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Das jüdische Echo · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · p. Seite 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 341 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 Chevrolet 6 Zylinder gebracht wurden, auch gegenüber Spenden für andere jüdische Wohlfahrtsinstitutionen, die im Ausland arbeiten, geltend zu machen. Oder glaubt etwa das Hamburger „Israelitische Familienblatt“, daß die russische Regierung aus den nach Rußland gebrachten jüdischen Geldern keinen Nutzen zu ziehen verstehe? Man erinnere sich an jene Geschichte der Mazzothaktion für die russischen Juden, die unlängst durch jüdische Blätter ging, wo die russische Regierung eine Versorgung der russischen Judenheit dadurch hinderte, daß sie auf die bereits an der Grenze zur Verfügung gestellten Mazzoth einen exorbitanten Zoll erhob und man wird glauben, daß bei jüdischen Spenden für Rußland wohl noch ganz andere Befürchtungen angebracht sein dürften als bei jenen für Palästina, die unter ausschließlich jüdischer Kontrolle voll und ganz ihrem Zweck zugeführt werden können — was allerdings nicht bedeutet, daß nicht jeder jüdische Einwohner Palästinas nach den nun einmal geltenden Gesetzen Steuern und Zölle für die Verwaltung und den Schutz des Landes zu entrichten hat. Aber kann man dabei etwas Unrechtes finden? Die Mühe, seine Anschauungen ganz zu Ende zu denken, wird man wohl dem Hamburger „Israelitischen Familienblatt“ nicht zumuten dürfen, man käme da nämlich zu dem überraschenden Ergebnis, daß sofort jeder gute Deutsche jeden wirtschaftlichen Verkehr mit dem Ausland abzubrechen hätte, da es doch keinem Zweifel unterliegt, daß auch das Ausland dabei seinen Vorteil hat und daß aus Steuern und Zöllen jeweils die militärischen Aufwendungen mit bestritten werden. Es ist weniger interessant zu wissen, aus welchem Jahrhundert diese Anschauungen stammen mögen, als aus welchem dunklen Winkel der jüdischen Seele — ist es nicht der typische jüdische Minderwertigkeitskomplex, der immer und immer wieder Juden aus Furcht, man könnte den Vorwurf des mangelnden Patriotismus hervorrufen. auf solche groteske Argumente hereinfallen läßt. Nun ist aber das Hamburger „Israelitische Familienblatt“ eine Zeitschrift, die parteimäßig nicht gegen das Palästinawerk eingestellt ist und auch dem Gedanken der Agency nicht feindlich gegenüberzustehen schien und dieser Umstand gibt zu denken. Man kann nur hoffen, daß diese Palästinakritik nicht auf irgendwelche Einflüsse von außen zurückzuführen ist, denen daran gelegen wäre, die Einigung zu hindern und die Palästinafreunde kopfscheu zu machen, Aufgabe der zionistischen Bewegung ist es, diese Betrachtungsweise nicht Schule machen zu lassen und für umfassende und wahrhaftige Aufklärung über palästinensische Verhältnisse zu sorgen. $ $ $ Die kommenden Wochen werden den Kongreßwahlkampf bringen, sie werden jeden Zionisten zwingen, die entscheidenden Fragen wieder und wieder durchzudenken und darnach seinen Entschluß zur Wahl einer bestimmten zionistischen Gruppe zu treffen. Wie dieser aber auch ausfallen mag, so viel ist sicher, die Einheit der zionistischen Bewegung und ihrer Organisation muß unter allen Umständen gewahrt bleiben und auch alle jene Gruppen, die mit dem Programm der zu wählenden Exekutive nicht einverstanden sind, müssen dazu gebracht werden, sich nach der Wahl ihr bedingungslos unterzuordnen. Nur dann, wenn die zionistische Organisation kraftvoll und festgefügt in die Zusammenarbeit mit den anderen jüdischen Gruppen eintritt, wird sie die Fähigkeit haben, der führende Partner zu sein und nur dann wird die Zusammenarbeit die Fortschritte bringen, auf die Palästina wartet und das jüdische Volk. I. E. Sozialismus und jüdisches Nationalheim Von Eduard Bernstein (Berlin) Der Nestor der deutschen Sozialdemokratie, Eduard Bernstein, der auf eine politische Tätigkeit von zwei Menschenaltern zurückblickt, äußerte sich vor kurzem nach der Gründung des Pro- Palästina-Komitees der zweiten Arbeiterinternationale über seine Stellung zur Frage des jüdischen Palästina-Aufbaus. Seine Äußerungen, die in nüchterner Weise auf die schweren Gefahren des in Deutschland fortwuchernden Judenhasses hinweisen, verdienen allerstärkste Beachtung. Dies um so mehr, als die letzten sächsischen Landtagswahlen einen ungeheuren Aufschwung der radikal-antisemitischen Parteien demonstriert haben. Die Nationalsozialisten, durch Geldmittel von schwerindustrieller Seite überreichlich unterstützt, entfalteten eine gigantische Wahlagitation, die ihnen einen Stimmen- und Mandatszuwachs brachte und breite Volksmassen in fanatischer Weise gegen die Juden verhetzte. Eduard Bernstein . warnt in seinen Ausführungen, der antisemitischen Strömung in Deutschland gegenüber gleichgültig gegenüberzustehen. Er hat leider sehr recht. Die deutschen Juden haben allen Anlaß, die bisherigen Methoden ihres Abwehrkampfes einer Revision zu unterziehen. Der Bund zwischen Nationalsozialisten und Schwerindustrie bedeutet schwerste Gefährdung der Judenheit in Deutschland. ❖ * * Ich bin kein Zionist. Gleichwohl aber kann ich an den Realitäten des täglichen Lebens nicht blind vorübergehen, an jenen Realitäten, die die Notwendigkeit einer auf breiter landwirtschaftlicher Grundlage aufgebauten jüdischen Heimstätte mit voller Klarheit dartun. Die erste Tatsache, die mir die Errichtung einer jüdischen Heimstätte zu bedingen scheint, ist die außerordentliche Ausbreitung des nationalistischen Prinzips, das heute fast die ganze Welt beherrscht. Ich spreche vom „nationalistischen“ und nicht vom nationalen Prinzip, weil die nationale Denkart keine Erfindung der heutigen Zeit, sondern das natürliche Ergebnis einer jahrhundertelangen historischen Völkerentwicklung ist, das keineswegs im Widerspruch zu einer kosmopolitischen Zivilisation steht. In Deutschland und in manchen kleineren Ländern besteht eine geradezu organische Ver-

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