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Das jüdische Echo · 1929-06-07 · 23 (7.6.1929) · p. Seite 366

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
Seite 366 (sequence 23)
Language
German
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366 Das Jüdische Echo Nr. 23 Weitsprung: 1. Goldfarb 5 m; 2. Kraus 4.82 m; 3. Finkei 4,80 m. 5-mal-lOO-m-Staffel: 1. Bar-Kochba I 68; 2. Bar- Kochba II 72. Jugend II 50-m-Lauf: 1. Renka 7,6; 2. Mechlies 7,8; 3. Bier 7,9. Weitsprung; 1. Diamand 4,35 m; 2. Renka 4,29 m; 3. Flix 4,28 m. Mädchen 50-m-Lauf: 1. Renka 8; 2. Landau 8,1; 3. Weiß 8,3. Nach den leichtathletischen Wettkämpfen, die wiederum zeigten,' daß gute sportliche Qualitäten im Bar-Kochba vorhanden sind, kam das Handballwettspiel Mannschaft A gegen Mannschaft B zum Austrag, das nach vollkommen gleichwertigem Kampf die A-Mannschaft mit 5:4 Toren für sich entscheiden konnte. — Rückblickend kann man nun behaupten, daß diese Rasenveranstaltung ein voller Erfolg gewesen ist. Der Aufmarsch aller aktiven Bar-Kochbaner gab davon Zeugnis, daß sich aus kleinen Anfängen heraus eine Bewegung entwickelte, der einst Max Nordau das Wort „Muskeljudentum“ auf den Weg mitgegeben hat. Nicht aber werden hier sog. „Kanonen“ großgezogen. Bei den Leuten, die am Donnerstag im edlen Wettstreit lagen, konnte man die Feststellung machen, daß sie tatsächlich mit innerer Freude zu den einzelnen Übungen an den Start gingen. Anderseits sah man beim Fuß- und Handballspiel, daß insbesondere Kampfgeist und Mannesmut die wesentlichen Punkte beim Rasensport sind, Eigenschaften, die man uns Juden lange abgesprochen hat. Alles in allem, die jüdische Jugend, die sich im Gefühl der innerlichen Verbundenheit im Bar-Kochba zusammengefunden hat und dort Sport treibt, hat bewiesen, daß es nur des auslösenden Momentes bedarf, um aus körperlich momentan vielleicht schwachen Juden ein aufrechtes, gesundes Menschengeschlecht wie einst zu machen. Leo Fleischer. Redaktionsschluß für die nächste Nummer wegen der Schawuothfeiertage: Dienstag, 11. Juni, nachmittags 3 Uhr. Wochenprogramm des V. J. St. „Jordania“ Sonnabend, 8. Juni, 16 Uhr: Inoff. Sport. Montag, 10. Juni, 20 Uhr: Fuxenkursus. Dienstag, 11. Juni, 19 Uhr: Offizieller Sport. Mittwoch, 12. Juni, 20.30 Uhr: Burschenkursus* Donnnerstag, 13. Juni, ab 13 Uhr: Gern. Mittagessen. 20.30 Uhr: Burschenkursus. Freitag, 14. Juni: Gemütliches Beisammensein in der Kneipe. Jüdischer Jugendverein. Anschrift: Frl. Emma Neuwirth, Franz-Josef-Straße 33. 9. Juni: Führung um 10 Uhr von Herrn Studienrat Schaalmann durch die Alte Pinakothek nur bei trübem Wetter, um 14.30 Uhr oben am Fuße der Bavaria. Besichtigung der D. L. G. 10. Juni: Diskussionsabend 20.45 Uhr, Herzog- Max-Straße 3/1. 13. Juni: Fällt wegen des Wochenfestes aus. 20. Juni: Vortrag von Herrn Dr. A. Lustig: „Der Fall Maurizius“. Herzog-Rudolf-Straße 1, Rgb. Anfang 20.45 Uhr. 27. Juni: Studienrat Schaalmann: Die niederländische Malerei (Rembrandt) mit Lichtbildern. Verein Talmud-Thora: Der Verein Talmud- Thora gratuliert dem Vorstandsmitglied Herrn J. Engelhard und Frau zur Verlobung ihrer Tochter RM. 2.—. Gesamtausschuß der Ostjuden. Zur Barmizwah Blechner und Mandel gratulieren Iram und Frau. M. Schumer und Frau gratulieren zur Barmizwah Blechner RM. 3.—. Aus Nürnberg Aktuelle Probleme des osteuropäischen Judentums Sie interessieren, so scheint es, die Nürnberger Juden nicht besonders, denn sonst wären wohl doch mehr als ungefähr hundert Leute in das Künstlerhaus gekommen, zumal die Einladung zu diesem Vortrag von zwanzig der bekanntesten Mitglieder der Gemeinde unterzeichnet war. Redner war Dr. Michael Traub von der Ort-Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden. Während des Vortrags wurde klar, daß diese Probleme schon auch die unseren in Deutschland sind und in stärkerem Maße noch die der kommenden Zeit sein werden. Besonders Rabbiner Dr. Freudenthal hat zum Schluß des Vortrages auf diesen Umstand hingewiesen. Wenn in Polen der Staat mit allen Mitteln das Genossenschaftswesen fördert und dabei der jüdische Händler auf dem Lande seine Existenz verliert, so ist dieser Prozeß im Grunde nichts anderes, als wenn bei uns das Genossenschaftswesen immer mehr aufblüht und die Funktion des jüdischen Händlers der kleinen Landgemeinden übernimmt und ihn in die Stadt zu ziehen zwingt. In Rußland sind infolge des neuen Wirtschafts-Systems Millionen von jüdischen Existenzen in der grauenvollen Lage der „Deklassierten“ und stehen vor dem Nichts. — Und bei uns wird durch Kartellierung und Konzentrierung der Wirtschafts-Verbände die ganze Schicht des kleinen selbständigen Kaufmanns langsam aber sicher wirtschaftlich zermürbt. Das erscheint im Augenblick gering neben dem riesengroßen Unglück in Rußland; hier wie dort handelt es sich aber um die gleiche Auswirkung eines Wirtschaftsprozesses. Und hier wie dort gibt es nur eine Hilfe: nämlich die Produktivierung der betroffenen Schichten und das eben ist das Ziel der Ort- Gesellschaft, die seit 1880 in Rußland arbeitet. Dr. Traub gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Ostjuden innerhalb der letzten 70 Jahre. Von den rund 5 Millionen Juden, die um das Jahr 1880 in Rußland und in den Oststaaten lebten, seien notgedrungen rund 80 Prozent als Händler, mit anderen Worten lediglich als Vermittler zwischen Produzenten und Konsumenten tätig gewesen. Dies bedeutete einen ungesunden Wirtschaftszustand, der sich rächen mußte. Er zwang einen großen Teil der Ostjuden zum Verlassen der Heimat und zur Auswanderung in fremde Länder und veranlaßte die im Lande Gebliebenen zu produktiven Berufen, also zur Landwirtschaft und zum Handwerk überzugehen. Zur Förderung dieser Bewegung, die um das Jahr 1880 einsetzte, wurde die „Orr-Gesellschaft gegründet, die bereits bis Kriegsausbruch recht gute Erfolge zu verzeichnen hatte; denn trotz der bestehenden Verbote waren im Jahre 1914 bereits rund 90 000 Juden als Bauern oder als Handwerker in Rußland tätig. Der Krieg bedeutete aber dann einen schweren Rückschlag, zumal sich der Krieg im Osten gerade in den Ge-

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