Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- Seite 298 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Das Jüdische Echo Nr. 19 auf diese Drohung hin zurückgetreten, nachdem vom Vorstandstisch erklärt worden war, daß beim Austritt der Protestler „die Gemeinde ihre Beamten und Angestellten zu entlohnen nicht mehr in der Lage wäre“. Der Wahlkampf begann damit, daß die Mittelpartei, die sich hier Einheitspartei nennt und deren Anhänger bisher die Mehrheit der Gemeindeverwaltung gebildet hatten, beschloß, die Frage des Aufnahmeverfahrens ruhen zu lassen. In einer längeren Erklärung betonte sie, daß sie „getragen von Verantwortungsgefühl, die Einheit der Gemeinde aufrecht erhalten und nicht des Aufnahmeverfahrens wegen gefährden wolle, daß sie ihre persönliche Ansicht nicht preisgegeben, sondern sie nur einem höheren Zweck untergeordnet habe“. Mit anderen Worten: Die Einheitspartei kapitulierte unter dem Druck der Drohungen vor der Liberalen Partei. Damit war der Boden für ein Kompromiß der beiden Parteien geebnet und so wurde dann für die Repräsentantenwahlen von den beiden Parteien eine gemeinsame Liste aufgestellt. Während bisher dem Repräsentantenkolleg 5 Liberale und 7 Anhänger der Einheitspartei angehört hatten, enthielt der gemeinsame Vorschlag der beiden Parteien 7 Liberale. 4 Mitglieder der Einheitspartei und den Zionisten Rechtsanwalt Goldstein. Da die Wahlordnung ein Verhältniswahlrecht nicht kennt, eine Minorität also nicht die Möglichkeit hat, auch nur einen Kandidaten durchzubringen, wurde die Liste der beiden Parteien widerspruchslos gewählt. Der Kompromiß der beiden Parteien geht dahin, daß das neugewählte Kolleg nur den Etat fertigstellen und eine Wahlreform beschließen soll, die das Verhältniswahlrecht und das Wahlrecht der Frauen und volljährigen Kinder der bisherigen Gemeindemitglieder bringt. Es besteht also Aussicht, daß in kürzester Zeit Neuwahlen stattfinden werden. Jahresversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Dortmund, 2. Mai. (JTA.) Sonntag, den 28. April, hielt unter dem Vorsitz von Reichsminister a. D. Dr.-Ing. e. h. Georg Gothein der Verein zur Abwehr des Antisemitismus E. V. (Sitz Berlin) in Dortmund seine Jahresversammlung ab, die aus den Kreisen der Dortmunder Mitgliedschaft sowie von auswärtigen Delegierten stark besucht war. In seinem Tätigkeitsbericht skizzierte der Geschäftsführer des Vereins. Oberleutnant a. D. Dr. Horlacher, Ziele und Methodik der Abwehrarbeit. In reger Aussprache, an der sich neben dem Vorsitzenden besonders Stadtpfarrer Lamparter, Stuttgart, Professor Guttmann, Pfarrer Tribukait, Kaufmann Oppler, Dortmund, beteiligten, wurden die Grundsätze der Vereinspolitik einmütig gutgeheißen und gegenüber der zunehmenden Aktivität der Judenhetzer die Notwendigkeit verstärkter Intensität des Abwehrkampfes betont. Vor allem müsse auch der Idealismus der vielfach irregeleiteten Jugend für die edlen Bestrebungen des Vereins gewonnen werden. Geschäfts- und Kassenbericht fanden einmütige Billigung. Vorstand und Ausschuß wurden ergänzt durch die Wahl von Studienrat Dr. Amedick, Hörde, Univ.-Prof. Martin Hobohm, Potsdam, Prof. Dr. theol. Carl Maria Kaufmann, Frankfurt a. M., Univ.-Prof. Kinkel, Gießen. Amtsgerichtsrat Stern, Essen, Pfarrer Tribukait, Dortmund, Univ.-Prof. Konrad Ziegler, Greifswald. Reichsminister a. D. Gothein schloß die Versammlung mit der Versicherung, daß der Abwehrverein wie in den bisherigen zwanzig Jahren seiner Vorstandschaft so auch künftig streng auf politische und konfessionelle Neutralität halten werde, um von. dieser breiten Plattform aus der Kulturschande des Antisemitismus entgegenzuwirken. Die Tagung des Vereins erreichte ihren Höhepunkt in einer Kundgebung im Großen Saale des Gewerbe-Vereins. Der Lichtensteinische Landtag lehnt den Antischächtantrag ab. — Ein Volksentscheid V a d uz, 3. Mai. (JTA.) Der Lichtensteinische Landtag hat den Antrag, das Schächten nach jüdischem Ritus zu verbieten, mit 11 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Die Frage unterliegt nunmehr verfassungsgemäß der Entscheidung durch eine Volksabstimmung. — Die Frage des Schächtens in Lichtenstein hat bekanntlich große Bedeutung für die Schweizer Judenheit, deren Koscherfleischbedarf aus Lichtenstein gedeckt werden soll. Statistik der Juden in der Tschechoslowakei Prag, 28. April. (JTA.) In der tschechoslowakischen Republik leben nach amtlichen Angaben 354 342 Personen jüdischer Konfession. Von diesen sind 336 664 tschechoslowakischer Staatszugehörigkeit, 17 678 Ausländer. Dem nationalen Bekenntnis nach sind 180 191 Juden, 73 203 Tschechoslowaken, 48 629 Deutsche, 29 061 Ungarn, 3752 Russen (Großrussen, Ukrainer, Karpathorussen), 1828 Polen oder Angehörige anderer Nationen. Nach den Mitteilungen des Ministeriums für nationale Verteidigung waren nach dem Stande vom 1. Januar 1924 in der tschechoslowakischen VW Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr 19