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Das jüdische Echo · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. Seite 313

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
Seite 313 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 313 Das Jüdische ,Echo Antisemitischer Geheimdienst im WTB.? Berlin, 6. Mai. (JTA.) Die Zeitung „Montag Morgen“ veröffentlicht unter der Überschrift „Politischer Skandal im WTB.“ die folgende aufsehenerregende Mitteilung: „Die Reichsregierung wird sich in den nächsten Tagen mit einem groben politischen Vertrauensbruch des halbamtlichen Wolffschen Telegraphenbüros befassen müssen. Diese Telegraphenagentur wird bekanntlich von der Regierung subventioniert und ist dafür verpflichtet, einen objektiven, parteipolitisch-neutralen Nachrichtendienst zu pflegen. Wie aus der Provinz gemeldet wird, vertreibt WTB. seit neuerer Zeit aber auch einen sogenannten ,T-Sonderdienst‘, der sich nach Ton und Inhalt als rein völkisch-deutschnationale Parteiagitation kennzeichnet. So meldete dieser ,T-Sonderd'ienst‘ beispielsweise unter dem 26. April, daß eine Reihe von Ausländern ihre Einbürgerung in Preußen beantragt, und daß Bayern und Württemberg dagegen Einspruch erhoben hätten: »Leider beantragen die Ausschüsse des Reichsrates, diese Bedenken für unbegründet zu erklären, und die Vollversammlung beschloß in diesem Sinne, so daß wir in Kürze die neuen Freunde im Kaftan oder Polenrock als Mitbürger begrüßen können. Mit Recht wird in einem Berliner Blatt darauf hingewiesen, daß diese östlichen Menschen den Deutschen das ohnehin zu knappe Brot wegnehmen und wenn sie für ihre Tätigkeit, die sicherlich keine Kulturwerte schafft, keinen günstigen Boden in Deutschland finden, frisch aufgebügelt als Preußen weiter nach Westen ziehen, wo sie den deutschen Namen in Mißkredit bringen/ Hier wird also von dem amtlichen Nachrichtenbüro im Stil eines Hitlerblattes gegen einen Reichratsbeschluß polemisiert.“ Die Zeitung führt noch einige andere Fälle rechtsradikaler Propaganda des „T-Sonderdienstes“ an und schließt: „Das Wolffsche Telegraphen-Büro ist sich übrigens der Verwerflichkeit dieser Unternehmung wohl bewußt, denn es sucht die Herkunft dieser Nachrichten zu vertuschen. Am Kopfe der Nachrichtenblätter steht nämlich zwar »Eigentum von Wolffs Telegraphen-Büro‘, darunter aber folgt: ,Als Sonderdienst oder Privattelegramm Ihrer Zeitung, nicht als WTB.-Nachrichten zu behandeln!“ Den Zeitungen wird also auferlegt, die Quelle dieser völkisch - deutschnationalen Propagandanachrichten zu verdunkeln. Es ist wohl sicher anzunehmen, daß die Regierung und notfalls der Reichstag keinen Anlaß sehen wird, diese Verhetzung auch noch mit öffentlichen Geldern zu unterstützen.“ Berlin, 7. Mai. (JTA.) Zu den Enthüllungen des „Montag Morgen“ über reaktionär-antisemitische Propaganda des „T-Sonderdienstes“ des offiziösen Wolffschen Telegraphen-Büros erfahren wir, daß die Leitung des Wolffschen Büros nicht bestreitet, daß der „T-Sonderdienst“ tatsächlich besteht; sie gibt auch die Richtigkeit der Zitate zu, macht aber für sich geltend, der Sonderdienst sei von den eigentlichen Wolff-Depeschen streng geschieden, das Wolff-Biiro habe mit ihm eigentlich nichts zu tun. Diese Entschuldigung ist in jeder Beziehung unbefriedigend. Das Wolff- Büro ist und bleibt eine offiziöse Telegraphen- Agentur, die bestimmte Vorteile nur deshalb genießt, weil sie der gesamten Presse gegenüber als neutrales, jeder Parteipolitik fernstehendes Unternehmen gilt. Von zuständiger Quelle wird erklärt, daß dieses Sonderunternehmen des halbamtlichen Wolffschen Telegraphen-Büros der Reichsregierung durchaus unerwünscht ist und daß Schritte eingeleitet werden, mit dem Ziele des baldigen Abbaus dieses Unternehmens. Das Budget der Nürnberger Gemeinde Wenn man auch der Ansicht sein darf, daß wir Juden, vielleicht noch mehr als die Engländer, Talent zur Demokratie haben, so hat man trotzdem am Schlüsse der Sitzung der Gemeindevertretung den Eindruck, daß da etwas nicht stimmt. Man fragt sich immer wieder, ob diese Gemeindevertretung wirklich noch der Ausdruck des Willens der Gemeinde ist. Letzten Endes geht es bei jedem Beschluß, der in einer jüdischen Kultusgemeinde gefaßt wird, immer darum, als was man die Kultusgemeinde auffaßt: ob als Verwaltungsstelle, für die rein kultischen Bedürfnisse und die dazu gehörigen Zedokoh-Institutionen, oder als eine Organisation, die für alles Sorge trägt, was für Gegenwart und Zukunft dieser Gemeinde wichtig ist. Ausgesprochen deutlich zeigt sich das natürlich im Budget und man konnte in der letzten Sitzung vom 8. Mai der Gemeindevertretung der Nürnberger Gemeinde manches Interessante erleben. Bei der Budgetaufstellung wird nämlich klar, wofür man Geld hat und wofür nicht oder mit anderen Worten, was man für das Wichtigste hält. Wenn heute z. B. die Staatsmänner Europas die absolute Friedensliebe ihrer Staaten verkünden, so genügt ein Blick ins Wehrbudget, um sie samt und sonders Lügen zu strafen. Die Kultusgemeinde Nürnberg hat einen ordentlichen Ausgabeetat von ungefähr RM. 450 000.—. Die Abstimmungen über die einzelnen Punkte dauerten von 8.30 bis 12.30 Uhr und de-r vorgelegte Etat wurde angenommen. Dabei wurde eine neue Revisionsmethode beschlossen, außerdem erfolgte eine Interpellation der Freien jüdischen Linken bezüglich der Kasualien der Kultusbeamten. Und so wäre die Sitzung ebenso verlaufen, wie vielleicht schon viele Budgetsitzungen in früheren Jahren, wenn nicht ein Antrag der Volkspartei Vorgelegen hätte, der die Einsetzung eines Betrages von RM. 2000.— für den Keren Hajessod ins Budget verlangte. Dr. Nußbaum begründete den Antrag, und wies auf München hin, das auch RM. 2000.— bewilligt habe. Der frühere Einwand, daß der Keren Hajessod nicht neutral sei, könne nicht mehr aufrechterhalten werden in Anbetracht der Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency und der Feststellungen von Wassermann und Dr. Baeck. Dr. Jung, Führer der liberalen Fraktion, erklärte dagegen, daß die liberale Fraktion auch diesmal gegen die Bewilligung sei und den Fraktionszwang in diesem Punkte beschlossen hätte. Und nun kommt das Merkwürdige. Verschiedene Besucht den Münchener Tierpark Hellabrunn!

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