Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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308 Das Jüdische Echo Nr. 20 und ich habe beobachtet, daß die Menschen in jedem Lande ganz dieselben Menschen sind, wie ich sie heute vor mir sehe, dieselben Mütter und dieselben Väter, deren Bestreben dahin geht, für die Zukunft ihrer Kinder zu sorgen. Man hat viel von kommunistischen Ideen in Palästina erzählt, daß alle gleich behandelt werden und alle aus dem gleichen koscheren Topf essen sollen. Aber die jüdische Mutter arbeitet überall sich krumm und lahm dafür, daß ihren Kindern die Arbeit erleichtert wird. Ich habe in den russischen Dörfern gewohnt und es war mir eine Freude den Menschen dort ins Auge zu sehen, und ich kann sagen, dieselben Leute leben in Palästina und sie leben in New York. Wenn man sie liebt, so tut man es eben, weil sie jüdische Mütter und jüdische Väter sind. Es wird nicht lange dauern, bis jeder von ihnen seinen eigenen Oliven- oder wie es heute heißen muß, seinen eigenen Orangenbaum hat. Sie wollen sich dort festsetzen und ihre Kinder dort verankern. Kommen Neulinge hinzu und wir brauchen Einwanderung in Palästina, so werden sie auf die kommunistischen Siedlungen übernommen werden und dort ihre Übungszeit durchmachen. Mit der Zeit werden sie unabhängige Menschen werden und allein stehen wollen, Menschen, die niemanden Rechenschaft geben wollen als ihren Kindern und ihrem Gewissen. Wir alle stimmen darin überein, daß dies keine Schnorrer sind, daß es Menschen sind, die bergauf arbeiten, wie es hier, wie es überall geschieht. Die Juden wollen ein Volk von Unabhängigen sein, wo immer es auch ist, in Rußland, Polen, Amerika und Palästina. Wenn dem so ist, so ist es sicher auch von höchstem Wert diesen Menschen so lange zu helfen, wie sie die Hilfe nötig haben und sie bedürfen ihrer in Palästina für die nächsten Jahre entschieden. Es gibt etwa 700 000 Araber, während die Zahl der jüdischen Bevölkerung 160 000 beträgt. Außerdem haben die Araber mehrere Frauen, während die Juden nur eine haben. Der Zuwachs der Araber ist daher größer als der der Juden. Die Juden müssen deshalb mehr durch Qualität als durch Quantität wirken, und man darf es sagen: Die Qualität der jüdischen Arbeit ist entschieden besser. Nicht in allem. Wie ich schon sagte, geht es den Orangenpflanzern ausgezeichnet, obwohl die Orangenkultur noch verhältnismäßig neu ist. Durch Zuziehung von ausgezeichneten Fachleuten sind wenig Dummheiten gemacht worden. Beim Tabakbau ist das nicht der Fall gewesen. Man hat zu viel und so schlecht produziert, daß der ganze Markt ruiniert wurde. Da und dort versucht man vielleicht Menschen zu Dingen auszubilden, zu denen sie nicht geeignet sind. So ist eine der traurigsten .Erfahrungen das Schicksal einer Kolonie von frommen Leuten in Nahalal. Man riet ihnen ab sich da anzusiedeln — sie wußten es besser und taten es doch. Sie haben schrecklich unter Krankheiten gelitten und viele sind dem Hungertode nahe gewesen. Diese Schwierigkeiten haben wir hier und da, aber gerade um die Leute richtig für ihre Arbeit vorzubereiten, braucht man die Zuschüsse, die sie in den letzten Jahren in solchem Maße zusammenbringen konnten. Was die Zukunft bringen wird, das weiß ich nicht. Wenn Sie mich fragen, was die Agency bringen wird, so kann ich nur sagen, wir haben noch nicht gebenscht. Bisher ist noch keine Agency da. Jedenfalls kann ich ihnen aber sagen, daß die Menschen die Sache mit Liebe und Ernst geprüft haben und ihr nähergetreten sind, und wenn ein Mensch wie Louis Marshall sich ihr angeschlossen hat, so können sie sich darauf verlassen, daß das kein leichtes Wort ist. Es handelt sich darum die Juden zusammenzubringen und ich darf ihnen wohl das Wort eines deutschen Dichters in Erinnerung bringen: Seid einig, einig, einig. In Amerika haben wir sie zusammengebracnt und haben unsere Delegierten gewählt, aber auch wir können ebensowenig wie Weizmann Armeen aus dem Boden stampfen. Ich war viel mit Dr. Weizmann zusammen. Vor unserer Abreise waren wir zwei Wochen in Cannes, und dann war ich mit ihm in Palästina und habe ihn dort arbeiten sehen. Ich weiß, ich habe kein Recht, mit Ihnen über interne zionistische Vorgänge zu sprechen, und ich will mich auch nicht in diese Dinge einmischen. Aber ich glaube, daß die Art, wie Dr. Weizmann angegriffen worden ist, ihn persönlich stark mitgenommen hat, und dies darf auch ich bedauern, denn ich habe diesen Mann schätzen und bewundern gelernt. Ich hoffe, daß sein Gesundheitszustand es ihm gestatten wird, sich noch weiter der Sache zu widmen. Es geht ihm jetzt besser und er sollte sich eine Zeitlang schonen. Ich gestehe, daß ich dem Kongreß mit Besorgnis entgegensehe, nicht wegen seiner Beschlüsse, obwohl es furchtbar wäre, wenn er die bisherige Arbeit zunichte machte, aber wegen des Eindrucks, den die jüdische Uneinigkeit auf die Außenwelt 'machte. Alles hängt davon ab, daß das jüdische Volk eine solidarische Front bildet. Ich bin sicher, daß Palästina besser vorwärtskäme, wenn man sich mehr um die Arbeit der Menschen im Lande kümmerte und weniger um die Diskussionen im Auslande. Verzeihen Sie diese persönlichen Worte; aber meine Liebe für Weizmann ist noch nicht so alt, j/or ein paar Jahren habe ich ihni noch ge- XVI. ZIONISTEN-KONGRESS Nur noch wenige Tage stehen uns zur Schekelaktion zur Verfügung. Diese Zeit nutze und wirb für den Schekel» Letzter Tag der Schekel-Rbrechnung am 27. Mai 1929 Zionisten, kauft und verbreitet den Schekel!