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Das jüdische Echo · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. Seite 294

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 Das Jüdische Echo Nr. 19 Geschichte der Organisation „Deutsche Studentenschaft“ darlegte, die Stellung der jüdischen Studenten innerhalb dieser Organisation charakterisierte und schließlich auf die besonderen Verhältnisse und die Vorgänge der letzten Monate an den bayerischen Universitäten zu sprechen kam. Daß der Referent nicht kühl und unbewegt und rein „sachlich“ sprach, sondern sich auch in den Dienst der besonderen Sache stellte, für die er eintritt, wollten ihm manche verübeln. Sehr zu Unrecht. Eine Aussprache wird durch Darlegung der eigenen Meinung eröffnet und nur wer keine eigene Meinung hat, wird Probleme aufrollen, ohne eine Lösung dafür vorzuschlagen. Anders aber kann ich mir diese rein „sachliche“ Darstellung nicht denken. Dem ersten Referenten folgte Herr Justizrat Dr. Elias Straus, der sich in warmen Worten der Sache der jüdischen Studenten zur Verfügung stellte und sie zu positiver Arbeit, zur gemeinschaftlichen Verfolgung gemeinschaftlicher Ziele, zur Erweckung und Förderung der Empfindung für die jüdische Sache und zur Verbreitung jüdischer Kenntnisse und jüdischen Wissens ermahnte. In der anschließenden lebhaften Diskussion sprachen im wesentlichen „ältere“ Semester. Wie erwartet, und man kann fast sagen wie erwünscht, prallten die Gegensätze aufeinander. Aber doch schwang in allen Reden als Unterton mit der Wunsch nach irgendeiner Form gemeinschaftlicher Betätigung. Wenn es zu einem eigentlichen Ergebnis nicht kam, sondern nur Vorschläge gemacht und entgegengenommen wurden, etwa wie die Form dieser Einheitsfront zu denken wäre oder wie weite Kreise des jüdischen Bürgertums für die studentische Arbeit zu interessieren und zur materiellen Teilnahme heranzuziehen wären, so lag das eben daran, daß gemeinsame Beschlüsse auch wirklich nur gemeinsam gefaßt werden können. Dessen waren sich auch die Versammlungsleiter bewußt und um nicht nur einen bloßen Scheinerfolg zu erzielen, brachten sie die Resolution, die ursprünglich zur Abstimmung hätte gestellt werden sollen, nur zur Verlesung. Des Interesses halber sei sie hier wiedergegeben: „Die Beschlüsse, in denen die Erlanger und Würzburger Studentenausschüsse die Einführung von Numerus-clausus-Bestimmungen gegen jüdische Studenten fordern, haben die statutenmäßig festgelegte konfessionelle und politische Neutralität in derart flagranter Weise verletzt, daß d;e derzeit noch in Bayern für alle Studierenden bestehende Zwangszugehörigkeit zu den Studentenschaften nicht mehr aufrechterhalten werden darf. Die jüdischen Studierenden stellen deshalb an Regierung und Landtag das Ersuchen, von dem Aufsichtsrecht des Staates gegenüber den Studentenschaften Gebrauch zu machen und ihnen, wie in fast allen anderen deutschen Ländern so auch in Bayern, die staatliche Anerkennung zu entziehen. Sie glauben sich zu dieser Forderung um so mehr berechtigt, als ihre zwangsmäßig erhobenen Beiträge zur Finanzierung außerdeutscher studentischer Organisationen mit ausgesprochen antisemitischem Charakter mitverwendet werden.“ Es ist nicht anzunehmen, daß eine solche Resolution von seiten derer, die durch Abwesenheit glänzten, Widerspruch gefunden hätte und es bleibt zu hoffen, daß die Anregungen, die der gestrige Abend gegeben hat, aufgegriffen und in irgendeiner Form doch noch zur Diskussion gestellt werden. Guter Wille und gegenseitige Aufrichtigkeit und Achtung müssen doch angesichts der gegenwärtigen Lage endlich eine Einheit entstehen lassen, die eigentlich schon kraft ihres Schicksals eine Einheit ist und zu der nur noch das offene Bekenntnis fehlt. Oder sollte auch so wieder nur der Naive denken können? L. K. Kultusminister Goldenberger gegen die Ritualmordhetze München, 2. Mai. Im Haushaltausschuß des bayerischen Landtags wandte sich der Kultusminister Dr. Goldenberger sehr entschieden gegen die nationalsozialistische Ritualmordhetze in Unterfranken, die im Zusammenhang mit der bisher unaufgeklärten Ermordung eines kleinen Knaben in Manau getrieben wird. Der Kultusminister teilte mit, er habe durch Erlaß an die Schulbehörden angeordnet, daß in den oberen Klassen die Schulkinder über die Grundlosigkeit der Ritualmordlegende aufgeklärt werden. Im Namen der Bayerischen Volkspartei billigte der Abgeordnete Stang diesen Erlaß. Er wies nach, daß die Behauptung, Juden treiben Ritualmord, schon 700 Jahre alt sei. Sechs bedeutende Päpste und ebensoviele Kaiser, zahlreiche wissenschaftliche Forscher und Gelehrte hätten die Frage schon durchforscht und hätten immer wieder die Überzeugung gewonnen, daß es sich um böswillige Verleumdungen handle, die zeitweilig sogar sehr streng bestraft wurden. Im Talmud finde sich nicht die kleinste Stelle, die 'darauf hinweise. In der letzten Zeit habe ein ernster Forscher 172 Fälle auf das eingehendste untersucht, ohne den geringsten Anhaltspunkt für die nationalsozialistische Behauptung zu finden. Wenn man schon Antisemit sein wolle, dann müsse man dem Antisemitismus mit besseren Waffen dienen als mit solchen. Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Buttmann hielt es demgegenüber für nötig zu erklären, daß er trotzdem glaube, es gäbe im Judentum noch heute gewisse Richtungen, die dem Aberglauben des Ritualmordes huldigen, ja er glaube sogar an eine Ritualmordseuche. Fürs Plenum kündigt er längere Ausführungen an. Daraufhin erhob sich Kultusminister Dr. Goldenberger und gab die folgende Erklärung: Im Kultusministerium erschienen Vertretungen der jüdischen Gemeinde und der bayerischen Rabbinerkonferenz und beklagten sich bitter über die Verhetzung in der Gegend von Manau. Es wurden auch ernste Befürchtungen für die Sicherheit der dortigen israelitischen Volksgenossen geäußert. Auf einen fragenden Zwischenruf der Nationalsozialisten: „Volksgenossen?“ erwiderte der Minister mit erhobener Stimme: „Jawohl, sie sind Reichsbürger, wie wir alle, sind Volksgenossen, sind Deutsche! Als Unterrichts- und Kultusminister habe ich es als geboten erachtet, an den Regierungspräsidenten von Unterfranken eine Weisung ergehen zu lassen, daß in den Volksschulen die Jugend über diese Hetzereien aufgeklärt werde. Vornehme Beleuchtungskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.)

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