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Das jüdische Echo · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · p. Seite 340

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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340 Das Jüdische Echo Nr. 22 kutive durch eine alle Teile der zionistischen Organisation erfassende Koalition zustande kommt. * * * Nicht weniger interessant als die Frage, wie die Zionisten sich zur Erweiterung der Jewish Agency stellen, ist auch die nach der Haltung der nichtzionistischen Juden. Die letzten Wochen haben eine Fülle von zustimmenden Erklärungen jüdischer Organisationen aller Länder gebracht, die zum Teil sogar schon ihre Delegierten für die Agency bestimmt haben; daß daneben auch ablehnende Äußerungen nicht fehlten, darf bei dem augenblicklichen Zustand der Judenheit nicht verwundern. Immerhin dürften auch von nichtzionistischer Seite kaum noch Schwierigkeiten entstehen, wobei man sich allerdings nicht verhehlen darf, daß der Zionismus noch eine große Erziehungsarbeit zu leisten haben wird. Das Wissen dieser nichtzionistischen Kreise um die Voraussetzungen, Grundlagen und den Charakter des Palästinawerks und ihre Kenntnisse der betreffenden Tatsachen ist eben noch nicht tief genug, ihre Beschäftigung mit diesen Fragen datiert erst seit kurzer Zeit, unter Umständen mußten die Menschen gänzlich umlernen und so kommt es auch, daß selbst freundlich Gesinnten manchmal eine gröbliche Verkennung zionistischer Tatbestände unterläuft, daß sich selbst Wohlwollende von üblen Schlagworten, wenn sie nur geschickt genug vorgebracht werden, irre machen lassen. Auf solche Unkenntnis des wahren Sachverhalts und allzu leichte Beeinflußbarkeit durch antizionistische Schlagworte ist wohl auch die Kritik zurückzuführen, die unlängst das Hamburger „Israelitische Familienblatt“ der „glücklichen“ Palästinapolitik Englands angedeihen ließ. Da wurde unter Zugrundelegung eines zum mindesten fahrlässig gekürzten Berichtes über eine Verhandlung des englischen Unterhauses auseinandergesetzt, daß der englische Kolonialminister Amery und einer der besten englischen Palästinafreunde, der Commander Kenworthy überraschenderweise endlich einmal die wahren Absichten der englischen Palästinapolitik „enthüllt“ hätten, die in Wirklichkeit nur dem englischen Geldbeutel dienen solle; ja das reiche England scheue sich nicht, aus den jüdischen Palästinabeiträgen einen Teil seiner außerpalästinensischen Streitmacht unterhalten zu lassen. Daraus müßte man nun endlich klar erkennen, daß die aus jüdischen Quellen aller Länder nach Palästina fließenden Gelder zum großen Teil den Interessen und imperialistischen Absichten Englands dienten, weshalb nun wieder ein deutscher Jude sich hüten müsse, irgendeine Spende für Palästina zu geben. Gewiß kann nicht verschwiegen werden, daß die Palästinapolitik Englands in vieler Beziehung Anlaß zur Kritik bietet und in besonderem Maße die palästinensische Finanz- und Steuerpolitik; sowohl an Steuer- und Zollerhebung wie an deren Verwendung ist nicht wenig auszusetzen. Solche Kritik ist auch immer von zionistischer Seite geübt worden. Aber die Art, wie das Hamburger „Israelitische Familienblatt“ nun glaubt, diese Fragen behandeln zu müssen, ist denn doch zum mindesten irreführend. Stiftet es sicherlich schon Verwirrung, daß durch diesen Artikel der Eindruck hervorgerufen wird, die jüdischen Palästinabeiträge dienten in erster Linie der englischen Militärverwaltung — wovon doch nicht die Rede sein kann, da sie alle für ausschließlich jüdische Zwecke und unter ständiger jüdischer Kontrolle verwendet werden, so ist auch die Darstellung der Tatsachen einfach falsch und die Methode, wie vor einer Beitragsleistung für Palästina gewarnt wird, weil sie einen Konflikt mit deutschen Staatsbürgertum bedinge, zeigt deutlich, daß man hier weniger aus Liebe für Palästina kritisierte, als in dem Willen, in diesem entscheidenden Augenblick vor der Erweiterung der Jewish Agency die gerade beginnende Kooperation zu stören. Wenn man nämlich in der Redaktion des Hamburger „Israelitischen Familienblatts“ tatsächlich nicht gewußt haben sollte, daß die „transjordanische Grenzwacht“, zu deren Unterhalt der palästinensische Etat herangezogen wird und die angeblich Palästina in keiner Weise berührt, zusammen mit einer englischen Lufttruppe den einzigen militärischen Schutz Palästinas darstellt, der sich aus geographischen und militärischen Gründen eben hauptsächlich auf das Grenzgebiet zwischen Transjordanien und der Wüste zu erstrecken hat, und wenn man also in dieser Beziehung auch ganz gutgläubig kritisiert hat. so hätte es doch nahegelegen, solche „patriotischen“ Gründe, wie sie hier gegen Palästinaspenden vor- MERCEDES-BENZ Ein Wagen, den alle bewundern zuverlässig — bequem elegant — preiswert DAIMLER-BENZ A.-G. Verkaufstelle München, Lenbachplatz 4 Fernruf 59390 LEITER: DIREKTOR JAKOB WERLIN

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