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Das jüdische Echo · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · p. Seite 345

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
Seite 345 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 345 Tierschutzgesetze gemäß den angenommenen Resolutionen ausarbeiten und den Parlamenten zugehen lassen sowie die Errichtung einer Tierschutzstelle beim Völkerbund ariregen soll. In ersten wissenschaftlichen Kreisen herrscht Erstaunen darüber, daß sich der Internationale Tierschutzkongreß zum Werkzeug der prinzipiellen Schächtgegner, von denen die Mehrheit entschieden antisemitisch eingestellt ist, gemacht hat und sich über die vorliegenden Gutachten erster internationaler Autoritäten, die in der Schächtung eine der humansten Arten der Tötung von Tieren sehen, hinweggesetzt hat. In österreichisch jüdischen Kreisen besonders gibt man dem Erstaunen Ausdruck, daß der Bundespräsident Dr. Miklas, der das Ehrenpatronat über den Kongreß übernommen hat, und der frühere Bundespräsident Dr. Harnisch und Polizeipräsident Dr. Schober zugestimmt haben, dem Ehrenpräsidium des Kongresses anzugehören, ohne sich vorher zu vergewissern, ob es dem Kongreß wirklich nur um Tierschutz geht und ob nicht — wie nachträglich auch dem Unbeteiligten klar geworden ist — die Mehrheit des Kongresses sich von Stimmungen gegen das Judentum und gegen die vom Staat anerkannte und geschützte Religion beherrschen ließ. Von jüdischer Seite wird dem JTA-Vertreter gegenüber festgestellt, daß die große Mehrheit der Kongreßdelegierten sich gewissermaßen stiernackig auf die Schächtfrage gestürzt habe, ohne jene tiefere Überlegung und Besonnenheit und ohne zu bedenken, daß ein uraltes Gesetz ohne irgendwie hinreichende Gründe angegriffen und eine Religionsgemeinschaft an der Ausübung religiöser Pflichten gehindert werde. Das Judentum wird nach wie vor im hohen Dienste der Liebespflichten gegen alle Menschen und des Schutzes der Tiere gegen alle Qual und unmenschliche Behandlung verharren, sich aber gegen ungerechten Angriff und Beleidigung seiner religiösen Gefühle zu schützen wissen. Aus der jüdischen Welt Das Zionistische Aktions-Comitee tritt am 31. Mai in Berlin zusammen Die Zionistische Exekutive hat im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktions-Comitees den anfänglichen Beschluß, die nächste Session des A.-C. am 30. Mai in London beginnen zu lassen, abgeändert. Das Aktions-Comitee wurde für Freitag, den 31. Mai, und die folgenden Tage nach Berlin einberufen. Bekanntlich wird diese A.-C.-Session im wesentlichen der Frage der Erweiterung der Jewish Agency gewidmet sein. Das A.-C. wird das zwischen der Zionistischen Organisation und den nichtzionistischen Palästinafreunden getroffene Übereinkommen über Verfassung und Organisation der erweiterten Jewish Agency gutzuheißen und eine entsprechende Vorlage für den am 30. Juli in Zürich zusammentretenden XVI. Zionistenkongreß vorzubereiten haben, damit die erste Konferenz des Großen Rates der Jewish Agency am 15. August in Zürich zusammentreten könne. Es ist zweifelhaft, ob der Präsident der Zionistischen Organisation, Professor Chaim Weizmann, der sich gegenwärtig noch in Palästina aufhält und der noch immer schonungsbedürftig ist, den Berliner A.-C.-Sitzungen wird beiwohnen können. Auch der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, der gegenwärtig an dem United Palestine Appeal in den Vereinigten Staaten und Kanada teilnimmt, wird wohl nicht mehr rechtzeitig zu den A.-C.-Sitzungen eintreffen können. Die Jüdische Gemeinde Berlin errichtet eine Poliklinik Berlin, 24. Mai. (JTA.) Einem Antrag der Jüdischen Volkspartei zufolge hat der Gemeindevorstand der Repräsentantenversammlung eine Vorlage betreffend1 Errichtung einer Poliklinik und Wahl der dirigierenden Ärzte der Poliklinik zugeleitet. Die Repräsentantenversammlung hat die Vorlage angenommen. Die Poliklinik uird in der Linienstraße errichtet werden; zu dirigierenden Ärzten sind für die innere Abteilung Herr Professor Dr. Carl Lewin und für die Chirurgische Abteilung Herr Privatdozent Pickardt ernannt. Herr Professor Dr. Carl Lewin, langjähriger Assistent des verstorbenen berühmten Klinikers Geheimrat Professor Dr. von Leyden, ist weiteren Kreisen besonders durch seine Krebsforschungen bekannt geworden. Herr Privatdozent Dr. Pickardt ist Assistent des bekannten Berliner Chirurgen Professor Dr. Sauerbruch. 10 Jahre Akademie für die Wissenschaft des Judentums Berlin, 24. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 2. Juni, 11 Uhr vormittags, hält die Akademie für die Wissenschaft des Judentums in den Räumen des Logenhauses, Kleiststraße 10, ihre zehnte Jahresversammlung ab. Über die Aufgaben und Leistungen der Akademie wird Herr Professor Dr. Julius Guttmann, der Leiter des Forschungsinstituts der Akademie, über die Verwaltung der Generalsekretär Dr. Israel Auerbach Bericht erstatten. An die Teilnehmer der Jahresversammlung, die öffentlich ist, kommt als Festgabe zum 10jährigen Bestehen der Akademie eine künstlerisch ausgestattete Druckschrift mit Beiträgen von Julius Guttmann, Leo Baeck, Ernst Cassirer, Hermann Cohen, Franz Rosenzweig, Ismar Elbogen und Isaac Heinemann zur Verteilung. Friedhofsschändung in Köthen Berlin, 24. Mai. (JTA.) Wie dem Wolffschen Telegraphenbüro aus Dessau telegraphiert wird, haben unerkannt gebliebene Täter in der Nacht vom 23. Mai auf dem in einer ziemlich belebten Gegend gelegenen israelitischen Friedhof in Köthen sämtliche Grabdenkmäler umgeworfen und zertrümmert. Selbst schwere Steine rissen die Täter aus der Erde. An die Stelle der Denkmäler legten sie Tierkadaver. Wie der JTA mitgeteilt wird, stimmt der Wolffbericht nicht ganz mit den Tatsachen überein. Es scheint sich auch diesmal um einen Dummenjungenstreich zu handeln, für den nach den bisherigen Ermittlungen zehnjährige Kinder in Betracht kommen. Tierkadaver wurden auf die Gräber nicht gelegt, sondern man habe lediglich drinnen am Friedhofszaun einen Hundekadaver gefunden, der von draußen hineingeworfen worden war. Besucht den Münchener Tierpark Hellabrunn!

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