Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 314 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Das Jüdische Echo Nr. 20 liberale Delegierte stellen den Antrag, die Sitzung nochmals um einige Minuten zu unterbrechen, um zu erreichen, daß wenigstens der Fraktionszwang aufgehoben wird. Aber der Antrag geht nicht durch und damit fällt auch der Keren-Hajesscd- Posten. Gegen die beiden Stimmen der Freien Linken wurde der Posten des Central-Vereins von RM. 300.— mit Stimmenthaltung der Volkspartei bewilligt. Die Kultussteuer wird in diesem Jahre 1 Prozent weniger betragen. Das Altersheim wird vollständig umgebaut werden, man wird auch wahrscheinlich noch mit dem Umbau des Schwesterheims in diesem Jahre beginnen. Nachzutragen ist, daß am Anfang der Sitzung gleich bekannt wurde, daß der Staatsanwalt den „Stürmer“ wegen eines Artikels über Manau beschlagnahmt hat und daß während der ganzen Sitzung immer wieder der Name Manau genannt wurde. Es zeigt sich wieder einmal, daß alles möglich ist und daß man nicht gut daran tut, 1923 so schnell zu vergessen. —b— Aus der jüdischen Welt Tagung der Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen israelitischen Landesverbände Stuttgart, 12. Mai. (JTA.) Am 5. Mai 1929 fand in Stuttgart, dem Vorort der Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen israelitischen Landesverbände, eine Besprechung statt, bei welcher von Bayern die Herren: Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), Seminaroberlehrer Stoll (Würzburg), von Baden die Herren: Professor Dr. Stein (Karlsruhe), Rabbiner Dr. Unna, Rabbiner Dr. Oppenheim, Dr. Hartoch und Dr. Moses aus Mannheim, Dr. Ellenbogen, Dr. Fritz Strauss und R.-A. Marx aus Karlsruhe, Dr. Pfälzer (Weinheim), Dr. Kaufmann (Heidelberg), von Hessen: Kommerzienrat B. A. Mayer (Mainz), von Württemberg: Regierungsrat Dr. Nördlinger, Louis Hirsch, Julius Rothschild, Leopold Levi, R.-A. Dr. Gunzenhauser, Rabbiner Dr. Rieger, R.-A. Dr. Wolf, sämtliche in Stuttgart, und J. Flegenheimer (Heilbronn) anwesend waren. Es wurden bei der Tagung folgende Gegenstände besprochen: a) Reichsarbeitsgemeinschaft, b) Soziale Aufgaben der Verbände, c) Arbeiterkolonie, d) Unterstützung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin auf Bildung eines Ausgleichfonds aus den aufgewerteten Stiftungskapitalien, f) Ferienfortbildungskurse für Rabbiner und Religionslehrer, g) Unterstützung der Rabbiner- und Lehrerseminare, h) Herausgabe einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, i) Gehälter der Rabbiner (Anfrage der Jüdischen Gemeinde Berlin), j) Zuschußgesuch der Misrachi-World-Organisation. Bei den meisten Fragen wurde eine grundsätzliche Einigung erzielt. Die Tagung selbst, die unter dem Vorsitz des Präsidenten des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, Regierungsrat Dr. Nördlinger, stattfand1, nahm einen harmonischen Verlauf. Der Stadtrat von Koburg wird durch Volksentscheid aufgelöst, weil er einen nationalsozialistischen Hetzer entließ Berlin, 7. Mai. (JTA.) Ein Volksbegehren von ganz besonderer Art ist am Sonntag, dem 5. Mai, in Koburg zur Entscheidung gekommen. Ein städtischer Schlachthofangestellter namens Schwede, ein führender Nationalsozialist, trieb eine so hemmungslose antisemitische Propaganda, daß der Direktor der Koburger Fleischwarenfabrik Großmann, Kommissionsrat Friedmann, dagegen protestierte, als Kunde der städtischen Werke fernerhin mit Schwede verhandeln zu müssen. Schwede wurde darauf vom Stadtrat verwarnt und, da dies nichts nutzte, entlassen. Daraufhin haben die Nationalsozialisten ein Volksbegehren beantragt, das die Auflösung des Stadtrats und Neuwahlen zum Ziele hatte. Nachdem es ihnen gelungen war, die erforderliche Zahl von Unterschriften und schließlich auch die Genehmigung der Regierung zu erlangen, wurde am Sonntag die Volksabstimmung durchgeführt. Die vaterländischen Verbände, der Stahlhelm, verschiedene Kriegervereine, und der Verein heimattreuer Oberschlesier gingen Hand in Hand mit den Nationalsozialisten. Besonders das Verhalten der Kriegervereine und der heimattreuen Oberschlesier weckte Erstaunen, da diese Vereine nicht wenige jüdische Mitglieder in ihren Reihen haben. Es wurden 9614 Stimmen für und 4266 Stimmen gegen die Auflösung des Stadtrates abgegeben. Da für den Erfolg des Volksentscheids 60 Prozent der abgegebenen Stimmen erforderlich waren, haben die Nationalsozialisten mit ihrem Antrag Erfolg gehabt: der Koburger Stadtrat ist aufgelöst. Der Vorsitzende der Mannheimer jüdischen Gemeinde Dr. Julius Moses zum Hochschulprofessor ernannt Mannheim, 10. Mai. (JTA.) Der Vorsitzende der Mannheimer Jüdischen Gemeinde, Herr Dr. med. Julius Moses, bisher Dozent an der Handelshochschule, ist vom Badischen Staatsministerium zum Professor an der Handelshochschule ernannt worden. Herr Professor Dr. Julius Moses, der vor einigen Monaten seinen 60. Geburtstag gefeiert hat und aus diesem Anlaß Gegenstand ehrender Aufmerksamkeit seitens weiter Kreise des deutschen Judentums gewesen ist, steht seit Jahrzehnten an führender Stelle im jüdischen sozialen und geistigen! Leben, sowie der zionistischen Bewegung. Der neue Sächsische Landtag Dresden, 13. Mai. (JTA.) Im Freistaat Sachsen fanden am gestrigen Vormittag die Wahlen zum Landtag statt. Die Sozialdemokraten steigerten ihre Mandatszahl von 31 auf 33, die Deutschenationalen haben von ihren früheren 14 Mandaten nur 13 behalten, die Deutsche Volkspartei steigerte ihre Mandatszahl von 12 auf 13, die Wirtschaftspartei von 10 auf 11. Die Kommunisten verfügen ^München 9ZosenstraßeS SCHRAMM Z$ütortiierte~ SÜerfcmßä