Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- Seite 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 357 setzte, ist in Kreses Geburtenrückgang und Religion (Freiburg 1917) ausreichend belegt. So trafen auf eine Eheschließung eheliche Geburten in Preußen 1891—1895 1913 in rein evangelischen Ehen 4,2 2,9 in rein katholischen Ehen 5,2 4,7 in rein jüdischen Ehen 3,3 2,2 Für Bayern berechnete Lenz folgende Zahlen: 1920 in rein evangelischen Ehen 3,0 1,6 in rein katholischen Ehen 4,0 2,0 in rein jüdischen Ehen 1,8 1,0 Aus diesen Zahlen geht wiederum eindeutig hervor, daß eine Geburtenabnahme bei den Katholiken und Protestanten in gleicher Weise vorhanden ist wie bei den Juden. Die angegebenen Geburtenzahlen mögen ja zum Teil auch durch andere Momente mitbedingt sein, wie Berufstätigkeit der Frau, Spätehe, Krankheiten; die Abkehr vom religiösen Leben läßt sich aber für die Beurteilung und Bedeutung des ganzen Problems nicht in Abrede stellen. Die Frage der „Mischehen“ ist mit der Abkehr von der Religion naturgemäß verknüpft. Allerdings ist Mischehe und geringere Fruchtbarkeit nicht identisch. Marcuse wies 1920 in seiner Abhandlung „Die Fruchtbarkeit der christlich-jüdischen Mischehe“ darauf hin, indem er feststellte, daß die Mischehe wohl zur Abnahme der jüdischen Konfession beiträgt, kaum aber zu der der jüdischen Rasse. Eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit liegt nicht so sehr in der Tatsache der Mischehe, sondern bei weitem mehr darin, daß die Ehen großstädtischer Intellektueller, um die es sich gewöhnlich handelt, ohnehin nur wenig Kinder erzeugen. Alles in allem, die Perspektiven, die sich für das Judentum im speziellen für die Hebung der Geburtenzahl ergeben, sind wenig verheißungsvoll, denn es gilt, mehr als eine isolierte Frage zu lösen! Ruppin und Theilhaber haben längst diese ungünstige Situation geschildert. Und dennoch gibt es für das Judentum eine Möglichkeit, die allen anderen verschlossen bleibt und die ein so bedeutender Rassenhygieniker wie Lenz die vielleicht „einzige“ nennt. Er spricht mit folgenden Worten davon; „Wir möchten es nicht für unmöglich halten, daß die zionistische Bewegung, welche die Abstammungs- und Blutgemeinschaft aller Juden über alle Grenzen der Sprache und Staaten hinweg zu einer Schicksalsgemeinschaft machen will, der Judenheit die Rettung bringen wird.“ Von der jüdischen Bevölkerung Preussens Berlin, 30. Mai. (JTA.) Der bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat auf eine Anregung von Dr. Felix A. Theilhaber im zweiten Halbjahr 1928 eine Enquete bei den dem Verbände angeschlossenen jüdischen Gemeinden veranstaltet, die sehr aufschlußreiches Material über den Aufbau der jüdischen Bevölkerung erbracht hat. Die Ergebnisse sollen zur Unterlage von Maßnahmen der Bevölkerungspolitik dienen. Neben 23 größeren jüdischen Gemeinden beantworteten die Enquete weitere 40 Gemeinden mit 500 bis 200 Juden, 80 mit 200 bis 100 Juden und 460 mit weniger als 100 jüdischen Einwohnern, insgesamt 603 preußischjüdische Gemeinden. Dr. Felix A. Theilhaber hat die Ergebnisse der Enquete in einer Schrift verarbeitet, die in einem Sonderheft „Jüdische Bevölkerungspolitik“, herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden, nebst einem Referat, das Dr. Theilhaber auf der bevölkerungspolitischen Tagung des Preußischen Landesverbandes gehalten hat, erscheinen wird. Die Enquete sollte u. a. den Altersaufbau der preußischen Juden erfassen, und zwar in Orten unter 1000 Juden. Bei der Durchsicht aller 600 Gemeinden geht die schwächere Besetzung der jugendlichen Altersklassen bis 20 Jahre gegenüber den geschlechtsreifen deutlich hervor. Nur einige Orte bilden eine Ausnahme. In Gemeinden bis 200 jüdischen Seelen gibt es gleich viele 20- bis 40jährige, wie 40- bis 60jährige. Da ursprünglich vor 30 Jahren noch eine höhere Geburtenziffer auf dem Lande war, so ist der Überfluß durch die Abwanderung verloren gegangen. Der Zugang taucht bei den Großgemeinden auf. Trotz des Zuzuges dieser zeugungsfähigen Personen, trotz der Anhäufung der Eheschließungen nach dem Krieg,sind indiesen Großgemeinden die Altersklassen von 0 bis 10 Jahren nur mit 75 Prozent der Zahl der 20- bis 30jährigen besetzt. Bei einer Berechnung aller Gemeinden zeigt sich, daß die Jugendlichen von O bis 20 Jahren nur 81,4 Prozent der Anzahl der Erwachsenen von 21 bis 40 Jahren ausmachen. Errechnet man die Mortalität im Durchschnitt der Jahre 0—20 und 20—40 mit etwa 10 Prozent, so dürften die Altersklassen 0—20 der erfaßten 600 jüdischen Gemeinden im Durchschnitt mit etwa 25—30 Prozent zu gering besetzt sein. Für Berlin läßt sich der jüdische Bevölkerungsaufbau vielleicht bald aus der amtlichen Statistik errechnen. Eine Beobachtung bietet auch für die Fachleute eine große Überraschung: nicht nur in der Stadt, sondern gerade auf dem Lande und in der Kleinstadt, ja gerade hier, wird erst spät geheiratet. Diese späte Eheschließung betrifft nicht nur die Männer, sondern auch in hohem Maße die Mädchen. Vor dem 25. Jahr gibt es überhaupt fast keine Männer und nur in wenigen Ausnahmen Jüdinnen, die heiraten. Im Alter von 25 bis 30 Jahren waren von jüdischen Männern 72,5 Prozent, also etwa drei Viertel, unverheiratet (auf dem Lande: 75,6 Prozent), mit 30 bis 35 Jahren noch 42 Prozent (in den Kleingemeinden bis 200 Juden: 41 Prozent). Verwitwete und Geschiedene wurden den Verheirateten zugerechnet. Einige Beispiele: In Butzweiler ist von 14 Mädchen im Alter von 32 bis 35 Jahren kein einziges verheiratet, von den acht Männern einer. In Gelsenkirchen unter 25 nur 2. In Rhannen (Rheinprov.) ist von 19 Juden und Jüdinnen im Alter von 20 bis 35 Jahren kein einziger verheiratet. Die Beispiele lassen sich vervielfachen. In Wittlich wurden unter 37 Personen von 20 bis 35 Jahren keine einzige verheiratet angetroffen. Von allen 63 weiblichen Personen über 20 Jahren waren 36 ledig. Die Auswirkung der verspäteten Eheschließung muß noch in Erscheinung treten. Neben einer all- — Tennis Bekleidung und Ausrüstung Sporthaus weflwvl K ffl Katalog kostenlos i München, RosanstraBe 6