Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- Seite 364 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Das Jüdische Echo Nr. 23 “ ** ■ ■ ■ ““" “ “ ■ * i Unseren gefallenen Gedenkbuch für die im Weltkrieg gefallenen Münchner Juden. Herausgegeben von der Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. VERLAG B. HELLER München,Plinganserstr.64 Preis RM. 5.- Vorzugsausgabe RM.15.— Geringe Sterblichkeit unter den Juden Palästinas Jerusalem, 2. Juni. (JTA.) Laut der offiziellen Statistik zählte man im vergangenen Jahre in Palästina auf 1000 Christen 49 Geburten, auf auf 1000 Moslemiten 75 Geburten, auf 1000 Juden 42 Geburten. In dem gleichen Jahre zählte_ man auf 1000 Christen 22, auf 1000 Moslemiten 37, auf 1000 Juden 12 Todesfälle. Konflikt im Stadtrat von Jerusalem Die jüdischen Vertreter im Stadtrat von Jerusalem haben ihren Rücktritt angedroht, da trotz der wiederholten Interpellationen von jüdischer Seite in der bisherigen Politik keine Änderung eingetreten ist. Die jüdischen Beschwerden richten sich insbesondere gegen die vollständige Übergehung jüdischer Arbeiter und Unternehmer bei der Vergebung städtischer Arbeiten sowie bei Anstellung neuer Kräfte in der Stadtverwaltung. (Ziko) Unannehmbare Bedingungen für die Verteilung der neuen Zertifikate Aus Jerusalem wird berichtet: Die Regierung hat für die Verteilung der von ihr bestätigten Zertifikate eine Reihe von Bedingungen gestellt. So sollen von den 2400 Zertifikaten 1500 für männliche Arbeiter, 600 für Frauen und 300 für qualifizierte Arbeiter verwendet werden. Von den 1500 Zertifikaten für Männer werden jedoch zur sofortigen Verteilung nur 1000 zur Verfügung gestellt. Die verbleibenden 500 will die Regierung als Reserve für politische Flüchtlinge und für Einwanderer, die als Touristen ins Land 1 gekommen und dann hier geblieben sind, verwenden. Von den für Frauen bestimmten Zertifikaten will die Regierung nur 400 zur Verfügung stellen, und auch diese nur auf Grund namentlicher Vorschläge der Zionistischen Exekutive und unter der Bedingung, daß die Betreffenden Angehörige im Lande haben. 200 Zertifikate für Frauen sollen als Reserve zunächst noch in den Händen der Regierung zur späteren Verteilung an politische Flüchtlinge und Touristinnen bleiben, die nachträglich das. Aufenthaltsrecht erhalten. Die 300 Zertifikate für qualifizierte Arbeiter wird die Regierung ebenfalls nur auf namentliche Vorschläge der Zionistischen Exekutive zur Verfügung stellen. Die Zionistische Exekutive, die sich in einer Sitzung eingehend mit diesen Bedingungen der Regierung beschäftigt hat, verlangt von der Regierung, daß ihr sämtliche Zertifikate zur Verfügung gestellt werden (mit Ausnahme der für die politischen Flüchtlinge bestimmten). (Ziko) Zusammenschluß der palästinensischen Arbeiter- . Parteien Jerusalem, 28. Mai. (JTA.) Die zionistische Arbeiterpartei Hapoel Hazair (Hitachduth) und die zionistische Arbeiterpartei Achduth Awoda (Poale Zion) haben eine gemeinsame politische Front gebildet. Sie werden bei den Wahlen zum XVI. Zionistenkongreß eine gemeinsame Liste aufstellen und auch auf dem Kongreß gemeinsame Ziele verfolgen. Die Basis, auf der sich die beiden Parteien einigten, ist: Durchsetzung zionistischer und sozialistischer Ziele. Gemeinden-u. Vereins-Echo Was in der Kultusgemeinde München vorging? Um es kurz zu sagen: ein nach langer Mühe und schwerwiegenden Auseinandersetzungen erreichter erfreulicher Mehrheitsbeschluß der Gemeindevertretung rief, bevor er die Sanktion des Vorstandes erhalten hatte, solche Schwierigkeiten hervor, daß schließlich die Antragsteller sich gezwungen sahen, ihn zurückzuziehen. Das endgültige und rechtmäßige Zustandekommen eines Gemeindebeschlusses wurde also, wie man in diesem Falle wohl in schlichtem Deutsch sagen darf, hintertrieben. Auf welche Weise und mit welchen Mitteln? Diese interessante Frage verdient eine nähere Untersuchung. Der Fall soll deshalb noch einmal kurz dargestellt werden. In ihrer Sitzung vom 29. April hatte die Gemeindevertretung eine Erhöhung der dem Verein Ohel Jakob zu gewährenden Subvention um 4500 RM. genehmigt; eine Erhöhung, die ganz der von dem Verein unterhaltenen jüdischen Volksschule München zugute kommen sollte. Diesem Beschluß in der Gemeindevertretung waren bekanntlich erregte Auseinandersetzungen in der liberalen Fraktion vorhergegangen, deren Resultat in der Aufhebung des Fraktionszwanges bei dieser Abstimmung bestanden hatte. Es war ein geistiger Kampf, der hier schließlich in wahrem Gemeinschaftsgeist entschieden worden war insofern, als man die Ansprüche der Minderheiten als berechtigt anerkannt hatte. Aber sein Ausgang wurde von den Unterlegenen nicht verschmerzt — eine an sich durchaus verständliche Tatsache. Und so mußte es zwar Bedauern, in gewissem Sinne aber auch Anerkennung hervorrufen, daß mehrere liberale Herren der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstands, die diesen Beschluß mit ihren Überzeugungen nicht vereinbaren zu können glaubten, ihren Rücktritt erklärten. Dies hätte die Situation auch keineswegs . grundlegend geändert, wenn nicht bei der offenbaren Armut der Liberalen an zur Führung geeigneten Persönlichkeiten schon die Frage des Ersatzes dieser Herren Schwierigkeiten erwarten ließ, Schwierigkeiten, die geradezu unüberwindlich wurden, als ein weiteres, besonders hervorragendes liberales Mitglied des Gemeindevorstandes mit seinem Rücktritt drohte. Die Vertreter der liberalen Fraktion erklärten darauf, sie könnten angesichts der erklärten und der angedrohten Rücktritte von Mitgliedern der Körperschaften dem Mehrheitsbeschluß der Gemeindevertetung nur dann beitreten, wenn ein Weg gefunden werde, der den Bedenken der bei dem Beschluß der Gemeindevertretung in der Minderheit gebliebenen liberalen Mitglieder Rechnung 29632955896^85099355