Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 3C9 fürchtet. Es ist nur mein aufrichtiges Gefühl für ihn und für die Sache, das mir die Freiheit, vielleicht die Unverschämtheit gibt, Ihnen dies zu sagen. Was kann ich Ihnen sonst von Palästina erzählen? Ich könnte Ihnen 30 jüdische Bilder zeigen. Wir kamen in Palästina an, noch hatten wir mit keinem Menschen gesprochen, da kam ein Mann mit einem großen Bart und sprach uns an. Ich dachte schon, es sei ein Schnorrer, da öffnete er eine kleine Tasche und gab mir Äpfel und Nüsse als ein Geschenk von seinem eigenen Boden. Ich habe das Gesicht und das Gefühl nicht vergessen. Das ist ein Resultat des Bodens von Palästina. Ich könnte Ihnen ein anderes Bild geben. Wir wurden geführt von Dr. Magnes. Dr. Magnes war Rabbiner in Neuyork. er hatte dort die höchst bezahlte Stelle. Da wurde ihm dort der Boden zu klein. Er gab seine Stelle auf, lebt seitdem in Palästina und widmet sich dort der Universität — Gehalt hat er keinen mehr. Mit einem solchen Führer, werden sie sagen, hat alles rosa ausgesehen. Es ist nicht so. Dr. Magnes war so wahr, wie tauras emess. Was die Kolonien anlangt, so könnte ich beschreiben, wie wir nach Nahalal kamen und dort von den Mädchen, die da erzogen werden, empfangen wurden. Es war eine Freude, ihnen ins Auge zu sehen und sie singen zu hören. Die Fortschritte, die die Siedlung gemacht hat, zeigen erst, was alles gemacht werden kann. Hätte die Kolonie in der Krisenzeit sich nicht dazu hergegeben, zuviel Leute aufzunnhmen, sie würde heute mit Profit arbeiten. Dort hat man auch die Arbeiter angebaut, so daß jeder von ihnen mit der Zeit selbst ein Baalboß werden kann. Das Koloniensystem entwickelt sich überhaupt recht gut. Ich könnte sie von einer Kolonie zur anderen führen, ich könnte ihnen von den hervorragenden Schulen erzählen, von Dr. Birams Realschule in Haifa, die eine der besten Schulen ist, die ich kenne — und ich kenne das Schulwesen —, vom Technikum in Haifa, ich könnte ihnen von Tiberias erzählen, wo Lord Melchett sich ein wirklich entzückendes Haus gebaut hat und wo auch ich die Absicht habe, jedes Jahr eine gewisse Zeit zuzubringen. Die Araberfrage hängt in der Hauptsache davon ab, wie die Juden sich als Volk zu ihnen stellen werden. Man weiß, daß nur dann, wenn die Juden sich höflich, vernünftig und bescheiden zu ihnen verhalten, ein nachbarliches Zusammenleben möglich sein wird. Es hängt nur davon ab, wie man sie behandelt. Mittlerweile wird die arabische Bevölkerung wahrscheinlich auch ein etwas besseres Leben führen wollen, der Unterschied zwischen Juden und Araber wird sich ausgleichen und damit löst sich diese Frage von selbst. Die Araber sind gerade solche Menschen wie wir und ich weiß, daß man dort ein sehr gutes Verhältnis zwischen den Leuten schaffen kann, wenn nur keine Dummheiten im Auslande gemacht werden. Es gibt in Palästina keine Zionisten oder Nichtzionisten; es gibt auch kaum jemand, der von einem Judenstaat spricht. Einstweilen sind die Sorgen Palästinas, daß das Getreide und die Pflanzungen gedeihen, daß die Kinder etwas werden und daß man gesund bleibt. Obwohl ich kritischen Auges durch Palästina gefahren bin, kann ich nur sagen; veni vidi, Palästina vincit. Nach langanhaltendem lebhaftem Beifall dankte Herr Justizrat Straus dem Redner. Dann übernahm Herr Kurt Blumenfeld (Berlin) den Vorsitz und begrüßte als Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herrn Warburg. Er schilderte die Wandlung Felix Warburgs seit 1921. Damals habe ihm Felix Warburg erklärt, die hebräische Kultur sei vermutlich nur ein Vorwand für eine neue Art von Schnorrerei. Ohne positive Erwartungen habe man der ersten Palästinareise Warburgs entgegengesehen und sei freudig überrascht gewesen, als Warburg damals erklärte, daß er nicht die erwarteten Schnorrer, sondern ein schwer arbeitendes Volk gefunden habe. Herr Warburg hommt heute von seiner dritten Palästinareise zurück, ergriffen von den Eindrücken, die er diesesmal im Lande gehabt hat. Angesichts der erfreulichen Entwicklung der letzten Jahre und unter dem Eindruck der guten Stimmung will er gemeinsam mit uns Zionisten die Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Ich möchte hierzu bemerken; Wenn wir uns zum Aufbau des Landes verbinden, dann gilt dieses Bündnis nicht nur für die guten, sondern vor allem für die schweren Zeiten. Es ist leicht, in guten Jahren an eine große Sache zu glauben, aber es ist unsere Aufgabe, auch bei allen kommenden Schwierigkeiten auf eine große Zukunft zu vertrauen. Wir freuen uns über die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, die Herr Warburg geschildert hat. Aber wir wollen auch, daß wir alle die Schwierigkeiten, die mit einer neuen großen Einwanderung verbunden sein können, mit vereinten Kräften und mit gemeinsamer Verantwortung überwinden und uns nicht dadurch beirren lassen, daß es auch in Palästina ein Auf und Ab in der wirtschaftlichen Entwicklung gibt. Wir sind gemeinsam davon überzeugt, daß unser Werk gelingen muß. — Ein Wort zu der Art unserer Kooperation; Wir vertreten eine wirkliche Bündnispolitik zwischen Zionisten und den Judenheiten der Welt. Ein solches Bündnis kann nur dann von Dauer sein, wenn beide Teile es ganz ehrlich meinen. Diese Ehrlichkeit der neuen Fusion besteht in der Gemeinsamkeit der Arbeit, nicht in der Gemeinsamkeit der Gesinnung. In Deutschland versucht man, meist den umgekehrten Weg zu gehen und entzweit sich dann endgültig mit Mepschen, die man gut zu Freunden hätte machen können. Erst wenn man sich in gemeinsamer Aktion zusammengelebt hat und das Werk auf alle gewirkt hat, kann man sich mit Erfolg auch über Ansichten verständigen. Heute kommt alles darauf an, daß beide Teile die gleiche Verantwortung tragen und fühlen', mit den gleichen Sorgn belastet sind und in der Arbeit zu gemeinsamen Erlebnissen kommen. Das ist die Basis, auf der wir aufbauen können. Mit gleichem Ernst, mit gleicher Begeisterung, aber mit ver- Wandern und Reisen Bekleidung und Ausrüstung Sporthaus SCHUSTER Katalog kostenlos! München, Rosenstraße 6