Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-05-24 · 21 (24.5.1929) · p. Seite 324

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9164503--09466-9082375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

324 Das Jüdische Echo Nr. 21 treten wird', gehört Palästina, als ehemaliges römisches Dominium, nach der faschistischen Ideologie zu Italiens Machtsphäre. Hierzu kommt noch, daß die italienische Mittelmeerpolitik einer solchen Fußfassung des Vatikans durchaus sympathisch gegenübersteht. Formell hat wohl das in Italien nichts weniger als beliebte Frankreich, diese etwas ungebärdige „erstgeborene Tochter der Kirche“, das Protektorat über 'die Katholiken im Orient inne, damit ist es aber in Palästina in Wirklichkeit schon längst zu Ende. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Monsignore Barlassina, der ein geschworener Judenfeind ist und dessen „unmittelbar bevorstehende“ Abberufung seit vielen Jahren nach jeder von ihm in Szene gesetzten Judenhetze feierlich versprochen wird, wird für die wirksame Wahrung der nunmehr vereinigten italienischen und päpstlichen Interessen in Erez Israel bestens Sorge tragen. Wenn er auch in seiner Jugend in Turin sehr eifrig das große Werk des Maimonides, „Führer der Unschlüssigen“, in hebräischer Sprache studiert hat, ist er niemals unschlüssig, wenn es darum geht, den Juden eins am Zeug zu flicken. Zwei Ereignisse der letzten Zeit sind übrigens sehr bezeichnend für die Rüstungen des Vatikans. Vor allem die Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Palästina und die Absage der Palästinareise des Oberhauptes der anglikanischen Kirche, die über Einspruch des päpstlichen Stuhles erfolgt sein soll. Nun wirft der Vatikan die Frage der Heiligen Stätten in Palästina auf, aber das ist nur der Anfang. Der Zionismus muß unbedingt mit einer zähen und mächtigen Gegnerschaft rechnen, die nach dem Friedensschluß mit Italien auch eine europäische Großmacht hinter sich hat. Es ist uns nicht bange davor, allein wir müssen diese Gefahr ins Kalkül ziehen, und es wäre Selbsttäuschung, wenn man vom Vatikan Wohlwollen erwartete. Die Schächtfrage Im Bayerischen Landtag München, 18. Mai. Bekanntlich hat sich der Landtag wiederholt mit der Frage eines gesetzlichen Schächtverbotes 'befaßt und die Vorlage eines Gesetzentwurfes über das Schlachten der Tiere beschlußmäßig gefordert. Da der Gesetzentwurf bis jetzt noch nicht vorgelegt ist, beschäftigte sich der Verfassungsausschuß des Landtags am Freitag an der Hand von Eingaben neuerdings mit der Sache. Dabei wurde von deutschnationaler und nationalsozialistischer Seite entschieden verlangt, daß in dieser Angelegenheit jetzt endlich der Landtagsbeschluß durchgeführt werde. Die Regierung erklärte, daß der vom Landtag verlangte Gesetzentwurf bereits ausgearbeitet sei, daß aber der Ministerrat wegen anderweitiger Arbeitsüberhäufung noch keine Gelegenheit gehabt habe, den Entwurf neuerdings zu beraten. Inzwischen hätten sich bei den Instanzen des Judentums Zweifel ergeben, ob das elektrische Betäubungsverfahren den religionsgesetzlichen Anforderungen der Juden genüge. Die Rabbinerkonferenz sei zurzeit außerstande, ein abschließendes Urteil abzugeben. Das Kultusministerium sei der Meinung, daß das Material in dem Gutachten der Rabbinerkonferenz Anlaß zu einer genauen, nochmaligen Prüfung geben müsse, bevor der Gesetzentwurf an den Landtag gehen könne. Nachdem in der Aussprache seitens der Bayerischen Volkspartei die möglichst baldige Klärung der Angelegenheit gefordert wurde, fand ein sozialdemokratischer Antrag auf Aussetzung der Beschlußfassung Annahme, damit die Fraktionen des seit dem seinerzeitigen Landtagsbeschluß neu zusammengesetzten Landtags Gelegenheit haben, zu der Frage nochmal Stellung zu nehmen. Auf dem Wiener Internationalen Tierschutzkongreß Wien, 16. Mai. (JTA.) Am 12. Mai wurde in Wien in Anwesenheit der Staats- und städtischen Behörden, einer Reihe von Gesandten und zahlreichen Gästen der Internationale Tierschutzkongreß eröffnet. Dem Notabel-Ehrenkomitee gehörte auch Rabbiner Dr. Feuchtwang an. Zu der Versammlung haben sich etwa 120 Delegierte aus vielen Ländern eingefunden. Besonders stark sind die deutschen Tierschutzvereine vertreten. Eine der beantragten Entschließungen fordert die Betäubung vor jeder Schlachtung. Schon bei den Vorverhandlungen mit der Kongreßleitung, die in den Händen des Wiener Tierschutzvereins liegt, ist die entschiedene Einseitigkeit in der Frage der jüdischen Schächtung unangenehm aufgefallen. So wurde bereits im voraus gesagt, es würden keine Wortmeldungen von Fürsprechern der Schächtmethode entgegengenommen werden. Einzig Rabbiner Dr. Feuchtwang wurde späterhin die Zulassung zum Rednerpult zugesagt. Wie weit man aber den Gegnern des Schächtens Entgegenkommen zeigte, trat schon am ersten Verhandlungstage, am Montag, hervor, als Professor Uhde, dessen Referat dem Alkoholismus gegolten hat, völlig unbeanstandet einen großen Teil seiner Ausführungen zu scharfen Ausfällen gegen das Schächten benutzte. Am Mittwoch nachmittag wurde ein Film von Schlachthofdirektor Dr. Klein (Lennep) vorgeführt, der die Grausamkeit der Schächtmethode demonstrieren sollte und der von Vorträgen begleitet war, die ebenso unwissenschaftlich waren, wie der Film selbst. Die anwesenden Schächtfreunde protestierten in sehr scharfer Form gegen die unverkennbar tendenziöse Aufmachung der ganzen Veranstaltung. Anwesende Antisemiten, zum Teil auch Kongreßteilnehmer, erwiderten mit judenfeindlichen Schimpfworten. Es entstand ein Tumult, der in Zusammenstöße auszuarten drohte. Der Wiener Oberrabbinerstellvertreter, Dr. Feuchtwang, versuchte auf die Anwesenden beruhigend einzuwirken und wies darauf hin, daß die jüdische Religion den Tierschutz als ein Gebot proklamierte. Er erklärte, daß nach wissenschaftlicher Feststellung das Schächten an sich schon eine Betäubung bewirke, daß aber dessen- Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Joh. Winklhoier & Söhne München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.