Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 316 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9164497--09457-9082366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
316 Das Jüdische Echo Nr. 20 bis zu 50 Prozent zu beschäftigen, aber erst, wenn die neuen Maschinen eingetroffen sein werden. Die Gemeinde erfuhr aber, daß die Maschinen erst in mehreren Monaten zur Stelle sein und darin nur wenigen Arbeitern Beschäftigung bieten werden. Mehrere jüdische Vereinigungen haben bereits ihren Entschluß kundgetan, von der Gesellschaft keine Elektrizitätskraft und Licht zu beziehen, wenn sie nicht sofort jüdische Arbeiter in entsprechender Zahl anstellt. Abermals antijüdische Ausschreitungen an der Klagemauer — Die betenden Juden mit Steinen beworfen — Der jüdische Aufsichtsbeamte schwer verletzt Jerusalem, 6. Mai. (JTA.) Während der jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer zu Jerusalem am Freitag abend und am Sonnabend1 morgen wurden die jüdischen Andächtigen von Moslemiten mit Steinen beworfen, von denen mehrere der betenden Juden getroffen und verletzt wurden. Der jüdische Aufsichtsbeamte (Schammes) wurde schwer verletzt. Ein „Chaim-Weizmann-Lehrstuhl für internationalen Frieden“ Jerusalem, 9. Mai. (JTA.) Ein englischer Zionist hat die Anregung gegeben, an der Hebräischen Universität zu Jerusalem einen Lehrstuhl für internationale Friedensarbeit einzurichten und diesem Lehrstuhl den: Namen des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Professor Chaim Weizmann zu geben. Der Anreger hat gleichzeitig einen Betrag von 15 000 Pfund zur Erhaltung des Lehrstuhls gestiftet. Dr. Weizmann sandte an den Stifter ein Telegramm, in welchem er ihm im Namen der Universität und im eigenen Namen den Dank für die Anregung und die hochherzige Stiftung zum Ausdruck bringt. Geschäftliches Pfingsten in den Bergen. Das jedem Sportfreund bestbekannte führende Sporthaus Schuster, München 2 C 7, Rosenstraße 6, dessen Inhaber August Schuster für fast alle Sportarten als hervorragender Führer genannt werden muß, hat soeben die neuen Sommerkataloge für Berg-, Auto- und Motorsport, Tennis, Badeartikel, Turnen und Leichtathletik herausgebracht. Alle Artikel, insbesondere die Spezialartikel unter der Schutzmarke ASMü sind in praktisch erprobten Ausführungen zu mäßigen Preisen erhältlich. Die Kataloge werden auf Wunsch kosten- und portofrei jedem Interessenten zugesandt. Die gesunde Frau ist immer glücklich und schön. Ihre Persönlichkeit atmet stets jugendliche Frische. Aber auch sie ist vor schädlichen Einwirkungen von außen nicht ganz gesichert. Wind und Staub tragen stets Krankheitskeime in sich. Eine Prise Kaiser-Borax dem täglichen Waschwasser beigegeben, desinfiziert die Haut, heilt und verhütet Gesichtsausschläge und sonstige Erkrankungen der Haut und gibt dem Teint den rosigen Schimmer der Gepflegtheit und Gesundheit. Aber Kaiser-Borax muß es sein, der nur in den roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung von der Firma Heinrich Mack Nachf., Ulm a. d. D., geliefert wird. Gemeindenu. Vereins-Echo Wähler Versammlung des Gesamtausschusses der Ostjuden Die Prominenten der ostjüdischen Kolonie waren zum Empfangsabend der zionistischen Ortsgruppe geladen. Man hat nun gewiß nicht jeden Tag Gelegenheit, Felix Warburg zu hören; daß trotzdem fast alle es vorzogen, zur Versammlung des Gesamtausschusses zu erscheinen, beweist von neuem, welche Bedeutung ihm innerhalb der ostjüdischen Gemeinschaft zukommt. Man bedenke ferner, daß als Referent Herr Jakob Reich angekündigt war, und es wird weiter nicht verwunderlich erscheinen, daß der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Jakob Reich schilderte zunächst die Entwicklung der ostjüdischen Gemeinschaft — dabei besonders kennzeichnend die Einstellung der Gemeindevertretung ihr gegenüber —, angefangen von der Zeit, als man den Ostjuden drohte, falls sie wagen sollten eine eigene Synagoge zu eröffnen, diese polizeilich sperren zu lassen — bis zu den Vorgängen in der letzten Gemeindevertretersitzung, in der zwei Ostjuden Stimmrecht haben. Es war ein Rechenschaftsbericht des Gesamtausschusses. Eine Bilanz seiner Leistungen, und man kann) sagen, daß man für den Anfang zufrieden sein darf mit dem, was der Gesamtausschuß erreicht hat — wie der Redner wiederholt betonte — in engster Zusammenarbeit mit der mit der zionistischen Fraktion. Ein Viertel (?) der jüdischen Bevölkerung Münchens sind Ostjuden. Waren auch die Funktionen ihrer Vertretung, der Gesamtausschuß, zeitweilig durch kleine Gruppen bedroht, so sind doch heute alle Gruppen einig, und sie bilden in ihrer Gesamtheit eine starke Gemeinschaft, als deren alleinige und allgemein anerkannte Vertretung der Gesamtausschuß der Ostjuden Münchens fungiert. Die orthodoxen, ebenso wie die zionistischen ostjüdischen Stimmen gehören in Zukunft dem Gesamtausschuß der Ostjuden. Die orthodoxen, ebenso wie die zionistischen Vertreter der Ostjuden werden ihre Mandate aus den Händen der Ostjuden entgegennehmen, nicht aber von der Z. O.-G. bzw. vom Ohel Jakob zu bestimmen sein. In Zukunft können nur die von der Gesamtheit der Ostjuden bestimmten Vertreter in die Gemeindevertretung gewählt werden. Der Redner wies schließlich noch darauf hin, daß ganz besonders die zionistische Fraktion sich für unsere Interessen einsetzt, während die Orthodoxen eine reservierte Haltung einnehmen. Trotzdem; wir wollen keinen Kampf mit Ihnen, vielmehr wäre uns eine Zusammenarbeit mit Ohel Jakob durchaus erwünscht. Zusammenfassend betont der Referent, daß unsere Vertreter auch weiterhin bemüht sein werden, Einfluß zu gewinnen auf die sachgemäße Verwendung und Verteilung eines Teiles unserer Steuermittel für unsere kulturellen und sozialen Bedürfnisse. An der Diskussion beteiligte sich eine Anzahl Herren, die im wesentlichen den Ausführungen des Herrn Reich zustimmte und ihrer Freude Ausdruck gab über die Geschlossenheit innerhalb der ostjüdischen Gemeinschaft — die eine Gewähr für eine wirksame Arbeit ihrer Vertreter in der Gemeinde biete. Georg G i d a 1 e w i t s c h.