Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- Seite 331 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 331 Feuilleton Ein Blick nach Polen von Dr. Martha Hof mann (Wien) Von dem Augenblick, da der Kellner des Waggonrestaurants, der den Zug durchschreitet, nicht mehr Kaffee anbietet, sondern heißen Tee oder besser gesagt „Tee, Tscha], Herbata“, (was übrigens alles dasselbe bedeutet), sind wir im Osten. Von nun an läßt er dich nicht mehr los und umfängt dich immer stärker mit seiner Fremdartigkeit. Unweit Lemberg siehst du elende Dörfer, Lehmhütten, Strohdächer, polnische und ukrainische Nester. Bäuerinnen, das buntgestreifte Wolltuch über Kopf und Brust bis zu den Hüften geschlagen, waten durch den tiefen Schmutz der kleinen Kirche zu, die mit ihren ärmlichen Zwiebelkuppeln ab und zu an Rußland gemahnen. Dann aber sind wir in Lemberg, das — obzwar äußerlich ganz polonisiert — doch von vielen Ukrainern und Juden bewohnt wird. Die Polen und insbesondere die Einwohner Galiziens hören es nicht gerne, wenn man sie Osteuropa zurechnet. Gar nun die Städte, die einst zu Österreich gehörig, noch heute kulturell stark nach Wien und dem Westen gravitieren. Insbesondere die jüdische Bevölkerung. Doch merkt man auch hier stark den Einfluß der polnischen Erziehung in den Schulen — sogar den jüdischen. Während die ältere Generation des gebildeten jüdischen Mittelstandes durchwegs ein mehr oder minder gutes Deutsch spricht, fällt es der Jugend bereits schwer, sich in dieser Sprache zu verständigen, ja bisweilen sogar, sie zu verstehen. Hier allerdings hilft die allgemeine Verbreitung des Jiddischen stark mit. Freilich, es gilt nicht für vornehm,, in der „Loge“ oder im „Salon“ jiddisch zu sprechen. Immerhin, es ist Allgemeingut und selbst bei der sehr exklusiven Chanukkaveranstaltung der B’nei-Brith-Loge, in dem ausgesucht geschmackvollen, ja künstlerisch eingerichteten Vortragssaale dieser Bruderschaft, wurde neben dem Polnisch auch das Jiddische als Sprache der Rezitationen und insbesondere der gelungenen politischen Satiren zugelassen. Hebräisch allerdings habe ich bei dieser Feier vermißt. Auf der Straße fällt dem Westler vor allem der jüdische Droschkenkutscher auf — dort eine selbstverständliche Erscheinung. Ich hatte den Eindruck, als ob die weitaus größte Zahl der Kutscher Juden wären, was allgemein bestätigt wurde. In kleineren Stäten soll es schwierig, wenn nicht unmöglich sein, am Samstag ein Fuhrwerk zu erhalten. Die Droschken sind wie überall: schäbig, vernachlässigt, alt. Die Gäule mager, verbraucht. Besser sehen die Autos aus, die in allen Städten Polens — mit Ausnahme von Warschau und etwa noch Lodz — wie die nouveaux-riches unter Herabgekommenen wirken. Schon in Lemberg fällt dem Reisenden aus dem Westen die Häufigkeit jiddischer Aufschriften in hebräischen Lettern auf den belebtesten Straßen, keineswegs nur im jüdischen Viertel, auf. Ganz anders als etwa in Wien oder Berlin ist das jüdische Element im Stadtbild fühlbar. Lebensmittelhändler und Bücherläden sind fast nie ohne jüdische Aufschrift zu sehen. Auf dem Marktplatz am Donnerstag und besonders Freitag Vormittag, sieht man vorwiegend den jüdischen Händler in langem Kaftan, dichtem Bart und hohen Stiefeln. Er verkauft Eier und Geflügel, Stoffe und Bänder. Daß er ausschließlich jiddisch spricht, versteht sich von selbst. Gar in Krakau, in den Gewölben der sogenannten „Tuchlauben“, dieses prächtigen altertümlichen Basars im Norden, steht der jüdische Händler in bunter Abwechslung dicht neben den Christen, sein lebhaftes Anpreisen der Ware, Gestikulieren und Herbeilocken des zögernden Käufers gibt dem ganzen Marktleben den eigenartigen Rhythmus, wie ihn sonst nur der Orient besitzt. Sonst ist das Stadtbild der alten prächtigen Polenstadt Krakau ungleich weniger jüdisch beeinflußt. Hier, im westlichen Teile Polens, in dieser alten, an historischen Denkmälern, Türmen, Domen, Festungsresten, Mauern reichen, durch die alte und neue Universität und eindrucksvolle Nationalmuseen ausgezeichnete, vom hochgelegenen mittelalterlichen Schloß „Wawel“ überragten Krakau ist dasjenige, was die Polen als ihre „Kultur“ in Anspruch nehmen dürfen, stärker und eindrucksvoller konzentriert als in Warschau. Nur im „Kazimierz‘, im Ghetto, mit seinen Gassen wie der Isaaka-ulica, der Jakuba und Jesefa — der alten Schule — und gar an einem Freitagabend', wenn ungezählte würdigschreitende oder eilig huschende Gestalten in langem, seidenen Kaftan und pelzbesetztem „Stramel“ den Tempel aufsuchen oder ihn verlassen — oder wenn (wie ich es erlebte) aus jedem Fenster die achtarmige Menorah des letzten Weihetages in vollem Lichterschmuck strahlt — wenn jüdischer Synagogalgesang von hohen Knabenstimmen oder dem Bariton des Tempelsängers aus vielen alten Häusern mit kleinen Betstuben hervordringt — dann fühlst du, daß du in einem Herzen der Judenheit weilst — vergleichbar mit der Jaffastraße in Jerusalem am Seder abend. Uralt sind die Häuser des Krakauer Ghettos, tiefe dunkle Gewölbe öffnen sich dir, wenn du die ausgetretene Steinschwelle überschreitest — düster und feucht schlägt es dir daraus entgegen und doch verraten die glänzenden Fenster, daß manch prächtige Wohnung in diesen alten Bauten von Juden bewohnt wird. Wie ja auch aus dem Warschauer Ghetto manch reicher „Gwir“ hervorgegangen ist. Aber unsägliche Armut nistet und friert rings um diesen Einen in den tiefliegenden feuchten Kellern und Kammern. Spuren des letzten Brandes, des letzten Pogroms sieht man im Lemberger Ghetto. Doch Soll Dir ein langes Leben winken, DffFf«»tffeiil«0MB** dann mußt Du aamaWM USfffUmßMm trinken. Dieses hervorragende Heilwasser aus Adelholzen, der stärksten Rubidiumquelle der Erde, liefern alle Drogerien und Apotheken. Nur wo nicht erhältlich direkte Anfrage an OTTO PACNMAYR G.m.b.H. München Älteste Hauptniederlage Alleinvertretung für München und Umgebung Telephon 27 471/73