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Das jüdische Echo · 1929-06-07 · 23 (7.6.1929) · p. Seite 358

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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358 Das Jüdische Echo Nr. 23 gemeinen Spätehe des Mannes stellt sich auch die bei der Jüdin ein. 46 Prozent, also fast die Hälfte der gezählten Jüdinnen im Alter von 25 bis 30 Jahren, waren noch ledig, wobei gerade hier die Großstädte einen etwas niedrigeren Prozentsatz aufweisen; in den Kleingemeinden waren genau 47 Prozent der Altersklassen 35—30 Jahre unvermählt. Damit ist die Hälfte der Jüdinnen erst nach dem 27. Lebensjahr verheiratet. 50 Prozent der weiblichen jüdischen Personen sind also von der Mutterschaft im ersten Jahrzehnt ihrer Gebärreife ausgeschlossen und gelangen erst in der zweiten Hälfte ihrer Fruchtbarkeitsperiode zur Ehe. Aber auch von den 30- bis 35jährigen sind noch 27,5 Prozent unvermählt, von den 35- bis 40jährigen weitere 16 Prozent. Die Auszählung nach geschiedenen Personen hat für die Kleingemeinden keine nennenswerten Ziffern ergeben, männliche Personen sind fast gar nicht vertreten, was auf eine stärkere Wiederverheiratung der geschiedenen Männer deutet. Wichtig ist für die Bevölkerungsentwicklung die ständige Wanderbewegung der deutschen Juden. Für die kleineren Orte bedeutet die Wanderbewegung vornehmlich eine Abwanderung, die stellenweise zur langsamen oder schnelleren Auflösung führt. So bemerkt z. B. die Gemeinde Gronau in Hannover, daß sie noch vor 30 Jahren 100 Seelen und jetzt nur noch 17 zählt, von denen lediglich 4 erwachsene Männer sind. Solcher Beispiele gibt es viele. In der Gemeinde Fraustadt wohnten 1839 noch 565 Juden. Heute nach fast einem Jahrhundert zählt die Gemeinde trotz Zuzugs aus Posen und Oberschlesien nur ein Fünftel dieser Zahl. Der Rückgang der Bevölkerung wirkt sich naturgemäß für das kulturelle Leben der Gemeinde aus. Die Veranstaltung von Gottesdiensten wird vielfach recht schwierig, die Schulen können kaum mehr unterhalten werden. Von den 600 ausgezählten Gemeinden haben nur die zehn größten so viele Kinder, daß bei einer Einschulung aller jeder Schuljahrgang über 20 Kinder zählen würde; bei nur zwei Orten kamen über 40 Kinder auf den einzelnen Jahrgang. Auch bei einer Reihe von Gemeinden über 500 jüdische Seelen ergab sich eine Zahl von 3 bis 5 Kindern pro Jahrgang. Die Zahl der Jugendlichen wird stellenweise nur durch die Zuwanderung ausländischer Juden einigermaßen groß erhalten. So erwähnt Rabbiner Dr. Posner von Kottbus, das zu den Orten mit genügendem Nachwuchs zählt, ausdrücklich den Kinderreichtum der Ostjuden. Unter den jüdischen Müttern waren 5 Eingewanderte, die 34 Kinder hatten, während die übrigen 18 deutschen Mütter nicht wie diese je 7 Kinder, sondern je 3 bzw. insgesamt 55 aufwiesen. Für Kiel bemerkt Rabbiner Dr. Arthur Posner: Hier ist die relativ große Kinderzahl nur den sogenannten Ostjuden zu danken: Der Einfluß der Ostjuden auf die Erhaltung vieler jüdischer Gemeinden Preußens "ist bisher noch lange nicht bekannt gewesen. Die Mischehe wird vielfach in der Auszählung berührt. In der Dortmunder Aufstellung findet man 149 Mischehen, an denen die Männer 91 mal', also zu drei Fünftel beteiligt sind. Aus diesen Mischehen stammen 21 Kinder vom jüdischen Vater und 10 von jüdischer Mutter, die in jüdischem Glauben erzogen wurden. Neben diesen 149 Mischehen wird die Anzahl der Mischehen von aus der Gemeinde ausgetretenen Juden noch auf 165 bis 70 geschätzt, so daß neben den ermittelten 701 jüdischen Ehen (mit 1402 Personen) die etwa 315 Mischehen (mit 315 jüdischen Personen) 22,5 Prozent der verheirateten jüdischen Personen betragen dürften. Die Ergebnisse der Enquete gelten im allgemeinen nur für die preußischen Juden in Orten unter 1000 Juden; das Fehlen der großen Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Köln usw. läßt einen Rückschluß auf Großgemeinden im allgemeinen nicht zu. Die Sitzung des Hktions-Comitees (Offizielles Kommunique) Am 31. Mai 1929, 11 Uhr vormittags, trat unter Vorsitz von Leo Motzkin im Sitzungssaale der Z. V. f. D. in Berlin das A.-C. zusammen. Zu den als vertraulich erklärten Verhandlungen sind in der ersten Sitzung erschienen: Von der Exekutive Col. Kisch, Felix Rosenbliith; von den Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des A.-C.: Berligne (Waad Leumi), Dr. M. B i 1 e s k i, Kurt Blumenfeld, Sam Cohen, H. Farbstein, Dr. S. Federbusch, Dr. Berthold F e i w e 1, Rabbiner J. L. Fischmann, Nahum Goldmann, Jizchak Grünbaum, Ben-Gurion (Waad Leumi), Dr. Georg Halpern, Dr. M. H i n d e s , Mosche K a h ä n , Ing. Kaplansky, Berl Kaznels o n, Dr. Klee, Dr. Alfred Landsberg, Leon L e w i t e Richard Lichtheim, Lewin- Epstein, Dr. N. Meiner, Joachim Neiger, M. N. N e i f e 1 d , Abg. Nurock, Leon Reich, Dr. J. Rosenblatt, Joseph Sprinzak, Dr. Soloweitschik, Dr. Arje T artakower, Nahum Twersky; für den Keren Kajemeth erschien S. Schocken, als Kongreß-Juristen S. Gronemann und Dr. A. Barth, als Gast nimmt an den Verhandlungen Professor Otto W a r b u r g teil. Ferner Dt. Victor Jacobsohn und der Generalsekretär der Z. O., Israel Cohen. Der neue AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder,12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e 8. Fernruf 5I355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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