Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Das Jüdische Echo Nr. 20 schiedenen Hoffnungen und Erwartungen gehen wir an die Arbeit. Unser Gast meint, daß es unter den Zionisten Gruppen gibt, zu denen er Zutrauen hat und andere Gruppen — er meint die Gegner Dr. Weizmanns —, deren Einfluß er fürchtet. Gewiß ist in der zionistischen Welt die Frage der Jewish Agency umstritten. Ich möchte aber Herrn Warburg an seine eigenen Worte erinnern: „Vor fünf Jahren fürchtete ich Dr. Weizmann, weil ich ihn noch nicht kannte.“ Man muß sich damit abfinden, daß es heute Zionisten gibt, die neue Freunde des Palästinawerks fürchten, da sie sie noch nicht kennen. Wir hoffen, daß die Entwicklung der nächsten Jahre alle davon überzeugen wird, daß ihre Furcht grundlos war. Aber gerade wir, die Verfechter des Plans der Erweiterung der Jewish Agency, verstehen durchaus, daß es ausschließlich unsere Aufgabe ist, unsere zionistischen Freunde, die Gegner dieses Planes sind, von der Richtigkeit unserer Auffassung zu überzeugen. Auch für den, der jahrzehntelang für Palästina tätig ist, ist es nicht leicht, die Entwicklung richtig zu verstehen. Die Dinge wandeln sich und Prognosen können nur mit größter Vorsicht gestellt werden. Wenn heute das Urteil über die Wirtschaft im Emek ungünstiger lautet als vor ein paar Jahren, so ist damit noch nicht gesagt, daß nicht auch dieses Gebiet eine große Rolle in der palästinensischen Entwicklung spielen kann. Man darf gemischte Wirtschaft nicht mit Plantagenwirtschaft vergleichen und man muß erkennen, daß die Landwirtschaft fast nirgends ohne Staatshilfe auskommt. Selbstverständlich müssen wir die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erstreben, aber Wirtschaftlichkeit braucht in der Landwirtschaft nicht zugleich auch Rentabilität zu bedeuten. Wesentlich ist, daß wir zur Qualität unserer Siedler Vertrauen haben können. Es ist zu begrüßen, daß wir uns auf dem Grundsatz der Freiheit bei der Wahl der Siedlungsform geeinigt haben. Wir müssen uns hüten, von vornherein an Lebensformen der Siedler Gesinnungsmaßstäbe anzulegen; es verlohnt sich gerade in Palästina den Problemen der Lebensgestaltung nachzugehen. Wir empfinden es mit Genugtuung, daß Hejr Warburg unserem Führer Weizmann soviel Freundschaft und Verehrung entgegenbringt und wir waren tief berührt von der wundervollen Wärme, mit der Herr Warburg vom palästinensischen Leben und von seinen Erlebnissen im Lande gesprochen hat. Wir fühlten seine Liebe zu der neuen jüdischen Welt, die sich ihm offenbart hat, und wir wissen, daß diese Liebe zum jüdischen Volk auch die Rebellen innerhalb des Volkes einschließen muß. Unsere lebendigsten Erinnerungen beschäftigen sich mit den Zeiten der Befreiung unseres Volkes. Wir wollten immer der Knechtschaft entgehen und suchten die Freiheit. Und gerade die Juden, die die Freiheit über alles liebten, folgten einmal Mosche auf seinem Wege nach Erez Israel. In unserer zionistischen Bewegung, die voll ist von Freiheitsstreben, muß man sich mehr darüber wundern, daß es gelungen ist, eine auf Freiwilligkeit beruhende Organisation zu schaffen, die Führer wählt und ihrem Führer zu folgen vermag als über eine Opposition gegen diese Führerschaft. Gerade die freiwillige Organisation, die nur schwer zu leiten ist und in der es immer innere Kämpfe geben muß, wird die Kraft haben, mit ihren Angelegenheiten fertig zu werden und unbeirrt ihren erstrebten Zielen zu dienen. Wir hoffen jetzt auf Zeiten schnelleren Fortschritts. Jeder erwartet von der Zukunft etwas anderes, aber wir wissen, daß alle Arbeit geschieht für etwas, das wir noch nicht kennen: Für die Erneuerung des jüdischen Lebens, für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande. Wir erwarten die neuen Offenbarungen des jüdischen Lebens. Die Zusammenarbeit dafür wird schön sein, weil keiner dem anderen hilft und weil jeder, der es ernst meint, um seiner selbst willen glaubt, daß es seine Aufgabe ist, den Erfolg der Sache herbeizuführen. Es ist eine große Freude, mit diesem hervorragenden Vertreter der amerikanischen Judenheit zusammensitzen zu können und ihn als Zeugen anzurufen für die neue Art jüdischer Verbundenheit, die echt ist, weil sie uns als Schaffende, Ahnende und Hoffende mit einem lebendigen Werk verknüpft. (Lebhafter Beifall.) Im weiteren Verlauf des Abends beantwortete Herr Warburg eine Anzahl von Fragen, die man ihm gestellt hatte und schließlich sprach noch Frau Lindheim, die seit einiger Zeit ihren Wohnsitz in München hat und riß durch ihre begeisterten Ausführungen über die Schönheit Palästinas MERCEDES-BENZ Ein Wagen, den alle bewundern zuverlässig — bequem elegant — preiswert DAIMLER-BENZ A.-G. Verkaufstelle München, Lenbachplatz 4 ■ Fernruf 59390 LEITER: DIREKTOR JAKOB WERLIN