Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- Seite 332 (sequence 21)
- Language
- German
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332 Das Jüdische Echo Nr. 21 Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 mahnen halbzerstörte, nackte Mauern, verkohlte Dachgebälke daran, daß es nicht lange her ist, daß es kürzlich war, in unseren Tagen, beinahe gestern erst, als die Polen nach Vertreibung der Ukrainer über die Juden herfielen, brennend und mordend, anno 19is... Die Trümmer mahnen. Doch wie am Abhang des Vesuv über eben erst erstarrter Lava, fristet der Jude, der arme Mensch, weiter sein kümmerliches Dasein. Was aber ist alles dies gegen das siedend heiße, von unendlicher Energie zischende Ghetto in Warschau, Dzika, Gesia und Nalewki! Mag es in der übrigen Stadt still sein und leer — öde Mittagszeit, Geschäftssperre — hier siedet und braust Handel und Wandel in wahnwitzigem Tempo, in überstürzter, unbeschreiblicher, atemloser Hast. Das Treiben und Wogen im arabischen Basar von Kairo ist nicht heißer und brausender als das in dieser jüdischen Handelsstraße der nordöstlichen Metropole. Hier ist ein Stück Orient mitten in die polnische Hauptstadt gestellt. Du biegst um die Straßenecke und stehst in einer anderen Welt. Hier sind die Läden der Seiden- und Pelzhändler („Futra“), hier Agenturen und Speditionen. Juweliere und Realitätenhändler. Ein alter mit kümmerlichem, gelblich-weißem Ziegenbart, die schwarze Mütze auf dem Kopf, trägt eine ungeheure Last von Fellen, zu riesigen Ballen zusammengeschnürt, auf seinem gebeugten Nacken. Der „Sabal“ (Lastträger) des Orients — hierher verschlagen. Unzählige schmale, kümmerliche Agentengestalten, Gelegenheitshändler, sogenannte „Luftmenschen“, treiben sich hier umher, verarmte Spekulanten, Hungerleider, Menachem Mendls, wie Scholem Alechem sie schildert. Viele, die tagelang nichts verdienen, kaum einen Groschen auf Sabbat, ausgemergelte Gesichter — dabei die Stube voll Kinder, Nalewki. Jammer der Galuth. Und daneben der schwerreiche Pelzhändler und Häuserspekulant. Nalewki... Ich frage bedrückt, bekümmert. Ich erfahre: Drei jüdische Gewerbeschulen gibt es in Warschau. In die polnischen Gewerbeschulen werden nahezu gar keine jüdischen Schüler aufgenommen. In die Gymnasien eine minimale Anzahl. Furchtbar schwer für den Juden, eine gesicherte Existenz zu finden. Überflüssig zu sagen, daß er von der Beamtenlaufbahn absolut ausgeschlossen ist — nur in Galizien finden sich vereinzelt jüdische Beamte aus der Vorkriegszeit. Die polnische Regierung arbeitet systematisch. Nahezu unverhohlen — wenngleich offiziell geleugnet — geschieht die Verdrängung der Juden aus ihren Positionen. Gewiß, man müsse den Bauernstand heben, müsse Konsumgenossenschaften einführen; folglich wird der jüdische Händler mit einem Schlag aus weiten Absatzgebieten ausgeschaltet. Unbestritten — das Branntweinmonopol der Regierung war ein Schachzug gegen die Juden. Wozu sollen sie Schnaps ausschenken und den polnischen Bauern vergiften? Die polnische Regierung kann das ebenso gut, womöglich noch besser. Mag der betrunkene Bauer ihren eigenen Säckel füllen. Gewiß, es geht darum, dem Juden die Intelligenzberufe zu verschließen. Das polnische Volk hat keinen Mittelstand. Handel und Intelligenz sind von ihm zu erobern. Was schert es den polnischen Staat, daß dabei — sozusagen über Nacht — Hunderttausende von Juden, ein ganzer Stand der Staatsbürger Polens, brotlos werden? Daß die aufwachsende jüdische Jugend keinerlei reguläre Berufsmöglichkeiten vor sich sieht? Daß der große Drang, von der nationalen zionistischen Bewegung genährt, sich umzuschichten, sich produktiver Arbeit zuzuwenden, brachliegen muß, wenn der polnische Staat die Juden in diesem Bestreben ungleich mehr hemmt als fördert! Denn was nützen die wenigen, wenngleich relativ guten Gewerbeschulen, die das Judentum sich schafft, wenn seine Steuergelder im Staatssäckel für alles — nur nicht für die polnische Judenheit — verwendet werden? Und dann klagt man über die Juden als „parasitäres Element“ in geheimen Bulletins ... Wenn man durch Polen reist, und sei es selbst für kurze, allzukurze Zeit, so wird man sehend; man versteht, daß selbst der nationale Ruf nach Befreiung nicht wirklich bis in die letzten Tiefen des polnischen Judentums dringen kann, solange nicht Hand in Hand damit eine völlige Erfassung des sozialen Lebens, eine Umgestaltung und Umschichtung des jüdischen Volkes an Ort und Stelle geht. Aus dieser Judenheit kann man nicht viele Mittel für den Aufbau Palästinas gewinnen. In diese jüdische Gasse muß man investieren: Die Preiswürdigkeit eines Pianos ist nach einer nur einmaligen Spielprobe nicht leicht zu* beurteilen. Mehr als sonstwo wird deshalb der Käufer des Klaviers auf die Vorschläge des FachmanneS| hören. Wenn wir Ihnen zu £ 4 Alverpen Pianos raten, so empfehlen wir Ihnen ein Instrument, das bei äufeerst niedrigem Preis alle guten Eigenschaften eines Markenpianos besitzt: mustergültige Bauart, ausgeglichener, voller Ton in allen Lagen und unbegrenzte Haltbarkeit 1 Als alleinige Niederlage auch anderer führender Pianomary ken können wir allen Qualitäts- Wünschen in vielen Preislagen, bei angenehmster Zahlungsweise entsprechen. Pianohaus Hirsch am Sendlingeriorplaiz München / Lindwurmstrahe 1