicht entsprochen werde, müsse man den von der Gemeindevertretung bereits angenommenen Beschluß im Vorstand ablehnen und damit zu Fall bringen. Eine genauere Charakterisierung dieser Forderung darf hier wohl unterbleiben; es konnte auch nicht einen Augenblick irgendeinem Zweifel unterliegen, daß der Verein Ohel Jakob sich ihr nicht unterwerfen durfte, wollte er nicht seinen Überzeugungen und gerade den Grundprinzipien untreu werden, die ihn zur Errichtung der Schule geführt hatten. Eine jüdische Schule soll Kindern, deren Eltern sie — weil sie ihren Kindern ein1 größeres jüdisches Wissen, eine gründlichere religiöse Belehrung, die Möglichkeit zum Besuch der Sabbatgottesdienste geben wollen — der Schule zuführen, die Aufnahme verweigern. Und die jüdische Gemeinde sollte die Schule dazu zwingen! Man braucht nur diese Tatsachen für sich sprechen lassen, um das geradezu Absurde des liberalen Vorschlages zu erkennen. Der Vorschlag wurde dann auch vom Verein Ohel Jakob in einem an den Vorstand gerichteten Schreiben entschieden zurückgewiesen. Ein weiteres Beharren des Ohel Jakob bei seinem Antrag hätte aber bei der gegebenen Situation eine Krise in den gemeindlichen Körperschaften herbeigeführt, wahrscheinlich sogar eine Neuwahl der gesamten Gemeindevertretung und des Vorstands notwendig gemacht. Um nicht das Odium des Friedensstörers auf sich zu nehmen, zog deshalb der Verein Ohel Jakob seinen Antrag auf Bewilligung des erhöhten Zuschusses zurück; ein Entschluß, der dadurch erleichtert wurde, daß der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für dieses Jahr auf die Rückzahlung der fälligen Darlehensrate verzichtete, die Rückzahlung also um ein Jahr gestundet hat. Die liberalen Herren haben daraufhin ihre Rücktrittserklärungen zurückgezogen. So wäre der Friede in der Kultusgemeinde München also noch einmal gewahrt. Um welchen Preis und wie lange? Die Taktik der intransigenten Liberalen hat den Sieg davongetragen. Aber es ist nicht anzunehmen, daß sich die Herren ihres Erfolges lange freuen können. Der Verein Ohel Jakob wird sowohl durch den Zwang der Umstände als auch aus inneren Gründen getrieben, bereits im nächsten Jahre mit seinen Ansprüchen aufs neue hervortreten müssen; die Frage der jüdischen Schule in München muß einmal prinzipiell geklärt werden und es kann nicht deutlich genug gesagt werden, daß es auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand ist, wenn sich die Kultusgemeinde München noch länger ihren unbestreitbaren und von der überwiegenden Mehrheit ihrer Mitglieder auch anerkannten kulturellen Verpflichtungen gegenüber den Minderheiten entzieht, und finanzielle Leistungen, zu denen sie verpflichtet ist, auf den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden abwälzt, wie dies bereits im vorigen Jahre und nun wiederum geschehen ist. Es ist eine Verkennung der Aufgaben des Verbandes, wenn eine leistungsstarke Großgemeinde auf solche Weise für ihre Einrichtungen finanzielle Unterstützungen des Verbandes, wenn auch nur in Form von Darlehen, in Anspruch nimmt und es ist — auch das muß einmal gesagt werden — ein Selbstbetrug der Liberalen, wenn sie glauben, so ihre Grundsätze gewahrt zu haben. Auf alle Fälle aber bleibt es eine Methode, die rauch die Minderheiten nicht ungestraft allzu lange m/itmachen dürfen, wenn sie nicht ernsthaften Schaden sich zuziehen wollen. Uns scheint der Friede in der Gemeinde um diesen Preis zu teuer erkauft: Es wird sich allerdings erst in der Zukunft zeigen, wer die Rechnung schließlich zu zahlen hat. Lag-Beomer-Spiel — und Sportfest des Münchner „Bar-Koeüba“ Viele von unseren „Freunden“ lachten sich schon ins Fäustchen, als am Donnerstag, 30. Mai, vormittags, schwere Wolken am Himmel hingen, ein Regenguß den anderen ablöste und auf diese Weise die Durchführung des für den Nachmittag geplanten Sportfestes gefährdet wurde. Doch die alte Spruchweisheit „wer zuletzt lacht — —“ kam einmal wieder zu ihrem Recht. Schon gegen Mittag heiterte sich das Wetter auf und als dann mit seltener Pünktlichkeit die Aktivitas des Bar- Kochba in schönem Stillauf zur Aufstellung für die allgemeinen Freiübungen sich anschickte, war über uns blauer Himmel. Die zahlreichen Besucher und Ehrengäste — man sah u. a. OLGR Dr. Neumeyer, Justin Lichtenauer, Kommerzienrat Dr. Wassermann — verfolgten mit Interesse die von dem Trainer der Sportabteilung einstudierten, von allen Abteilungen schön vorgeführten Übungen. Ganz besonders aber gefiel der von der Mädchenabteilung auf das Turnerlied „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen“ gebrachte Reigen, ein gymnastischer Tanz, der sowohl durch die Exaktheit der Ausführung, als auch durch die Schönheit der rhythmischen Bewegungen mit Recht den Beifall des Publikums fand. Ebenso erhielt auch die Damenabteilung, welche durch ihre sehr gut gelungenen Vorführungen einen Einblick in die Art des neuen Damenturnens gewährte, reichen Beifall. Lebhaft begrüßt wurden die kleinen Fußballer in ihrem schmucken Dreß, deren 1. Mannschaft über die 2. in der Zeit von 2 mal 10 Minuten keinen Sieg erringen konnte. Das Treffen endete torlos. Nach dem Fahnenschwingen der_.Damen folgten die mit großer Spannung erwarteten [leichtathletischen Wettkämpfe. Oft gab es ein heißes Ringen um die Plätze, dadurch wurde es auch möglich, daß sehr achtbare Resultate geschaffen wurden. Als Überraschung kann der Sieg der Studenten-Verbindung „Jordania“ in der 6-mal-200-m-Staffel über die 1. Mannschaft des Bar-Kochba angesehen werden. Besonders erwähnenswert ist aber der Sieg von Herrn Gerson im Diskuswerfen, der in dieser Sportart die jungen Kräfte mit Abstand hinter sich ließ. Die Ergebnisse: Herrenwettbewerbe 100-m-Lauf: 1. Eisenmann 12; 2. Nothmann 12,2; 3. Singer 12,5. 800-m-Lauf: 1. Gidalewitsch 2:24; 2. Singer 2:25,5; 3. Koschland 2:26. Kugelstoßen: 1. Kornhauser 10,31 m; 2. Schindel 9,30 m; 3. Schuster 8,81 m. Diskuswerfen: 1. Gerson 27,40 m; Schneuer 26 m; 3. Gröbel 24,90 m. 6-mal-200-m-Staffel: 1. „Jordania“ 2:38; 2. Bar- Kochba I 2:38,5; 3. Bar-Kochba II. 100-m-Lauf Alte Herren: 1. Orljansky 12,8; 2. Rosenbaum 13; 3. Friedländer 13,3. Jugend I 100-m-Lauf: 1. Spielmann 12,8; 2. Goldfarb 12,9; 3. Kraus 13.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.