Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo 325 Nr. 21 ungeachtet der Frage einer vorangehenden elektrischen Betäubung nähergetreten werden soll. Es müsse zuerst Gewißheit darüber herrschen, daß eine Verletzung der jüdischen Religionsvorschriften durch eine solche Betäubung in keiner Weise stattfindet. Es stünde dem nichts im Wege, daß die Experimente nach der Richtung hin fortgesetzt werden, daß die für die jüdische Religionsauffassung unerläßlichen Beweise erbracht werden. Dann würden auch die Rabbiner der Betäubungsfrage nähertreten können. Auch andere bei der Filmvorführung anwesende Schächtfreunde versuchten, an der Aussprache teilzunehmen. Soweit sie zu Worte kommen konnten, protestierten sie gegen die von Grund aus falsche Darstellung des Schächtvorganges durch den Film von Dr. Klein. Sie wiesen darauf hin, daß ein jüdischer Schächter niemals so schächtet, wie es im Film gezeigt wird. Die eindringlichen Darstellungen der Schächtfreunde wirken beruhigend auf die Menge und ließen antisemitische Schmährufe nicht mehr aufkommen. In den den Film begleitenden Vorträgen führten der westfälische Tierarzt Dr. Klein und der Münchener Universitätsprofessor Müllr aus: Die Juden hätten zu wählen, ob sie den Krieg wollen oder den Frieden. Sie werden sich zu einer Abänderung der Schächtmethoden verstehen müssen, statt wie bisher den Christen den Konsum des Trefe-Fleisches zu überlassen, das für den jüdischen Gaumen ungenießbar ist. Die österreichische hakenkreuzlerische Presse nutzt ihrerseits den Tierschutzkongreß zu einer antisemitischen Hetze aus. Später wurde im Plenum des Kongresses selbst die Erörterung über die Schächtfrage aufgenommen, wobei Schlachthofdirektor Dr. Basel (Stettin) und Stadtobertierarzt Dr. Platschek (Berlin) der Unwissenschaftlichkeit des Schächtfilms und der schächtfeindlichen Propagandaredner mit wissenschaftlich-kritischen Argumenten entgegentraten, und besonders die Rede des Münchener Professors Müller, der nicht allein ungeprüfte Gemeinplätze gegen die Schächtmethode ins Feld führte, sondern sich auch schwere antisemitische Ausfälle leistete, kritisch beleuchteten. Die an dem Kongreß teilnehmenden Antisemiten veranstalteten einen Tumult und schrien die Redner nieder. Gestern hat Rabbiner Ellguther (Neisse) auf dem Kongreß ein Referat über das Thema „Die Tierschutzgesetze im Pentateuch“ gehalten. Er zitierte alle auf den Tierschutz bezughabenden jüdischen religiösen Vorschriften. — Der Kongreß hat in der Schächtfrage keinen Beschluß gefaßt; eine Sonderkommission soll eingesetzt worden sein, die sich mit der Schächtfrage zu befassen haben wird. (Wie wir nach Schluß der Redaktion hören, wurde schließlich doch eine schächtfeindliche Resolution mit großer Mehrheit angenommen. D. Red.) Kundgebung des Bayerischen Siedlungsausschusses Der Bayerische Siedlungsausschuß, der auf Anregung des Landesverbands Bayern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Gemeinschaft mit diesem vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, vom Bayerischen Logenverband Bne Brith, der Bayerischen Rabbinerkonferenz, dem Landesverband Bayern des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem Israelitischen Lehrerverein für Bayern, dem Jüdischen Frauenbund, Landesverband Bayern, und dem Wohlfahrtsamt der Israelitischen Kultusgemeinde München gebildet wurde, hatte für Mittwoch, den 15. Mai. zu einer Kundgebung für Siedlung und Berufsumschichtung, die Lebensfragen des deutschen Judentums, in den Herkulessaal der Residenz eingeladen. Der Ausschuß hat sich zum Ziel gesetzt, zunächst eine Erhebung über den Stand der landwirtschaftlichen Arbeit und des landwirtschaftlichen Besitzes jüdischer Personen vorzunehmen, bestehende bedrohte Güter zu erhalten, für das Fortkommen der in der Landwirtschaft tätigen Juden zu sorgen, diesem Berufszweige geeignete jüdische Anwärter zuzuführen und zu diesem Zwecke eine Berufsberatungsstelle sowie einen Stellennachweis einzurichten. ln gleicher Weise soll das jüdische Handwerk unterstützt werden. Im1 Namen der Veranstalter eröffnete Herr Dr. Franz Gutmann die Kundgebung mit einer kurzen Begrüßung, worauf Herr Rittergutsbesitzer Rudolf S. Mosse (Stangenhagen) die bereits in Deutschland bestehenden Siedlungsprojekte erörterte. Er bejaht sowohl die Frage, •TU: MERCEDES-BENZ Ein Wagen, den alle bewundern zuverlässig — bequem elegant — preiswert DAIMLER-BENZ A.-G. Verkaufstelle München, Lenbachplatz 4 ■ Fernruf 59390 LEITER: DIREKTOR JAKOB WERLIN