Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•+ Echo Nummer 20 17. Mai 16. Jahrgang Felix War bürg in München Empfangsabend des Keren-Hajessod Eine Veranstaltung, die . wiederum und in ganz besonders überzeugender Weise die einigende Kraft des Palästinaaufbauwerks demonstrierte, war ein Empfangsabend, den die Münchener Ortsgruppe des Keren-Hajessod zu Ehren des auf der Durchreise sich hier aufhaltenden Herrn Felix Warburg am Samstag, 11. Mai, im Park-Hotel veranstaltete. Obwohl die Tatsache, daß Herr Warburg in München sein und sprechen werde, erst am Freitag bekannt geworden war, hatte sich doch ein zahlreicher und festlicher Kreis versammelt, der seinem Gaste einen würdigen Empfang bereitete. Im Namen der Veranstalter begrüßte Herr Justizrat Dr. Elias Straus Herrn Warburg und seine Gemahlin, sowie die anderen Gäste und die Vertreter der Kultusgemeinde München. Er gab der Freude Ausdruck, daß man Gelegenheit habe den Mann kennenzulernen, der seit vielen Jahren an der Spitze der jüdischen Arbeit in Amerika stehe, die sich auf die ganze Welt erstrecke, ganz besonders aber dem Aufbau Palästinas, gelte. Dort habe man ja auch, wie die Führung der zionistischen Bewegung, seit langem erkannt, daß dieses Werk nicht Sache einer Gruppe sein könne, sondern vom ganzen jüdischen Volk getragen werden müsse. Es sei eine besondere Freude, von diesem Manne, der gerade von einer Palästinareise zurückkomme, zu hören, was er dort erlebt und erfahren habe und was ihm jetzt das Herz erfülle. Namens der israelitischen Kultusgemeinde bewillkommnete Herr Oberlandesgerichtsrat D r. Neumeyer den Gast, dem als einem Führer des Joint auch die Gemeinde München vieles zu danken habe, mit herzlichen Worten. Darauf ergriff, mit lebhaftem Beifall begrüßt, Herr Warburg selbst das Wort. Er führte etwa folgendes aus: Nach München zu kommen und die Fortschritte zu sehen, die hier gemacht werden, ist für mich immer eine große Freude, und es hat für mich einen besonderen Reiz, das Deutsche Museum und d'ie Kerschensteiner-Schule zu besuchen. Heute komme ich jedoch bewegten Herzens und mit einer anderen Aufgabe zu ihnen. Als ich ersucht' wurde bei ihnen zu sprechen, kam mir zuerst der Gruß Palästinas in den Sinn: Schalom, Friede! Das ist es nämlicb, was heute auch für uns Juden am allernotwendigsten ist. Man hat hier in so reizender Form die Arbeit des Joint erwähnt — ich weiß nicht wie lange sie noch weitergehen wird, seine erste Leistung jedenfalls war die ein amerikanisches Kriegsschiff mit Medikamenten und Mehl zu beladen und es nach Palästina zu schikken, das der Türkenkrieg völlig unversorgt zurückgelassen hatte. Wenn man die Berichte über Palästina aus den Jahren 1915/17 mit den heutigen vergleicht, so erscheint einem alles leicht und schön. In den drei Wochen, die wir 'jetzt im Lande zugebracht haben, konnten wir außerordentlich befriedigende Fortschritte sehen. Als ich das erstemal nach Palästina kam, war es ein Land, das Luftschlösser baute. Man versprach vieles und man wußte sehr wohl, daß nicht alles gehalten werden könne. Das mußte auch zu manchen Enttäuschungen führen. Aber es wurde so viel gearbeitet und von solch herrlichen Menschen, daß man den Eindruck hatte, aus diesem Idealismus werde etwas Bleibendes entstehen. Unser zweiter Besuch war weniger erfreulich. Er fiel in die Zeit, wo zu viele Leute nach Palästina gekommen waren und die Regierung nicht recht wußte, was sie mit ihnen anfangen sollte und wie sie einzugreifen hatte. Diese Zeit der Krise ist jetzt vorbei. Das Land blüht mehr denn je. Es blüht von einem Ende bis zum andern. Die Ernte ist bereits beendigt, besonders die Orangenernte ist ausgezeichnet, so daß man in ein Land sieht, wo die Menschen mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Das ist ein große Freude. Es ist noch eine größere Freude die Einheitlichkeit zu sehen, die alle Menschen umfaßt, die Tatsache, daß alle Juden in dem Lande mehr und mehr zusammengeschmiedet werden. Als man mir zum erstenmal sagte, daß das Hebräische die Sprache dieses Landes sein sollte, war ich sehr im Zweifel, ob aus diesem Versuch etwas werden könne. Ich hielt ihn für gewagt und für hyperidealistisch, aber ich hatte Unrecht. Heute wird diese Sprache von allen gebraucht. In allen Schulen sieht man diese Einheitlichkeit, es gibt eben dort Palästinenser, Juden und nicht mehr Deutsche, Russen. Galizier, Polen, Franzosen und Engländer. Allerdings gibt es auch noch Platz für weiteren Fortschritt. Ich brauche wohl keine Geographiestunde zu halten und darf als bekannt voraussetzen, daß Palästina heute in drei Teile zu teilen ist, daß wir im ersten Jerusalem finden, daß es herrlich auf dem Felsen liegt und voll der schönsten Erinnerungen ist, ja daß man das Gefühl hat, dort hätte jeder Stein historische Bedeutung. Das verleiht eine Begeisterung und eine Inspiration, die selbst auf Herren meines Alters einen merkwürdigen Einfluß ausübt. Dann gibt es dort die Ebene, wo das Wasser eine große Rolle spielt: entweder hat man zu wenig oder zu viel, entweder Sümpfe und Malaria oder Wassernot. Sie wissen, daß dort, wo der.Jordan aus dem Tiberiasee ausfließt, ein großes Elektrizitätswerk von Ruthenberg angelegt wird, das Elektrizität und Wasserkraft dahin liefern soll, wo jetzt noch die Bauern in großer Not sind. Dann kommt der dritte Teil, der von Haifa den Ozean entlang zieht, ein Landstrich, der sehr an Kalifornien erinnert. Wo gestern noch Sanddünen waren, sind da heute die schönsten Orangenhaine. Palästina ist heute kein Land von Schnorrern, diese Menschen wollen keine Wohltaten. Ich habe während der Arbeit des Joint den Vorzug gehabt, in 42 Ländern leidenden Menschen zu helfen