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Das jüdische Echo · 1929-05-24 · 21 (24.5.1929) · p. Seite 329

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
Seite 329 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 329 Ruhesitzes für ihn einzustellen. Mit feinem Sarkasmus fügte der Gelehrte hinzu, das Leben sei zu kurz, und die Angelegenheit des Ehrengeschenkes an ihn habe ihm schon zu lange gedauert, als daß er es jetzt noch annehmen könne. Wie der Ullsteindienst erfährt, hat Professor Einstein das Grundstück in Caputh, das der Magistrat Berlin ihm zur Verfügung stellen wollte, jetzt für eigne Rechnung gekauft, um sich dort ein Sommerhaus erbauen zu lassen. Berlin, 16. Mai. (JTA.) In der gestrigen Magistratssitzung wurde die Angelegenheit des Geburtstagsgeschenkes für Professor Einstein noch einmal durchgesprochen. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß der Oberbürgermister Böß und Stadtrat Zangemeister mit Professor Einstein in Verbindung treten sollen, um ihn zu einer Zurücknahme der Ablehnung zu bewegen. Die „Vossische Zeitung“ findet es nicht ohne Interesse, daß Stadtrat Zangemeister, der der Deutschnationalen Fraktion angehört, diese Vermittlungsaktion übernommen hat, nachdem infolge der Verschleppungstaktik der Deutschnationalen Einstein seinen Verzicht ausgesprochen hat. Der jüdische Segelflieger Robert Kronfeld gewinnt den Preis für Langstreckenflug Berlin, 16. Mai. (JTA.) Der Segelflieger Robert Kronfeld, ein jüdischer Studierender der Wiener Technischen Hochschule, ist mit dem von ihm selbst konstruierten Segelflugzeug ohne Motor am Mittwoch um 10.30 Uhr in Berbeshövede bei Rheine gestartet und um 16 Uhr südöstlich von Detmold gelandet. Der Langstreckenrekord für Segelflieger, der bis jetzt mit 72 Kilometer gehalten wurde, ist damit gebrochen. Kronfeld hat den 5000-Mark- Preis der „Grünen Post“ des Ullstein-Verlages gewonnen. Die Strecke Berbeshövede—Detmold beträgt etwas über 100 Kilometer, Kronfeld ist aber 145 Kilometer geflogen; er verstand es, sich auf 70 Meter Höhe hinaufzuschrauben, wodurch er die Quertäler des Teutoburger Waldes überfliegen konnte. Er umkreiste das Hermanns-Denkmal bei Detmold und strebte dann in einem prächtigen Gleitfluge seinem Ziele zu. Bei der Landung wurde er vom Vertreter des Bürgermeisters in Horn empfangen. Heute ist er Gast der Stadt Bielefeld, abends wird er als Gast der Stadt Münster i. W. begrüßt werden. Der österreichisch-jüdische Jungflieger Robert Kronfeld hatte kurz vorher den Höhenrekord im Segelflug geschlagen. Die Stadt Wien hat ihm zur Fortsetzung seiner Segelflug-Studien eine Subvention von 6000 Schilling bewilligt. Vom 10. bis 17. September Agudah-Weltkongreß ln Wien Wien, 16. Mai. (JTA.) Das Präsidium und der geschäftsführende Ausschuß der Weltorganisation Agudas Jisroel haben den zweiten Weltkongreß der Agudas Jisroel (Kenessio Gedaulo) für die Zeit vom 10. bis 17. September nach Wien einberufen. Es werden etwa 1000 Delegierte aus allen Ländern mit einer jüdischen Bevölkerung erwartet. In einem vom Präsidenten der Weltagudah, Rabbiner Dr. Pinchas Cohn, Rabbiner J. L. Lewin (Warschau) und Herrn Jacob Rosenhein (Frankfurt a. M.) Unterzeichneten Aufruf werden alle thoratreuen Juden aufgefordert, sich an den Wahlen zur Kenessio Gedaulo zu beteiligen. Am 