Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- Seite 299 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 299 Armee 43 jüdische Offiziere, von denen sich jedoch nur drei zur jüdischen Nationalität bekannten. 6000 jüdische Textilarbeiter in Lodz arbeitslos Lodz, 28. April. (JTA.) Infolge der scharfen Arbeitskrisis, die in Lodz, dem „polnischen Manchester“, herrscht, wurden mehr als 50 000 Arbeiter, unter ihnen etwa 6000 jüdische Arbeiter, ausgesperrt. Die jüdischen Textilarbeiter wurden am schwersten betroffen, weil sie meist in kleinen Unternehmungen beschäftigt sind und diese in erster Reihe der Krise unterlagen. Die Not unter den jüdischen Arbeitslosen ist groß, die jüdische Gemeinde kann ihnen nur zu einem geringen Maße Unterstützung angedeihen lassen. Pogrom in Litauen. <— Ein Toter, mehrere Schwerverletzte Kowno, 2. Mai. (JTA.) In dem Städtchen Newi in der Nähe von Kowno veranstalteten mit Revolvern bewaffnete litauische Faszisten einen regelrechten Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung des Ortes, die insgesamt 17 Familien zählt. Mindestens die Hälfte der jüdischen Einwohnerschaft wurde grausam mißhandelt, einige Juden liegen infolge der Verletzungen bedenklich darnieder. Der 40jährige David Schliachtil wurde, als er seiner von den Huligans schwer bedrohten Frau beistehen wollte, durch einen Revolverschuß getötet. Mehr als fünf Stunden lang dauerte der Pogrom. Auch Greise und kleine Kinder wurden nicht verschont. Die jüdischen Häuser wurden ausgeraubt. Als die herbeigerufene Polizei erschien, waren die Huligans in dem Städtchen nicht mehr anzutreffen. Die jüdische Bevölkerung des Städtchens ist durch diese Erlebnisse seelisch furchtbar niedergedrückt. Kowno, 3. Mai. (JTA.) Am 1. Mai versuchten in den Straßen von Kowno etwa 100 Personen, unter ihnen nur sehr wenige Juden, zu demonstrieren; die Polizei schoß auf diese Demonstranten, von denen einige schwer verletzt wurden, unter ihnen eine unbeteiligt gewesene jüdische Frau. Die Polizei verhaftete wahllos Passanten in den Straßen und nahm u. a. mehrere am siebenten Pessachfest die Synagogen verlassende orthodoxe Juden, sowie zahlreiche jüdische Jünglinge und Mädchen fest. Die Verhafteten, insbesondere die jungen Leute und die Mädchen, wurden grausam gepeinigt. Mehrere von ihnen sollen dem Kriegsgericht übergeben werden. (Wie erinnerlich, hat die Kownoer Polizei kürzlich eine Studentenkundgebung für Vergünstigung beim Besuch von Theater und Kinos offiziell als „jüdischen Umsturzversuch“ dargestellt.) Die Polizei gab einen Bericht heraus, in dem gesagt wird, daß 80 Prozent der Demonstranten jüdische Schulkinder waren. Das Regierungs-Organ „Lietuwos Aidas“ widmete den Ereignissen einen Leitartikel, in welchem die Juden als die Stützen des Kommunismus in Litauen hingestellt werden. In dem Artikel heißt es u. a.: „Obwohl die Juden nur 7*/2 Prozent der Bevölkerung bil- Ueberkinger Sprudel Suddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 den, ist ihr Prozentsatz unter den verhafteten Kommunisten ein ungeheuer großer. Wir wollen keinen Antisemitismus im Lande, fordern aber, daß die jüdische Gesellschaft mit der kommunistischen Propaganda ein Ende machen soll.“ Dieser Ausfall des Regierungs-Organs hat in jüdischen Kreisen einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Tagung der Exekutive des internationalen Minderheitenkongresses. — Leo Motzkin vertritt die jüdischen Minderheiten Paris, 19. April. (JTA.) Das Präsidium der Europäischen Minderheitenkonferenz tagte in Paris vom 12. bis 16. April. An der Konferenz nahmen von seiten der deutschen Minoritäten der Lettländer Paul Schiemann, von seiten der Slawen der italienische Vertreter Wilfan, in Vertretung der ungarischen Minderheiten der tschechische Abgeordnete Dr. Geza Szullö, in Vertretung der Katalaner Dr. Maspous und der jüdischen Minoritäten Dr. Leo Motzkin teil. Zuletzt hatte der Völkerbund bekanntlich beschlossen, die interessierten Staaten mögen ihre Vorschläge in der Minoritätenfrage bis 15.. April dem Dreierausschuß unterbreiten. Die Leitung der Europäischen Nationalen Minoritätenkonferenz hat sich innerhalb dieser Frist gleichfalls an den Dreierausschuß gewandt und diesen ersucht, nicht nur die einzelnen Staaten, sondern auch die Leitung der zur Interessenvertretung der Minoritäten bestimmten Konferenz anzuhören. Diese Forderung ist u. a. auch im Hinblick auf die jüdischen Minderheiten, die in keinem Staate eine Volksmehrheit darstellen, besonders wichtig. Dieser Brief wurde durch den japanischen Botschafter Adatci, den Präsidenten des Dreierausschusses, sogleich beantwortet. Von ihm erging an die Konferenzleitung die Aufforderung, unverzüglich eine Denkschrift zu verfassen, und ihm zukommen zu lassen. Seit dem zehnjährigen Bestand des Völkerbundes ist dies der erste Fall, daß in der Minoritätenfrage nicht nur die im Völkerbunde vertretenen Staaten, sondern auch die gesellschaftlichen Organisationen vernommen werden. Friedhofsschändung auch in Amerika New York, 2. Mai. (JTA.) Unerkannt gebliebene Täter schändeten den Friedhof des Beth Hamidrasch Hagodaul Israel in Cleveland. Nach der am vergangenen Jom Kippur in Messena stattgefundenen Ritualmordhetze, die sogar zur zeitweiligen Festnahme des Rabbiners geführt hatte, ist dies die zweite Äußerung des barbarischen Antisemitismus in den Vereinigten Staaten. Dreizehn Vertreter jüdischer Institutionen legen den Grundstein zum großen Nationalfondshaus in Jerusalem Jerusalem, 28. April. (JTA.) Dreizehn Vertreter großer jüdischer Organisationen und Institutionen, die — wie M. M. Ussischkin in der Festansprache sagte — symbolisch die dreizehn Stämme Israels vertreten, legten den Grundstein zum Hause des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem, das als ein Monumentalgebäude gedacht ist und später wahrscheinlich die zionistischen Hauptbüros beherbergen wird. Die dreizehn jüdischen Persönlichkeiten waren: M. M. Ussischkin für den Keren Kaiemeth, Colonel F. H. Kisch für die Zionistische Exekutive, Dr. Thon für die Knesseth Israel (organisierte jüdische Gemeinschaft Palästinas), der Dichter Leib Jaffe für den Keren Hajessod, Dr. Frank für die Rothschild’sche PICA (Palestine Je-