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Das jüdische Echo · 1929-05-17 · 7 (17.5.1929) Der letzte Waldjude · p. Seite 25

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
7 (17.5.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-05-17
Page
Seite 25 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' 25 Kind in die Wangen kneife? Wie sie zittert! Hast du Angst um das Söhnchen? Der Bub lebt! Er lebt! Dein kleiner Bub hat den Pächter verprügelt wie ein Räuber, nicht wie ein kleiner Bub! Und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte er sich auch auf mich geworfen! Weine nur, weine! Weine über dein Unglück, liebe Frau, daß du mir ein so gutes Kind erzogen hast! Für den haben sich deine Frommen ordentlich Mühe gegeben!“' Dwojrele antwortete nicht; sie setzte sich aufs Bett und trocknete ihre feuchten Augen mit dem türkischen Schal. „Kannst du mir nicht sagen, warum sie weint?“ fragte Abraham erregt Brajne. „Allen meinen Feinden wünsche ich solche Freuden!“ antwortete Brajne, schneuzte sich in die Schürze und zwinkerte wiederholt mit den Augen. „Na, ja, das habe ich nötig gehabt!“ Abraham verzog den Mund zu einem Lächeln und rückte sein Käppchen in einemfort von der Stirne in den Nacken und wieder zurück. „Alle gegen mich! Gut, gut!“ „Du bist doch ein Vater!“ Dwojrele sprang auf. „Wie kann man nur einen Buben allein im Walde lassen? Wo ist dein Mitleid? Man muß das Herz eines — weiß ich was haben, ein Goj tut das auch nicht! Der Bub kann sich noch etwas antun.“ „Was wollt ihr alle von mir haben?“ schrie Abraham. „Was ist geschehen, habe ich eine Todsünde begangen? Sollte ich vielleicht das brave Kind auf den Arm nehmen und es nach Hause tragen? Das wird er erleben! Wenn der Herr Sohn mit dem Weibsbild in den Wald gefunden hat, so wird er auch zurückfinden, dafür stehe ich ein!“ „Hättest du aber mir gefolgt“ — Dwojrele deutete mit der Fingerspitze auf ihr Herz — „von der ersten Minute an habe ich gefordert: Schaff den Pächter ab, wozu brauche ich ein Unglück über meinem Haupt? Willst du das nicht, so schick’Mordechai nach Kozk!“ „Ich habe gegen den Pächter gar nichts!“ unterbrach sie Abraham. „Er ist ein ruhiger (Mensch! Und wenn ich ihn jetzt abschaffe, dann nehme ich einem armen Manne den Bissen Brot weg, setze ihm das Messer an die Kehle, und das alles, weil wir einen Sohn haben, einen— ein— en—Taugenichts!“ „Alle jüdischen Mütter mögen solche Söhne haben!“ warf Brajne unvermittelt ein. „Mein Vater, er ruhe in Frieden, hat nie einen Pächter weggeschickt,“ sprach Abraham weiter, „ich werde es auch nicht tun! Und ich versichere dir, noch heute Nacht führt Simche seine Tochter nach Plozk; bist du nun zufrieden?“ Dwojrele begann sich wortlos anzukleiden. „Komm, Brajne, komm mit mir! Ich habe nur den einzigen Sohn!“ „Beruhigt Euch, Frau!“ Brajne faßte sie bei der Hand und küßte ihre Hände. „Wo sollen wir ihn suchen? Es ist doch Nacht.“ „Was bittest du sie?“ wandte sich Abraham an Brajne. „Laß sie laufen. Meinetwegen mag sie sich — ich weiß nicht was, mit dem Sohn zusammen!“ Dwojrele biß sich auf ihre feinen Lippen, schlang nervös den türkischen Schal um den Kopf, nahm eine Schürze, sah absichtlich an ihrem Manne vorbei und wandte sich dann an Brajne: „Kommst du? Sonst gehe ich allein.“ „Gewiß komme ich! Ich werde doch nicht die Frau allein gehen lassen.“ Als die Frauen schon bei der Türe waren, schlug Abraham mit aller Kraft die Hände zusammen. „Was geht da eigentlich vor? Ich habe, glaube ich, auch noch etwas zu sagen! Mordechai gehört ebensogut mir wie dir! Es muß doch-“ Mit einem Sprunge verstellte er den Frauen den Weg. „Du wirst nicht gehen, hörst du, Dwojrele! Mein Name ist nicht mehr Abraham, wenn du gehst. Was weinst du? Der Teufel wird ihn nicht holen! Wie sie schluchzt! Ich gehe schon, ich gehe um den Herrn Sohn, bist du nun zufrieden?“ Als Abraham draußen war, führte Brajne Dworjrele zum Bett. „Der Herr schreit, das ist schon seine Art, aber glaubt mir, Dworjrele, das Herz tut ihm genau so weh wie Euch!“ Dwojrele lehnte den Kopf an Brajnes Schulter und schluchzte wie ein Kind. Die Geißelung Mordechai erwachte einigemal und wollte aufspringen; er wußte im Schlaf, er müsse zu Rachel laufen; sie warte auf ihn. Aber seine Glieder waren steif vor Kälte und schienen an sein Lager angefroren zu sein. Vor Weh schrie er laut auf und erwachte. Es dämmerte. Alles ringsum war in Grau gehüllt. Nur im Osten begann es licht zu werden. Mordechai zitterte vor Kälte und grub sich tiefer ins Heu; er war gewiß, er würde nicht mehr schlafen, sondern nur eine Weile mit

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