Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Da> Judisctie Ecrio Nr. 22 knüpf theit zwischen der nationalistischen Bewegung und dem Antisemitismus. Der Antisemitismus müßte eigentlich, seinem heutigen Wesen nach, auf Antijudaismus umgetauft werden, da sein Kampf ausschließlich den Juden gilt. Seine Agitation ist heute allerdings weniger lärmend als in früheren Jahren. Aber man darf ihn deswegen doch nicht unterschätzen und sich über dessen Einfluß, der heute womöglich noch tiefer geht als je zuvor, keiner Täuschung hingeben. Die einzige Änderung, die im Antisemitismus vor sich ging, ist vielleicht nur eine Art Umgruppierung seiner Kämpferreihen und eine gewisse Modifizierung seiner Methoden. Bei uns in Deutschland hat sich der Schwerpunkt des militanten Antisemitismus in die akademische Welt verschoben, in die Universität und in die anderen Hochschulen. Hierüber erfahren wir oft genug recht sensationelle Dinge. Aber von einer weit größeren Tragweite sind jene Dinge, die hinter den Kulissen der Öffentlichkeit geschehen. Es ist beispielsweise nicht ohne Bedeutung, daß im ganzen rheinisch-westfälischen Industriegebiet kein einziger jüdischer Ingenieur aufgenommen wird. Und dies nicht allein wegen der antisemitischen Gesinnung der Unternehmer, sondern vor allem und in der Hauptsache deswegen, weil die anderen nichtjüdischen Ingenieure es entschieden ablehnen, einen Juden als ihren Arbeitskollegen zu dulden. In diesem Zusammenhänge möchte ich auf einen interessanten Fall hinweisen. der sich unmittelbar nach der Gründung der demokratischen Republik in Deutschland ereignete. Ein junger Student aus Österreich kam nach Berlin und wollte an der technischen Hochschule inskribieren. Seine wissenschaftliche Vorbildung war vollkommen befriedigend, seine Zeugnisse ausgezeichnet — und doch wurde er wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum abgelehnt. Das Professorenkollegium behandelte die Beschwerde des jungen Mannes und beschloß, seine Inskription zuzulassen, zumal man in jener Zeit dem Grundsatz von der Gleichstellung der Österreicher mit den Deutschen im Reiche allgemeine Geltung verschaffen wollte. Der Studentenrat aber setzte sich über den Beschluß des Professorenkollegiums hinweg und stellte das Prinzip auf, daß die Gleichstellung nur für Österreicher arischer Abstammung zu gelten habe, nicht aber für Juden. Was nutzte dem jüdischen Studenten die günstige Erledigung seiner neuerlichen Beschwerde durch den preußischen Unterrichtsminister Konrad Hänisch! Der sozialdemokratische Minister ließ ihn zu, aber die antisemitischen Studenten verdrängten ihn rücksichtslos und nach drei Wochen mußte er die Hochschule verlassen. Damals konnte man noch den Versuch unternehmen, derartige antisemitsche Gewalttätigkeiten mit der allgemeinen Verrohung der Kriegsgeneration erklären zu wollen. Seit jener Zeit aber haben sich die Gemüter doch schon beruhigt —* die Weltauffassung dieser Menschenklassen hat sich jedoch fast gar nicht geändert. Ihr Rassenhaß ist wohl nicht mehr so brutal wie früher und hat in jüngster Zeit etwas „feinere Formen“ angenommen. Das Resultat aber ist genau so traurig wie zuvor. Und das Ergebnis wird noch um so trauriger, wenn man den Einfluß dieses antisemitischen Rassenhasses, der in der Hauptsache eine ökonomische Tendenz hat, auf die jüdischen Unternehmer in Betracht zieht. Es gibt auch schon zahlreiche große kommerzielle Unternehmungen, deren Besitzer und Direktoren Juden sind, die sich scheuen, jüdische Angestellte aufzunehmen, weil sie sich’s mit ihren antisemitisch gesinnten Angestellten nicht verderben wollen. Diese und andere Tatsachen beweisen zur Genüge, daß die Juden in Deutschland heute in einer weit ungünstigeren Situation sich befinden als je zuvor. Dies ist keine Übertreibung, sondern die volle traurige Wahrheit. Die Judenfrage Deutschlands ist gegenwärtig weit weniger ein Problem der politischen Herrschaft der jüidschen Kapitalisten, als vielmehr eine Frage der armen, besitzlosen Juden, der jüdischen Arbeiter und Beamten. Und eben diese Erkenntnis, das Bewußtsein von der ökonomischen Gefahr, die den jüdischen Arbeiter auf dem internationalen Arbeitsmarkt bedroht, macht es mir, dem Juden und Sozialisten, zur doppelten Pflicht, die Förderung des jüdischen Palästinawerkes durch den internationalen Sozialismus, wie sie in der Gründung des Pro-Palästina- Komitees der sozialistischen Internationale zum Ausdruck kommt, wärmstens zu begrüßen. Denn es ist meine Überzeugung, daß die Idee einer jüdischen Heimstätte in Palästina mit den gegenwärtig in der ganzen Welt herrschenden politischen und wirtschaftlichen Bedingungen vollkommen im Einklang steht. Die Schaffung der jüdischen Heimstätte soll auch der Welt beweisen, was jüdische Gemeinschaftsarbeit auch unter den ungnüstigsten Umständen zu vollbringen vermag. Man sagt, daß die Verwirklichung des Zionismus durch gewisse sentimentale Emotionen des \r~ im Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e 8. Fernruf 5I355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19