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Das jüdische Echo · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 22_ 31. Mai ifi, Jahrgang Vor dem XVI. Zionistenkongreß Fünfundzwanzig Jahre nach dem Tode Theodor Herzls wird in Zürich am 29. Juli zum XVI. Male der von ihm als Tribüne des jüdischen Volkes gedachte und ins Leben gerufene Zionistenkongreß zusammentreten: um die an Enttäuschungen, noch mehr aber an Erfolgen reiche Geschichte dieser Organisation durch ein rühmloses Ende abzuschließen, wie ein kleiner Teil der Zionisten meint, um durch die nochmalige und nunmehr endgültige Besiegelung des Bündnisses mit Nichtzionisten, durch die Gutheißung des Eintritts mit Nichtzionisten in die Jewish Agency eine neue Epoche in der Geschichte der zionistischen Bewegung, in der Geschichte des Palästinaaufbaus, in der Geschichte des jüdischen Volkes herbeizuführen — wie der weitaus größere Teil der Zionisten denkt. Obwohl nun gewiß diese Erweiterung der Jewish Agency, über deren neue Verfassung und über deren Zusammentritt auch die jetzt nach Berlin einberufene Tagung des Zionistischen Aktionskomitees zu beraten hat — soll doch die konstituierende Sitzung der Agency schon einige Tage nach Abschluß des Zionistenkongresses ebenfalls in Zürich stattfinden —, eine Reihe von außerordentlich schwierigen Problemen mit sich bringen wird und infolgedessen auch ein großes Wagnis darstellt, kann es doch keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der Kongreß die Anträge annehmen wird, die die Exekutive in Übereinstimmung mit dem Aktionskomitee ihm vorzulegen beabsichtigt. Der aus der Kooperation mit einem großen Teil der Gesamtjudenheit für den Fortschritt des jüdischen Aufbaus zu erhoffende Gewinn lohnt diesen Einsatz und er lohnt ihn um so mehr, als die Erweiterung der Agency ja nur unter solchen Voraussetzungen geschehen wird, die sowohl die Existenz der zionistischen Organisation wie auch der nationalen Grundlage des jüdischen Aufbauwerks in Palästina sicherstellen. Überhaupt dürften sich alle die grundsätzlich täuschen, die glauben, daß mit der Erweiterung der Jewish Agency die zionistische Organisation keine Lebensmöglichkeiten mehr haben könnte, da sie Sinn und Funktionen verloren habe. Wahrscheinlich wird das Gegenteil der Fall sein: auch in der erweiterten Jewish Agency werden die Zionisten treibender Faktor sein müssen, wie ja der Sinn dieser Erweiterung nur der sein kann, daß die Zionisten einen neuen Ansatzpunkt für ihre jüdische Zukunftsarbeit gefunden haben. Nach wie vor werden die Zionisten in weitem Maße verantwortlich sein für den Fortschritt des Palästinawerks, ob es sich nun um die Aufbringung von Beiträgen für Keren Hajessod und Keren Kajemeth oder um eine mehr moralische Unterstützung, um die Herstellung einer Verbindung mit der werdenden jüdischen Kultur Palästinas handelt und nach wie vor wird es ihre vornehmste Aufgabe sein, für die Erziehung eines Nachwuchses besorgt zu sein, der mit ganzer Lebenskraft und mit kompromißloser Gesinnung der zionistischen Idee dient. Aber man darf es auch nicht unterschätzen, daß die Repräsentanten der jüdischen Welt, aufrichtige und durch den Beginn — den Beginn! — des Palästinawerks gewonnene Menschen, versprochen haben, diese Verantwortung zu teilen; mit ihrem Namen und ihrer Ehre für das zukünftige Gelingen dieses Werkes einzustehen, was ja zweifellos wiederum einen ganz außerordentlichen Erfolg der zionistischen Idee, eine Bestätigung für die Richtigkeit zionistischen Denkens darstellt. Und wenn auch diese Repräsentanten Notabein sind, nicht durch irgendeine demokratische Methode zu ihrer Aufgabe berufen, so darf man nicht vergessen, daß auch die erweiterte Agency, sowohl nach den Erwägungen der Zionisten als nach denen der andern Partner, nur eine Vorstufe bedeutet zu einer anderen und noch viel umfassenderen Organisation der Judenheit, dem jüdischen Weltkongreß, der seit dem Anfang der zionistischen Bewegung von ihr erstrebt wurde und wohl auch gerade durch die jetzt vorzunehmende Erweiterung der Agency eines Tages verwirklicht werden kann. Hat doch erst in diesen Tagen der „Joint“, die größte und bedeutendste der „Notabein“ Organisationen, wie wir in der letzten Nummer berichten konnten, sich eine Art von demokratischer Verfassung gegeben. Die Erweiterung der Jewish Agency wird gewiß gelingen und sie wird reiche Früchte tragen, wenn nur eine starke zionistische Organisation ihre Durchführung betreibt. Und dazu ist notwendig. daß einem noch stärkeren Differenzierungsprozeß in deren eigenen Reihen endlich Einhalt gegeben wird. Kann man noch verstehen, daß die Auflösung der zionistischen Organisation in verschiedene Gruppen in Palästina, weil von Interessenkämpfen bedingt, ein unvermeidbarer und notwendiger Vorgang war, so ist eine solche Notwendigkeit für die Länder des Galuth keineswegs einzusehen. Die Ergebnisse der Differenzierung in den verschiedenen Ländern sind wahrhaftig auch nicht ermutigend; es wird von der Einsicht und der Kraft der zionistischen Führer abhängen, ob die durch innerzionistischen Kampf und innerzionistische Abgrenzung zutage getretenen Schwächen wieder ausgeglichen und eine einheitliche national-jüdische Front gebildet werden kann, von der allein große Wirkungen auf die Judenheit ausgehen können. Der allgemeine Zionismus muß sich aus einer gewissen Lethargie aufraffen und die Position einnehmen, die ihm, der die wichtigsten zionistischen Funktionen erfüllt, und ohne den eine Fortsetzung der zionistischen Arbeit undenkbar wäre, als dem großen Sammelbecken des Zionismus überhaupt auch heute noch, ja heute besonders wieder gebührt. Eine arbeitsfähige und energische Exekutive wird auf dem Kongreß nur dann gebildet werden können, wenn sie sich auf eine kräftige Mitte stützen 1 äßt; ist diese Mitte vorhanden, dann ist es nur wünschenswert, wenn die Exe-

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