23. bis 26. Juli Wizo-Weltkongreß in Zürich London, 14. Mai. (JTA.) Vom 23. bis 26. Juli, unmittelbar vor dem 16. Zionistenkongreß, wird in Zürich die fünfte Konferenz des Weltverbandes zionistischer Frauenvereine (Women s International Zionist Federation) stattfinden. Zahlreiche Delegierte aus den europäischen, aus den Überseeländern und aus Palästina werden erwartet. Friedhofschändung in der Tschechoslowakei Budapest, 12. Mai. (JTA.) Dem „Pester Lloyd“ wird aus Olmütz (Mähren) telegraphiert: Auf dem alten jüdischen Friedhof von Prerau, der seit 50 Jahren nicht mehr benutzt wurde, sind in der Nacht auf heute 38 Grabsteine umgestürzt und fachgemäß zerschlagen worden. Die Tat muß von einer ganzen Bande verübt worden sein. Auflösung der letzten Chaluzkolonie in Rußland Moskau, 6. Mai. (JTA.) Die Kolonie „Mischmar“ auf der Krim, die letzte der C'haluzim-Kolonien in Rußland, wurde von den eigenen Mitgliedern aufgelöst, weil die Sowjetverwaltung sie zwingen wollte, auch Nichtchaluzim in die Kolonie aufzunehmen, was aber den Charakter der Kolonie verwischt haben würde. Die Mischmar-Chaluzim ersuchten die Zentralregierung um die Erlaubnis, nach Palästina auswandern zu dürfen. Das Siedlungsprogramm des Agrojoint für 1929 Ansiedlung von weiteren 2265 Familien New York, 29. April. (JTA.) Herr James N. Rosenberg, Präsident der amerikanischen Gesellschaft für jüdische Landansiedlung in Rußland (Agrojoint), veröffentlicht soeben einen Bericht des Direktors von Agrojoint in Rußland, Dr. Joseph A. Rosen, mit dem Arbeitsprogramm für das Jahr 1929. Danach werden in diesem Jahre 2265 Familien mit rund 11 000 Seelen durch Agrojoint in Rußland angesiedelt werden, von ihnen 1925 in der Ukraine, 700 in der Krim und der Rest im Gebiet von Nikolajew. Bis zu diesem Jahre wurden vom Joint Distribution Committee in Rußland auf den von der Sowjetregierung zur Verfügung gestellten Böden jüdische Familien mit einer Seelenzahl t)on 125 000 angesiedelt. Dia Arbeit von 1929 gehört bereits in den Rahmen des neuen Kolonisationswerkes, dessen Plan auf Grund des Abkommens zwischen der amerikanischen Gesellschaft für jüdische Landansiedlung in Rußland und der Regierung der Sowjetunion festgesetzt wurde. Zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung Rußlands arbeitslos Moskau, 17. Mai (JTA.) Die statistische Kommission des Moskauer „Ort“ hat festgestellt, daß ungefähr . zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung in Weißrußland und in der Ukraine ohne eine bestimmte und dauernde Beschäftigung sind. In Moskau und Leningrad ist nur die Hälfte der jüdischen Bevölkerung beschäftigt. Die jüdischen Arbeitslosen in Rußland leben zum größten Teil von der Unterstützung ihrer Verwandten in Amerika. Ernährungskrisis in Biro-Bidschan Moskau, 12. Mai. (JTA.) Der Hauptagronom der Regierungsgesellschaft Komzet, Prof. B. Bruk, der soeben aus dem jüdischen Rayon von Biro- Bidschan nach Moskau zurückgekehrt ist, teilt mit, daß sich die Arbeitslage wie die allgemeine Lage unter den jüdischen Neusiedlern von Biro-Bidschan infolge des Fehlens von Lebens- und Futtermitteln radikal verschlechtert hat. Die Krisis ist ein Resultat der vorjährigen Überschwemmungen, die z. B. die nichtjüdischen Neusiedler veranlaßt haben, ihre

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